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Betretene Frankfurter Mienen nach dem Schlusspfiff in Bremen: David Abraham, Gelson Fernandes, Jonathan de Guzman und Marius Wolf (von links).

Eintracht Frankfurt

Taktiktafel: Arbeit gegen den Ball lohnt sich überall

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Gut gespielt und Pech gehabt? Ja, auch. Und doch gab es sicher noch andere Gründe für die Niederlage der Eintracht bei Werder Bremen als nur den Fehlgriff von Torhüter Lukas Hradecky beim entscheidenden Treffer. Wir begeben uns auf Spurensuche.

„Wir haben phasenweise richtig gute Ballstafetten gezeigt und uns einige Torchancen herausgespielt. Das Spiel haben wir sehr unglücklich verloren“, sagte -Trainer    nach dem 1:2 bei Werder Bremen. Stimmt alles. Genauso entspricht es aber auch den Tatsachen, dass es einfach nicht reichte, was die Frankfurter an der Weser zu bieten hatten.

Schon in der Anfangsphase drängte sich das Gefühl auf, dass da eine Mannschaft spielt, die plötzlich etwas zu verlieren hat. Es wurde nicht nur ungewohnt spät angelaufen, sondern auch zögerlicher als zuletzt. Bis fast an die Mittellinie konnte Werder ohne große Gegenwehr kombinieren. Die Gastgeber gingen die Sache zwar ähnlich an, waren aber dann konsequenter, rückten in höherem Tempo und näher an den ballführenden Frankfurter heran. Und so war es für Kovacs Leute schwieriger, in die Nähe der torgefährliche Zone zu kommen – es war einfach mehr Druck auf dem Ball als auf der Gegenseite.

Beispiel gefällig? Schauen wir uns das 1:0 an. Kurz zuvor eroberte Jonathan de Guzman 22 Meter vor dem eigenen Tor den Ball und nun sollte es eigentlich schnell nach vorne gehen. Doch Werder schaltete sofort auf Defensive um, ging also direkt ins Gegenpressing, um Zeit zu gewinnen und hinten in die Ordnung zu kommen. Der Lohn der Bremer Entschlossenheit war ein Fehlpass von der Guzman ins Aus. Der folgende Einwurf hatte fast einen weiteren Bremer Ballverlust zur Folge, doch obwohl mit Dany da Costa, Marius Wolf, de Guzmann und Makoto Hasebe (was der dort zu suchen hat, bleibt ein Rätsel) gleich vier Frankfurter in der Nähe waren, konnten zwei Bremer den Ball behaupten. Max Kruse spielt ein paar Meter zurück zu Philipp Bargfrede und ganz gemächlich kam dann auch noch Luka Jovic dazu, drehte aber gleich wieder ab und so konnte sich Bargfrede in aller Seelenruhe drehen und das Spiel eröffnen. 13 Sekunden später „klingelte“ es im Kasten der Eintracht. Als Letzter am Ball war Hasebe, dessen Irrweg ihn am Ende an den Fünfmeterraum geführt hatte, wo er per Grätsche versuchte, den Abschluss von Zlatko Junusovic zu verhindern, den Ball aber nur noch ins eigene Tor lenken konnte. Arbeit gegen den Ball, diese Weisheit stammt so formuliert wohl von Jürgen Klopp, lohnt sich eben überall auf dem Feld – und kommt in der torgefährlichen Zone oft zu spät.

Apropos torgefährliche Zone. Es gibt verschiedene Wege, diese zu bearbeiten und zu erobern, sprich zum Abschluss zu kommen. Flanken sind zum Beispiel ein Mittel, Kombinationsspiel oder Dribbling. Unabdingbar ist aber fast immer eines: hohes Tempo. Deshalb gibt es Trainer, die von der „Sprintzone“ sprechen. Und es gibt ja auch Spieler, die dorthin in höchstem Tempo gehen, wo längst nicht jeder Ball hingespielt wird, geschweige denn ankommt. Eigentlich hat die Eintracht solche Leute, etwa Wolf oder Ante Rebic. Doch diesmal passierte dort nicht genug. Ein Beispiel war der Konter in der vierten Minute über Rebic, der auf die Kette zulief und rechts Kevin-Prince Boateng bediente, der das Tempo aber nicht mitnahm und dessen Hereingabe letztlich abgewehrt wurde. Wobei man dem „Prinz“ kaum einen Vorwurf machen kann, weil es eben nicht (mehr) seine Spielweise ist, einen schnellen Abwehrmann wie Bremens Niklas Moisander einfach zu überlaufen. Gewünscht hätte ich mir in dieser Szene als Trainer von Luka Jovic aber einen Sprint des jungen Eintracht-Stürmers in die gleichnamige Zone.

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