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Sie stehen zusammen: Die United Volleys (von links) mit Mittelblocker Lucas Van Berkel, Moritz Karlitzek und Sebastian Schwarz.

Volleyball

Selbst in der Gruppenphase der Champions League haben die United Volleys ihre Möglichkeiten

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  • Michael Löffler
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Es geht Schlag auf Schlag für die Frankfurter: Vor dem Duell bei Titelverteidiger Kazan steht am Sonntag das Bundesliga-Duell bei Meister Berlin an.

Stelio DeRocco wirbelte immer wieder mit der Hand durch die Luft und schmetterte mit tiefer Stimme „Ole! Ole!“ ins Mikrofon. Der Kanadier, sonst so beherrscht auftretend, ließ seinen Glücksgefühlen komplett freien Lauf. „Jetzt bin ich in Frankfurt richtig angekommen“, sagte der neue Trainer der United Volleys am späten Dienstagabend im VIP-Raum der Fraport Arena. Der 3:1-Sieg über Paok Thessaloniki und der damit verbundene Einzug in die Gruppenphase der Champions League hatte den 58 Jahre alte Kanadier regelrecht berauscht. Nur zwei Monate nach seinem Amtsantritt sorgte DeRocco für den größten internationalen Erfolg des Volleyball-Bundesligisten. Sein Team gehört neben Meister Berlin und Pokalsieger Friedrichshafen zu den 20 erlesenen Clubs, die in fünf Vierer-Gruppen um Europas Krone kämpfen. „Wir hatten eine Mission, gegen die besten Teams Europas zu spielen. Jetzt haben wir uns belohnt. Das ist ein großartiges Gefühl“, so DeRocco.

Ob für sein Team in der Gruppe A gegen Titelverteidiger Zenit Kazan (Russland), Knack Roeselare (Belgien) und Halkbank Ankara (Türkei) noch mehr möglich ist? Ausgeschlossen ist nichts. Die fünf Gruppensieger sowie die drei besten Gruppen-Zweiten ziehen ins Viertelfinale (Mitte März) ein. Die Frankfurter haben nichts mehr zu verlieren. Vor allem nicht im Auftaktspiel am kommenden Mittwoch (17 Uhr/MEZ) in Kazan.

„Friedrichshafen und Berlin haben in den vergangenen Jahren schon gezeigt, dass die Bundesliga auf internationalem Niveau mithalten kann“, sagte Volleys-Kapitän Sebastian Schwarz, „jetzt sind wir auch in diese Kategorie aufgerückt. Das ist ein gutes Zeichen für den deutschen Volleyball.“ Nach der wohl unlösbaren Aufgabe in Kazan warten gegen Ankara und Roeselare im Dezember und Januar zwei Heimspiele in Folge.

Bevor die Hessen an diesem Montag nach Russland fliegen und ihre märchenhafte Champions-League-Reise fortsetzen, steht in der Bundesliga der erste Höhepunkt an. Am Sonntag (16 Uhr) wird sich im Gastspiel bei den Berlin Volleys zeigen, ob die Frankfurter auch mit dem deutschen Meister mithalten können. Nach dem vielleicht sogar besten Spiel der Club-Geschichte gegen Paok dürfte das Selbstvertrauen jedenfalls groß sein.

Durch den Einzug in die Gruppenphase der Königsklasse entstehen den United Volleys wie schon in der Qualifikation Zusatzkosten von 100 000 Euro. Der Etat von rund einer Million Euro erhöht sich dadurch um etwa 20 Prozent. Längerfristig soll sich das Investment auszahlen. „Ich glaube nicht“, sagte Frankfurts Macher und Hauptfinanzier Jörg Krick, „dass wir ein Minus machen. Man sieht jetzt schon in Gesprächen mit Sponsoren, dass sich das nächste Saison vermutlich bezahlt macht“.

Kommentar von Harald Joisten:

Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit die United Volleys Frankfurt durch die Qualifikation zur Champions League marschiert sind. Der kaum für möglich gehaltene Einzug in die Gruppenphase war völlig verdient. Das spricht für die Qualität der Mannschaft – und für das gestiegene Niveau der Bundesliga. Den Hessen ist auch in der „Königsklasse“ etwas zuzutrauen, vielleicht sogar Rang zwei in ihrer Gruppe hinter Titelfavorit Kazan.

Der stimmungsvolle 3:1-Erfolg am Dienstagabend gegen Paok Thessaloniki war ein Indiz für das durchaus vorhandene Potenzial des Volleyballs in der Rhein-Main-Region. Doch überbewertet werden darf die Partie vor der Saison-Rekordkulisse von 2000 Zuschauern und frenetischen Paok-Fans nicht – nicht nur, weil vorher einige Freikarten im Umland verteilt wurden. Die United Volleys werden es auch weiterhin schwer haben, sich hinter den alles überstrahlenden Eintracht-Fußballern sowie den Skyliners-Basketballern und Eishockey-Löwen zu behaupten. Als warnendes Beispiel dienen die Handballer der SG Wallau-Massenheim, die einst auch in die damals noch Ballsporthalle heißende Arena zogen, aber trotz großer sportlicher Erfolge nie wirklich in Frankfurt Fuß fassen konnten.

Noch sind die United Volleys erst im vierten Jahr ihres Bestehens, nachdem sie 2015 die Erstliga-Lizenz der TG Rüsselsheim übernahmen. In dieser Saison bestreiten sie erstmals alle Heimspiele ausschließlich in Frankfurt (Unterliederbach). Es ist zu früh, eine Prognose abzugeben, ob das überwiegend dürftige Zuschauer-Interesse kontinuierlich ansteigen wird. Auch Initiator und Hauptfinanzier Jörg Krick gibt dem ambitionierten Unterfangen zehn Jahre. Erst danach könne ein Fazit gezogen werden. Sportlich haben Krick und seine Volleys die Ziele bisher voll erreicht. Mit der Champions League nun sogar übertroffen. Es ist ein großartiger Anfang, der Rest wird sich zeigen.

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