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Er versteht die Welt nicht mehr: Mesut Özil, der dieses Trikot nicht mehr tragen wird.

Erdogan-Affäre

Mesut Özil bricht sein Schweigen und verlässt die deutsche Nationalmannschaft

Mesut Özil ist aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückgetreten. Der 29-Jährige brach sein monatelanges Schweigen in der Erdogan-Affäre, holte zu einem Rundumschlag aus und beendete mit sofortiger Wirkung seine Karriere im DFB-Team.

Enttäuscht, verletzt, missverstanden: Nach einem beispiellosen Rundumschlag hat Mesut Özil überraschend seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft beendet. In drei Beiträgen in den sozialen Netzwerken nahm der 29-Jährige erstmals persönlich Stellung zur Erdogan-Affäre, rechnete mit seinen Kritikern und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ab – und zog dann einen Schlussstrich.

„Schweren Herzens und nach gründlicher Überlegung werde ich wegen der zurückliegenden Vorkommnisse nicht länger für die deutsche Nationalmannschaft spielen“, teilte Özil am Sonntagabend mit. Er kritisierte „Rassismus und fehlenden Respekt“. Besonders DFB-Präsident Reinhard Grindel griff Özil scharf an.

Zuvor hatte Özil sein monatelanges Schweigen zum Treffen mit Recep Tayyip Erdogan gebrochen. Das Foto mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten? Özil würde es wieder tun! Der DFB? Hat ihn verraten und verkauft! Die deutschen Medien? Allesamt Rassisten! Langjährige Partner? Verleumder!

„Ob es der türkische oder der deutsche Präsident gewesen wäre, meine Handlungen wären nicht anders gewesen“, schrieb Özil in seinem ersten Beitrag zum Foto mit Erdogan. Er hätte unabhängig von Wahlen in der Türkei „das Bild trotzdem gemacht“, meinte Özil. Es sei „aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie“ entstanden – unabhängig von der Person Erdogan. Eine politische Intention wies er zurück.

Stattdessen verwies er auf seine Wurzeln. „Ich habe zwei Herzen, das eine ist deutsch, das andere türkisch“, schrieb Özil. Hätte er sich geweigert, Erdogan zu treffen, hätte er diese Wurzeln verleugnet. Er verstehe, dass seine Erklärung „vielleicht schwer nachzuvollziehen“ sei, fügte Özil an. Aber die Queen oder die englische Premierministerin Theresa May hätten ähnlich gehandelt, als sie Erdogan trafen.

Der DFB mit Präsident Reinhard Grindel an der Spitze hatte Anfang Juli gefordert, Özil müsse sich öffentlich zur Sache äußern, „wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse“. Dies geschah nun an dem Tag, an dem Özil mit dem FC Arsenal auf Asien-Reise ging – jedoch ganz anders, als Grindel dies wohl gehofft hatte.

Denn Özil griff auch den DFB mitunter ohne Nennung von Grindels Namen an. Der Verband habe nichts dagegen unternommen, dass einer seiner Sponsoren (Mercedes-Benz) Özil im Zuge der Erdogan-Affäre aus seiner WM-Kampagne genommen habe. Während Grindel von ihm eine öffentliche Erklärung gefordert habe, habe sich der Sponsor für Verfehlungen in der Abgas-Affäre nicht entschuldigen müssen. „Warum?“, fragte Özil, „was hat der DFB zu all dem zu sagen?“

Im dritten Teil bekam vor allem der DFB-Präsident sein Fett weg. „Ich werde nicht länger der Sündenbock sein für seine Inkompetenz und Unfähigkeit, seinen Job gut zu machen“, teilte Özil mit: „Ich weiß, dass er mich nach dem Bild aus dem Team haben wollte. Reinhard Grindel, ich bin sehr enttäuscht, aber nicht überrascht von ihrem Handeln.“ Außerdem sollten „Menschen mit rassendiskriminierendem Hintergrund nicht für den größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen“.

Wegen der Behandlung durch den DFB und andere wolle er „das deutsche Trikot nicht mehr tragen. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht gewollt bin und vergessen wurde, was ich seit meinem Debüt 2009 geleistet habe.“

Außerdem kritisierte er den Verband dafür, auf öffentliche Kritik an dem deutschen Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verzichtet zu haben, als dieser sich am Rande der WM mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte fotografieren lassen. Den deutschen Medien wirft Özil Rassismus vor. Er werde allein aufgrund seiner Herkunft kritisiert. Sogar seine alte Schule in Gelsenkirchen habe sich wegen der Affäre von ihm abgewendet, obwohl er diese finanziell unterstütze. „Ehrlich, das tat weh.“

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