Tour de France

In Roubaix kehrt John Degenkolb an die Stelle seines größten Sieges zurück

John Degenkolb kehrt mit der Tour de France an die Stelle seines größten Sieges zurück. Seit dem Triumph 2015 auf dem Kopfsteinpflaster von Roubaix musste der Klassikerjäger viele Rückschläge einstecken.

Die Hölle des Nordens war für John Degenkolb der Himmel auf Erden. „Das ist das Rennen, von dem ich immer geträumt habe, es einmal zu gewinnen. Jahrelang hatte ich für diesen Moment gearbeitet“, sagte der deutsche Radstar nach seinem grandiosen Sieg bei Paris-Roubaix vor nunmehr drei Jahren. Was Degenkolb damals nicht ahnte: Seine Verweildauer im Velo-Paradies war nur kurz.

Wenn der 29-Jährige am Sonntag mit der Tour de France auf die Kopfsteinpflaster Nordost-Frankreichs zurückkehrt, fährt die Erinnerung an den größten Moment seiner Karriere mit. „Die Pflasteretappe ist etwas Besonderes“, sagt der gebürtige Geraer, der seine Heimat längst im Rhein-Main-Gebiet gefunden hat und in Oberursel wohnt, über die neunte Etappe mit Ziel in Roubaix: „Wir können mit unserem Kader wirklich etwas bewegen. Zuerst gilt es aber, auf Bauke zu schauen.“ Bauke heißt mit Nachnamen Mollema, ist Niederländer, Rundfahrer mit durchschnittlichen Chancen auf einen Spitzenplatz im Tour-Gesamtklassement und Degenkolbs Kapitän bei Trek-Segafredo. Dass sich Degenkolb ihm unterordnen muss, statt zumindest auf den berüchtigten Paves seine Chance suchen zu dürfen, sagt viel über die Zeit seit seinem Triumph von 2015 aus.

Als Degenkolb damals im Radstadion von Roubaix die Pflasterstein-Trophäe in die Höhe reckte, war er ganz oben angelangt, hatte als erster Fahrer seit fast 30 Jahren die so unterschiedlichen Monumente Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix in einer Saison gewonnen. Dass der Sieg in Roubaix sein bislang letzter großer sein sollte, war nicht vorauszusehen. Als hätte er den Zorn der Nordhöllen-Götter heraufbeschworen, war Degenkolb seither vom Pech verfolgt. Im Januar 2016 zog er sich schwere Verletzungen zu, als eine Engländerin mit ihrem Auto Degenkolbs Trainingsgruppe über den Haufen fuhr, auch danach kassierte er viele Rückschläge – zuletzt kostete ihn ein Sturz ausgerechnet bei Paris-Roubaix einige Wochen Training.

„Ich konnte erst im Mai wieder strukturiert Radfahren. Es war lange ein brutaler Kampf mit mir und meinem Körper“, sagt Degenkolb: „Von einem Tag auf den anderen habe ich aber im Körper und im Kopf gespürt, dass es wieder geht.“ Was wirklich geht für Degenkolb, könnte der Roubaix-Abschnitt zeigen. Freilich gibt es bei der Tour nur eine „Hölle light“: Statt 257 Gesamtkilometern beim Original nur 156,5, statt 29 Kopfsteinpflaster-Sektoren mit rund 55 Kilometern nur 15 mit 22 Kilometern, der Wald von Arenberg fehlt. Degenkolb, dessen Tour-Ziel nach sechs zweiten Plätze der erste Etappensieg bleibt, gehört nicht zu den Sieganwärtern. Die Favoritenrolle haben seine Nachfolger, der Belgier Greg Van Avermaet (Roubaix-Sieger 2017), ab der vierten Etappe in Gelb, oder der slowakische Weltmeister Peter Sagan (2018), dessen Triumph eine Machtdemonstration war. „Mit den schönen Erinnerungen wird das sicherlich etwas ganz Spezielles für mich“, sagt Sagan, „aber mit dem Rennen im April ist das nicht zu vergleichen – schließlich wollen auch die Klassement-Fahrer vorne dabei sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare