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Eintracht Frankfurt

Luka Jovic: "Aus Fehlern gelernt"

  • vonRoland Stipp
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Eine überragende Torquote und der Siegtreffer in Schalke beweisen: Der Stürmer aus Serbien lag mit seiner Entscheidung goldrichtig, zur Eintracht zu wechseln.

Hallo Luka, Glückwunsch zum Einzug ins Pokalfinale. Wie fühlt man sich als Matchwinner?

Auch wenn ich das Tor erzielt habe, so haben wir natürlich alle mit unserem absoluten Willen das Spiel gewonnen. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, die Saison mit dem Pokalfinale zu krönen. Wir sind alle an unsere Grenzen und darüber hinausgegangen. Bei meinem Treffer, war sicherlich Glück dabei, aber das ist am Ende egal. Wir haben es als Mannschaft geschafft und ich freue mich, dass ich dabei helfen konnte. Ich habe schon einiges vom Pokalfinale und der Stimmung im letzten Jahr gehört und freue mich sehr darauf. Jetzt wollen wir natürlich auch den Pokal gewinnen.

Es sah so aus als sei alles wieder okay mit dem Knie?

Ja, mit dem Knie ist so weit wieder alles in Ordnung. Zum Glück war nichts Schlimmeres passiert. Nach dem Zusammenprall mit dem Hoffenheimer Torwart bei meinem Torschuss wollte ich es zwar weiter versuchen, aber ich habe ein paar Minuten später gemerkt, dass es nicht mehr geht. Um kein Risiko einzugehen, habe ich in Leverkusen auch erstmal auf der Bank gesessen.

Sie sind inzwischen richtig in Frankfurt angekommen und haben gezeigt, dass Sie nicht nur in der Joker-Rolle etwas reißen können. Erzählen Sie doch mal von ihrem ersten halben Jahr in Frankfurt und der Umstellung auf Deutschland.

Ich bin ja schon mit 18 Jahren von Roter Stern Belgrad zu Benfica Lissabon gewechselt. Von daher wusste ich in etwa, was auf mich zukommen wird: Neuer Trainer, neue Mitspieler, neue Umgebung, neue Kultur, neue Sprache und so weiter. Da muss man sich als so junger Spieler versuchen durchzusetzen. In Lissabon habe ich damit meine Schwierigkeiten gehabt, habe nicht so oft gespielt aber aus meiner Zeit dort auch viel gelernt. Mit dieser Erfahrung und dem positiven Eindruck, den ich von Eintracht Frankfurt hatte, fiel mir der Wechsel nach Deutschland nicht sehr schwer. Auch wie man mich hier aufgenommen hat, hat mir die Anfangszeit leichter gemacht. Das ich dies nun mit Toren zurückzahlen kann, ist umso schöner.

Was ist denn dann im Winter passiert? Gab es besondere Gespräche mit dem Trainer oder mit jemand anderem – oder wie hat sich das entwickelt, was wir gerade von Ihnen sehen? Und welche Rolle spielt es für Sie, dass Sie mit Trainer Niko Kovac in Ihrer Muttersprache reden können?

Ich glaube, dass jeder neue Spieler in einem Club eine gewisse Anlaufzeit braucht um sich an alles zu gewöhnen. Niko Kovac hat mit vielen Spielern im Winter-Trainingslager gesprochen und klar hilft es, wenn wir in meiner Muttersprache miteinander reden können. Überhaupt habe ich Niko Kovac sehr viel zu verdanken. Er fordert viel von uns und holt das Maximum aus uns heraus. Sicherlich habe ich mich auch persönlich weiterentwickelt, aus meinen Fehlern gelernt und habe den nächsten Schritt in meiner Entwicklung genommen.

Zu Hause in Serbien laufen jetzt die Play-offs. Es ging gleich los mit Roter Stern gegen Partizan. Sie verfolgen das natürlich?

Natürlich habe ich mir das Spiel angeschaut und mich über den Sieg über Partizan gefreut. Ich verfolge auch sonst, was in der serbischen Liga passiert. Roter Stern ist und bleibt mein Verein, zu dem ich, wenn die Zeit gekommen ist, auch wieder zurück möchte.

Sie sind wie erwähnt schon mit 18 Jahren nach Portugal gegangen. Das ging alles ganz schön schnell und auch ein bisschen auf Umwegen über Zypern und so weiter. Hatten Sie da immer alles im Griff und wollten Sie unbedingt gehen?

Ich war sehr traurig, dass ich Roter Stern Belgrad verlassen musste. Aber in Serbien leben die Vereine von den Spielertransfers. Auch wenn Benfica ein großer Verein ist, so war ich am Anfang ziemlich allein. Es war eine schwierige Zeit auch wenn mich meine Eltern und meine Freundin besucht haben. Dennoch war es auch eine lehrreiche Zeit.

Es war zu lesen, Sie hätten bei Benfica Lissabon nicht alles aus sich heraus geholt. Sie sollen selbst gesagt haben, Sie hätten sich nicht professionell verhalten? Niko Kovac hat Sie so ein bisschen in Schutz genommen und gemeint, dass könnte auch mit dem Training dort zu tun gehabt haben...

Es war in erster Linie meine eigene Schuld. Benfica hat viele große Spieler und ich habe nicht so oft spielen dürfen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe dann für die zweite Mannschaft gespielt und mich nicht unbedingt professionell verhalten. Aber ich habe auch aus meinen Fehlern gelernt.

Bei der Eintracht sind viele Spieler, die einen ähnlichen Weg gehen wie Sie, die der Fußball nach Frankfurt geführt hat. Trotzdem oder gerade deshalb ist diese Mannschaft anscheinend eine verschworene Gemeinschaft? In der man von anderen viel lernen kann wahrscheinlich?

Ja, auf jeden Fall. Wir reden viel miteinander wenn auch nicht immer in den gleichen Sprachen und lernen dadurch trotzdem vieles aus anderen Ländern und Kulturen. Das ist nicht nur interessant, sondern schweißt uns auch zusammen. Sportlich können wir jungen Spieler von den erfahrenen Spielern einiges lernen und der Trainer gibt jedem Spieler das Gefühl, dass er wichtig für die Mannschaft ist, auch wenn er mal auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen muss.

In Frankfurt gibt es einige, von Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien gegründete Fußballvereine. Den SV BKC Bosnien zum Beispiel und den FC Tempo und den FC Croatia. Haben Sie da schon mal zugeschaut? Und überhaupt: Wie lebt es sich in Frankfurt?

Gehört habe ich das zwar schon öfter, aber bisher habe ich es nicht geschafft mal bei einem Spiel zuzuschauen. Ich lebe sehr gerne hier in Frankfurt und fühle mich sehr wohl. Ich könnte mir gut vorstellen, hier zu bleiben. Aber zunächst wollen wir die Saison erfolgreich beenden und uns vielleicht den Traum von Europa erfüllen. Das wird nicht leicht und wir müssen dafür noch hart arbeiten. Alles andere wird sich danach zeigen.

Welcher Gegner in Deutschland hat Sie bisher am meisten beeindruckt?

Das ist schwer zu sagen, weil auch kleinere Vereine in der Lage sind, große Vereine zu ärgern und sie zu besiegen. Beeindruckend ist aber sicherlich Bayern München, wo so viele Nationalspieler und Stars spielen. Sie sind souverän Deutscher Meister geworden.

Letzte Frage. Wo wir schon mal einen Fachmann hier haben: Was dürfen wir denn von Serbien bei der Weltmeisterschaft erwarten? Die Gruppe mit Brasilien ist ja ganz interessant.

Brasilien ist sicherlich der Favorit für den Gruppensieg. Costa Rica ist keinesfalls zu unterschätzen aber ich denke, dass Serbien zusammen mit der Schweiz um den zweiten Platz kämpfen wird. Und wer weiß, dann wartet vielleicht mit Deutschland der Titelverteidiger im Achtelfinale. Wir Serben wollen jedenfalls besser abschneiden, als 2010 in Südafrika und wenn ich dabei wäre, würde ein Traum in Erfüllung gehen.

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