Fußball

Schwere Zeiten in Hamburg

Der Hamburger SV steht am Abgrund zur 2. Bundesliga, der FC St. Pauli muss den Abstieg in die Drittklassigkeit fürchten: Der Hansestadt droht der Fußball-GAU.

Die Hamburger Fußball-Fans sind in diesen Tagen nun wirklich nicht zu beneiden. Da wird der Hamburger SV wohl erstmals in der Geschichte in die 2. Liga absteigen und dann kommt es nächste Saison vielleicht noch nicht einmal zum Stadtderby gegen den FC St. Pauli. Denn die Kiezkicker stecken selber tief in der Krise, der Gang in die Drittklassigkeit naht. „Hamburg droht der Fußball-GAU“, schrieb die Hamburger Morgenpost bereits.

Besonders für den HSV ist die Lage mittlerweile fast aussichtslos, schon am Sonntag könnte die Bundesliga-Zugehörigkeit nach dann 54 Jahren und 242 Tagen ein Ende finden. Nach dem kuriosen 2:0 von Mainz 05 gegen Freiburg hat die Mannschaft von Trainer Christian Titz vier Spieltage vor Schluss acht Punkte Rückstand auf den Relegationsrang.

Sollte Wolfsburg nun am Freitag bei Borussia Mönchengladbach gewinnen, der HSV dann am Samstag zu Hause gegen Freiburg verlieren und Mainz am Sonntag in Augsburg gewinnen – dann, ja dann, ist der HSV auch rechnerisch nicht mehr zu retten. Und während die Politik an der Elbe in Person von Bürgermeister Peter Tschentscher, ausgerechnet ein gebürtiger Bremer, sowie Sport- und Innensenator Andy Grote noch an ein kleines Wunder glaubt, stirbt auch bei Titz die Hoffnung zuletzt.

„Wir haben ein Team, das sich nicht aufgibt, wir sind fest überzeugt von uns und glauben an unsere Stärke“, sagte der 47-Jährige. Und Vorstand Frank Wettstein meint bei hsv.de, man sei zwar „nicht blauäugig“, aber dies ändere „nichts daran, wie wir in die kommenden Spiele gehen werden. Uns helfen nur Siege, um uns noch eine Restchance zu erarbeiten.“

Ein Doppelabstieg wäre ein herber Imageschaden für die Stadt, die auf Touristen angewiesen ist. Nicht nur die Klubs müssten finanzielle Einbußen hinnehmen, auch auf die Wirtschaft würde ein großer Schaden zukommen. Schließlich sind sowohl das Volkspark- als auch das Millerntorstadion trotz gruseliger Vorstellungen immer noch gut gefüllt, viele Fans von Auswärtsteams verbinden die Spiele mit einem Kurzurlaub in der Hansestadt.

Und zuletzt konnten sie sich zudem oft über Punkte für ihr Team freuen – weil sowohl beim HSV als auch beim ungeliebten Nachbarn Flaute herrscht. Beide Teams stellen in ihren Ligen den schwächsten Angriff, St. Pauli ist seit sechs Spielen ohne Sieg und mittlerweile auf den Relegationsrang abgestürzt. Doch im Gegensatz zum HSV kann sich der Totenkopf-Klub noch aus eigener Kraft retten. Sportchef Uwe Stöver sagte deshalb auch, man werde „es gemeinsam schaffen“.

Er musste aber auch zugeben, dass es für die Kiezkicker „im Moment richtig dick ins Gesicht gibt“. Ein Doppel-Abstieg von HSV und St. Pauli käme auch für Hamburg einem Schlag gleich, schließlich werden die Hanseaten auch sonst nicht unbedingt mit Spitzensport in den großen Ligen vor der Haustür verwöhnt. In der zweitgrößten deutschen Stadt gibt es weder erstklassige Handballer, Basketballer oder Volleyballer noch Eishockeyspieler.

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