Der Pokalheld ist auf dem besten Weg, in die Fußstapfen des Fußballgottes zu treten

Interviews? Um Gottes Willen, nein, bloß nicht. „Heute nicht“, bedeutete Ante Rebic der stets zuvorkommenden Frankfurter Pressesprecherin Sarah Bein, die die Kunde sogleich den Medienschaffenden überbrachte.

Interviews? Um Gottes Willen, nein, bloß nicht. „Heute nicht“, bedeutete Ante Rebic der stets zuvorkommenden Frankfurter Pressesprecherin Sarah Bein, die die Kunde sogleich den Medienschaffenden überbrachte. „Vielleicht, wenn er vier Tore schießt“, witzelte einer. Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Ante Rebic, Eintracht-Pokalheld und kleiner WM-Star Kroatiens, ist keiner, der das große Wort schwingt, seine Sprache ist die, auch wenn es abgedroschen klingen mag, auf dem Platz. Dafür sprechen andere über ihn. Marco Russ etwa. „Ante hat alles überstrahlt“, sagte der alte Haudegen und Kapitän im Spiel gegen Hannover. Und auch das noch: „Er kann bei der Eintracht in die Fußstapfen von Alex Meier treten.“ Der Weg zum Fußballgott ist noch ein weiter, aber Rebic ist auf dem besten Weg. Nicht erst seit seiner Gala beim 4:1 gegen Hannover.

Als der Stürmer nach gut 80 Minuten signalisierte, dass es ihm reiche und er kurz darauf ausgetauscht wurde, erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen und brachten dem kroatischen Nationalspieler die verdiente Würdigung im Stehen dar. Rebic avanciert in Frankfurt zum Publikumsliebling, keiner wird auch nur annähernd gefeiert wie der 24-Jährige. Er hat es sich durch die Art und Weise, wie er Fußball interpretiert, erarbeitet und verdient. Es ist dieses Brachiale, Ungezähmte und Zügellose, das die Fans in ihren Bann zieht. Und gerade deshalb sei die bloße Präsenz des Stürmers so eminent wichtig, sagt Trainer Adi Hütter. „Es tut den anderen Jungs gut, dass er da ist.“ An ihm können sie sich orientieren und aufrichten, er kann sie durch seine ganz spezielle Art mitziehen und pushen.

Rebic hat am Sonntag schon sehr früh gezeigt, weshalb er für das Team von großer Bedeutung ist. In der spielerisch keineswegs verheißungsvollen Anfangsphase war er es, der den Hannoveranern immer wieder zusetzte, der sie attackierte und piesackte, der sie nie in Ruhe ließ, sondern sie mit seinem bedingungslosen Einsatz zu Fehlern zwang. Gleich mehrfach provozierte er Ballverluste, nach 23 Minuten etwa setzte er Schlussmann Michael Esser dergestalt zu, dass dieser einen Fehlpass produzierte, den Sébastien Haller leicht schon zur Führung hätte nutzen können. Nach dem 1:0 durch Innenverteidiger Evan Ndicka (36.), bei dem Rebic seine Füße nicht im Spiel hatte, war es der Angreifer, der höchstselbst das 2:0 machte – mit einer seiner berüchtigten Energieleistungen und einem kühlen Abschluss (45.). Sein Meisterstück an diesem Tag vollbrachte Rebic nach einer Stunde, als die Hannoveraner Abwehrspieler quasi an ihm abprallten, er aber noch den Überblick hatte, um Jonathan de Guzmán zu seinem ersten Tor in der Bundesliga zu verhelfen. Extraklasse.

„Wenn er fit ist und auf dem Feld steht, ist er ein Punkt, der uns in die richtige Richtung bringen kann“, formulierte Russ. Trainer Hütter ist einfach nur froh, den Schlüsselspieler in seinen Reihen zu haben. „Nicht nur in Frankfurt weiß jeder, was er für ein unglaublich toller Spieler er ist“, sagte der Österreicher. Im Übrigen: Rebic ist genau der Spieler, den der Coach für seine eigentlich favorisierte Art des Fußballs benötigt: Einer, der ohne Rücksicht auf Verluste draufgeht, Druck macht und das Pressing forciert. Und Rebic ist nicht allein auf weiter Flur. Mittelstürmer Haller spielt gewiss nicht so spektakulär und ist keiner, der mit einem Solo die Abwehr aufreißt. Aber der Franzose wird immer mehr zu einem „Fixpunkt“ im Spiel der Eintracht. Das hat ausgerechnet der Jüngste, Evan Ndicka, so treffend formuliert. Haller hat sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich gesteigert, er hält mehr Bälle und hat eine herausragende Zweikampfbilanz, er setzt die Mitspieler klug ein. Gegen Hannover hatte der 24-Jährige bei drei von vier Toren seine Körperteile im Spiel, zweimal den Kopf. Er war an neun von den insgesamt zehn Eintracht-Toren beteiligt. Eine herausragende Quote. „Sie ergänzen sich, das sind super Stürmer“, sagte Ndicka.

Und dann gibt es ja noch den Dritten im Bunde, der unter normalen Umständen auch einen Stammplatz haben müsste: Luka Jovic. Der Serbe kam gegen die 96er ins Spiel – und machte direkt ein Tor, das er selbst initiierte. Auch Jovic erhielt ein Extralob von Russ. „Es zeichnet uns aus, dass Spieler von der Bank Impulse setzen und Spiele entscheiden können.“ Hütter registriert diese Konstellation mit Wohlwollen: „Wir haben da vorne Power, Qualität und Spieler, die Tore machen können.“ Ein nicht hoch genug zu bewertendes Gut.

(dur,kil)

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