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Winterspiele bei 16 Grad: „Der Schnee verdunstet“

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Paralympics
Eine Kunstschneepiste im Nationalen Ski-Alpin-Zentrum in Yanqing in der ansonsten schneefreien Landschaft. © Christoph Soeder/dpa

Bei den Olympischen Spielen in Peking klagten die Sportler über die extreme Kälte. Bei den Paralympics sind die Temperaturen nun so stark angestiegen, dass dies auch wieder zum großen Problem wird.

Peking - Folgen auf Olympische Bibberspiele nun die Paralympischen Wasserspiele? Die markant steigenden Temperaturen in den beiden Hauptorten der Paralympischen Winterspiele von Peking schüren Sorgen vor schwierigsten Bedingungen an den letzten Tagen.

Erhöhte Sturzgefahr und mangelnde Chancengleichheit könnten drohen. Gleichzeitig sorgen die Bedingungen auch für neue Kritik an der Wahl des Gastgebers. „Bei den letzten beiden Paralympics war es auch schon sehr sommerlich“, sagte Biathletin Anja Wicker: „Vielleicht wäre es doch ganz nett, wenn wir demnächst mal wieder in echte Wintersport-Regionen gehen würden.“

Dass sich die Spiele der Behindertensportler nach zwei Wochen Olympia und zwei Wochen Pause bis Mitte März ziehen, ist für den deutschen Verbandspräsidenten Friedhelm Julius Beucher dabei keine Ausrede. „Das gehört eben zur Herausforderung bei der Auswahl der Orte“, sagt er: „Es gibt ja durchaus Wintersport-Orte, wo es um diese Zeit noch kalt ist.“ Die Frage, ob die Austragung zu spät ist, „hätte man vor sieben Jahren bei der Vergabe stellen müssen“, sagte Alpin-Bundestrainer Justus Wolf: „Aber wir sind nur das Anhängsel des IOC, von daher haben wir da nix mitzureden.“

Heftiger Temperaturanstieg

Bei den Rennen der nordischen in Zhangjiakou soll das Thermometer in den nächsten Tagen auf rund 15 Grad klettern, bei den alpinen in Yanqing sogar auf 16 Grad. Das sind über 40 Grad mehr als bei Olympia im Februar, als die bis zu 26,8 Grad minus für Wehklagen anderer Art unter Athleten und Funktionären gesorgt hatten. „Es ist brutal“, klagte Wicker nach dem Langlauf-Sprint am Mittwoch: „Die Spuren haben nicht gehalten. Es ist sehr matschig. Im Schatten läuft es richtig gut, dann kommt man in die Sonne, und es wird so langsam, dass man fast eine Vollbremsung macht.“

Ärgerlich für die Athleten ist, dass dies nicht zum ersten Mal passiert. „So schlechte Bedingungen habe ich zuvor in Pyeongchang gesehen. Und davor in Sotschi“, sagte die Norwegerin Birgit Skarstein - und meinte die vorherigen beiden Paralympics 2018 und 2014.

„In Pyeongchang hatten wir am Ende richtige Wasserspiele“, erinnerte sich Beucher. Ganz so extrem wie bei den Spielen vor vier Jahren dürfte es diesmal nicht werden, vermutet Ralf Rombach. „In Pyeongchang war es viel schlimmer. Da war die Piste mies und ist eingebrochen. Das ist hier viel besser“, sagte der Bundestrainer der Nordischen: „Nachts ist es kalt, die Luft ist trocken, deshalb ist der Schnee von unten kalt. Das gibt mir Hoffnung. Aber der Schnee verdunstet so vor sich.“

Teil der Vorbereitung Makulatur

Doch auch die äußeren Bedingungen bereiten den Athleten Schwierigkeiten. „Für mich persönlich ist das überhaupt nicht gut, weil ich Hitze überhaupt nicht vertrage“, sagte Fahnenträger Martin Fleig. Zum Glück habe er schon vor dem Wärme-Einbruch Silber im Biathlon geholt, sagte der Freiburger lachend: „Ich habe meine Medaille. Da kann es auch 20 Grad werden, das ist mir wurscht.“

Zudem ist es problematisch, dass sich die Bedingungen so extrem verändern. Ein großer Teil der Vorbereitung ist damit Makulatur. „Die warmen Temperaturen machen es schwierig, sich komplett auf die Wettkampfpiste einzustellen, da diese deutlich kompakter und härter ist als die Warm-up Pisten“, sagte Alpin-Routinier Andrea Rothfuss (32), die schon an ihren fünften Spielen teilnimmt: „Im Kurs wird mit Salz präpariert und gerutscht, und nebendran hat man dann den Frühjahrs-Sulz.“ dpa

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