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Zwei Monate nach WM-Debakel findet DFB viele Worte mit wenig Inhalt

Die Erklärung zur Lage der Fußball-Nation hatte für die üblichen DFB-Verhältnisse Verlängerung, das gab es bei Joachim Löw schon ewig nicht mehr.

Die Erklärung zur Lage der Fußball-Nation hatte für die üblichen DFB-Verhältnisse Verlängerung, das gab es bei Joachim Löw schon ewig nicht mehr. Wenn die Aufarbeitung der weltmeisterlichen Blamage in Russland den Bundestrainer aber stolze zwei Monate beanspruchte, konnte es mit Erklärungsversuchen und Verbesserungsvorschlägen auch nicht in ein paar Minuten getan sein.

Allein die Bereitschaft zur ausführlichen Stellungnahme war insofern schon eine dringend notwendige Veränderung gegenüber der Verweigerungshaltung der jüngeren Vergangenheit. Und natürlich hatten Löw und Co. vorher genug Zeit, sich gut beraten zu lassen und vielleicht auch selbst herauszufinden, dass bei diesem

Gang nach Canossa

eine gewisse Bußfertigkeit gefragt war. Nach diesem harten Sturz aus einer selbstgefälligen Parallelwelt in die Wirklichkeit ging es auch nicht anders.

Bemerkenswert immerhin, dass der Bundestrainer in Fragen des Spielstils Arroganz bei sich selbst einräumte, dass er obendrein eingestand, er habe nicht genug Feuer in der Mannschaft entfachen können. Was sonst blieb? Viele Worte, aber kaum klare Botschaften. Und das Gefühl, man sei der Meinung, nach dem größten Unfall der bisherigen deutschen WM-Geschichte genügten kleinere Korrekturen, um dann schon wieder auf die Erfolgsspur einzubiegen.

Der Willen zur Wende wirkte eher halbherzig. Genauso die Bereitschaft des für das ganze aufgeblasene Marketinggedöns verantwortlichen Managers Oliver Bierhoff, der Entfremdung zwischen den ersten Fußballern des Landes und dem Volk entgegenzuarbeiten. Dass Löw und Bierhoff sich nach ihrer Analyse nicht selbst als Hauptverantwortliche ausmustern würden, war klar und vielleicht auch ebenso wenig notwendig wie Aktionismus beim Umbau der Elf. Alternativen gab es für den führungsschwachen Verband kaum. Mehr Kompetenz an der Spitze und ein Korrektiv für Löw und Bierhoff sind da dringend geboten. Der Bundestrainer ist so oder so gefordert, sich bei all seinen Verdiensten dringend wieder auf seine handwerklichen Fertigkeiten zu besinnen. Damit hat er die Nationalmannschaft einmal aus der Steinzeit in die Moderne geführt, bis auf den Gipfel von Rio. Wenn er den Worten nun keine Taten folgen lässt, dürften nach weiteren Enttäuschungen auf internationaler Ebene auch noch so lange Erklärungsversuche nichts mehr helfen.

markus.katzenbach@fnp.de Berichte auf dieser Seite

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