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Landstraße wird ein Jahr gesperrt: Handwerk schlägt Alarm

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Von: Barbara Schmidt

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Nicht nur im Dachdeckerbetrieb Georg in der Hofheimer Straße macht man sich Sorgen wegen der drohenden Sperrung der Landesstraße 3011 in Hofheim (Main-Taunus-Kreis). Anlieferungen durch schwere Lastwagen würden erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich.
Nicht nur im Dachdeckerbetrieb Georg in der Hofheimer Straße macht man sich Sorgen wegen der drohenden Sperrung der Landesstraße 3011 in Hofheim (Main-Taunus-Kreis). Anlieferungen durch schwere Lastwagen würden erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich. © Knapp

Die Vollsperrung der L3011 in Hofheim (Main-Taunus-Kreis) wird zum Problem für viele Firmen. Die Kreishandwerkerschaft rechnet deshalb sogar mit drohenden Einbußen.

Hofheim – Umwege fahren zu müssen, wenn im März 2023 die einjährige Vollsperrung der L 3011 im Bereich der Klärwerkskurve vor der Lorsbacher Ortseinfahrt tatsächlich kommt, das ist für Privatleute schon ärgerlich, teuer und zeitaufwendig genug. Doch wer auch noch einen Handwerksbetrieb hat, sieht noch ganz andere Probleme auf sich zukommen.

„In Lorsbach gibt es keine einzige Wendemöglichkeit für große Lkw“, sagt Jasmin Georg vom Dachdeckerbetrieb Georg. Im Familienbetrieb in der Hofheimer Straße herrscht daher Ratlosigkeit, wie während einer Vollsperrung die langen Holzbalken, die die Dachdecker benötigen, auf das Firmengelände geliefert werden könnten.

„Jetzt kommen die Lkw von der A 66 direkt zu uns, laden ab und fahren dann weiter bis Eppstein, wo sie an der Eisenbahnbrücke wenden können“, schildert Jasmin Georg das eingespielte Prozedere. Über Langenhain dürften so große, schwere Lastwagen wegen des starken Gefälles hinunter nach Lorsbach nicht fahren, weiß sie. Und von der A 3 über Eppstein anzuliefern, sei auch nicht möglich. Denn dann säßen sie quasi in Lorsbach in der Sackgasse.

Vollsperrung der Landesstraße wird für Firmen in Hofheim teuer

„Wir sind bestimmt nicht die Einzigen hier, die vor solchen Problemen stehen“, ist sich Georg sicher. Die zusätzlichen Fahrtkosten und der erforderliche Mehraufwand an Zeit, das werde man wohl hinnehmen müssen, auch wenn das für den Betrieb klar einen Wettbewerbsnachteil bedeute. Aber für die Anlieferung müsse eine Lösung gefunden werden, sagt die Geschäftsfrau.

Bei der Firma Mühlsteff, zwischen Agip-Tankstelle und Reiterhof Georg gelegen, und auf Feuerschutz spezialisiert, weiß noch niemand, was wirklich auf den Betrieb zukommt. „Ich bin gespannt, wie unsere Anlieferer rausfahren können“, sagt Hedwig Mühlsteff. Sie beklagt sich darüber, dass die betroffenen Betriebe bisher weder Informationen über die geplante Verkehrsführung haben, noch gefragt wurden, wo sie Probleme sehen. „Wir schweben“, beschreibt sie die Situation und sagt ratlos: „Ich weiß nicht, wie die sich das vorstellen.“

Die benachbarte Firma Albert Schäfer, die auf Pferdesportbedarf spezialisiert ist, sieht ebenfalls Probleme, wenn größere Lastwagen kommen müssten. Das sei bei ihnen allerdings eher selten der Fall, sagt Albert Schäfer, denn normalerweise werde das benötigte Material direkt zu den Baustellen gefahren. Dass aber auch seine Firma Mehrkosten zu stemmen haben wird, wenn es zur Vollsperrung kommt, ist für ihn klar. „Das kann ich nicht weitergeben an meine Kunden“, sagt er und fürchtet wie Jasmin Georg, dass Kunden kaum Verständnis dafür haben dürften, dass sie aufgrund einer Baustelle mehr für die Anfahrt eines Handwerkers zahlen sollten.

Jobs in der Schwebe: Tankstelle in Hofheim (Main-Taunus-Kreis) bangt um Zukunft

Schäfer verweist auch auf die Tankstelle, deren Mitarbeiter noch gar nicht wüssten, ob sie ihren Job behalten könnten oder auf den Kiosk, der auch von den vielen Menschen lebt, die aktuell durch Lorsbach durchfahren. Dass die Sperrung auch für viele andere Betriebe die Konsequenz haben könnte, dass die Kunden einfach wegbleiben, fürchtet Schäfer genauso wie Georg.

Die Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer schlagen jedenfalls Alarm: „Die L 3011 ist für das regional tätige Handwerk eine wichtige Verbindungsstrecke zwischen Eppstein und Hofheim“, stellen die Interessenvertreter fest. Betroffen seien von einer Vollsperrung und den damit verbundenen Umwegen (mehr als 12 Kilometer sind es allein über Kelkheim und Fischbach) neben Inhabern und Kunden auch Beschäftigte, „die auf ihren Arbeitswegen diese Strecke passieren müssen“.

Kreishandwerkerschaft in Sorge: Ausbleibende Umsätze drohen Firmen in Hofheim

Auch die Kreishandwerkerschaft macht auf das Problem bei Lieferungen aufmerksam: „Große Sattelzüge können die Betriebe in Lorsbach auf anderem Weg kaum erreichen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Handwerkskammerpräsidentin Susanne Haus findet daher: „Eine Vollsperrung ist für einen so langen Zeitraum nicht hinnehmbar, das ist handwerks- und wirtschaftsfeindlich.“

Schon die Corona-Folgen und die steigenden Energie- und Materialkosten beutelten die Betriebe. Nun seien neben Mehrkosten auch zum Teil ausbleibende Umsätze zu befürchten. Daher müssten „alternative Lösungen“ her. Vor allem „die Anlieferung mit dem Lkw muss möglich sein – zur Not an zwei festen Tagen in der Woche“, betont die Kammerpräsidentin. (Barbara Schmidt)

Erst kürzlich hatte eine Initiative einen Radweg in Hofheim gefordert, ein erster Abschnitt könnte schon gebaut werden.

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