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Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Viele Teststellen müssen schließen

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Von: Rolf Goeckel

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Auch in der Linden-Apotheke in Hadamar werden schon lange Coronatests angeboten. Wie es mit den Tests, die in diesem Fall Apothekerin Beate Schmitt bei Christian Piroth durchgeführt hat, künftig weitergeht, ist noch unklar.
Auch in der Linden-Apotheke in Hadamar werden schon lange Coronatests angeboten. Wie es mit den Tests, die in diesem Fall Apothekerin Beate Schmitt bei Christian Piroth durchgeführt hat, künftig weitergeht, ist noch unklar. © Tobias Ketter

Der weitgehende Wegfall der Corona-Testpflicht setzt das Geschäftsmodell auch im Kreis Limburg-Weilburg unter Druck.

Limburg-Weilburg – Nach dem 2. April entfällt in Hessen ein Großteil der Corona-Schutzmaßnahmen, so auch die Testpflicht: Nur noch in Krankenhäusern, in Alten- und Pflegeheimen sowie in Schulen sollen künftig Coronatests vorgeschrieben bleiben. Gaststätten, Clubs, Discotheken und sonstige Einrichtungen, die bisher nur mit "2 G +" oder "3 G" betreten werden durften, sollen dann frei zugänglich sein für alle. Das zumindest hat die Landesregierung in einer Pressemitteilung am 18. März angekündigt.

Rechtliche Grundlage ist die von Bundestag und Bundesrat beschlossene Neufassung des Bundesinfektionsschutzgesetzes, die in einigen Bundesländern bereits zum 20. März in Kraft getreten ist, in Hessen und Rheinland-Pfalz jedoch erst nach dem 2. April.

Limburg-Weilburg: Viele Corona-Teststellen machen dicht

Mit dem weitgehenden Wegfall der Testpflicht ändert sich nicht nur der Infektionsschutz grundlegend, darüber hinaus gerät ein Geschäftsmodell unter Druck, das sich im Corona-Biotop der vergangenen Monate auch im Kreis Limburg-Weilburg prächtig entwickelt hat. Das belegt ein Blick auf Zahl der Teststellen, die der Kreis Limburg-Weilburg auf seiner Homepage veröffentlicht hat: Mehr als 100 Anbieter von Corona-Tests sind dort aufgelistet; alleine in Limburg tummeln sich mehr als 50 Teststellen, seien es Anbieter von Schnelltests und/oder PCR-Tests.

Nicht nur Arztpraxen und Apotheken führen Wattestäbchen in Nase und Rachen ein - auch Event-Veranstalter, Cafés, Pizzerien, Fitnesscenter und Kneipenwirte, um nur wenige Beispiele zu nennen, mischen in diesem offenbar lukrativen Business mit. Doch wie geht es weiter, wenn die Testpflicht endet? Die Antwort lautet: Viele Testzentren werden dicht machen.

Feststeht bereits, dass die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) alle 15 von ihr betriebenen Testcenter in Hessen zum 31. März schließen will; letzter Testtag ist bereit an diesem Freitag. Davon betroffen ist auch das Testzentrum an der Kreisabfalldeponie in Beselich. In einer Pressemitteilung erklärt die KVH ihren Schritt: "Trotz intensiver Bemühungen und Erinnerungen gibt es noch immer keine Finanzierungszusage durch den Bund, so dass nun ein geordneter Rückbau der Strukturen alternativlos ist."

Limburg-Weilburg: Mit Corona-Symptomen nur noch beim Arzt

Von dem Test-Stopp der KVH ist auch die von den Kassenärztlichen Vereinigungen betriebene Service-Nummer 116 117 betroffen. "Allgemeine Auskünfte, beispielsweise zu Corona, wird die 116 117 nicht mehr leisten können und müssen von den Landkreisen übernommen werden", schreibt die Ärztevertretung, die mit ihrer Kritik an den jüngsten Corona-Beschlüssen nicht hinter dem Berg hält: "Wir hoffen zwar, dass die steigenden Temperaturen dazu führen, dass sich nun bald eine nachhaltige Entspannung in der Pandemielage einstellt, glauben aber, dass Hessen das eine oder andere KV-Testcenter weiterhin gut getan hätte."

Die Schließung in Beselich hat auch Konsequenzen für den Landkreis: "Das bedeutet, dass das Gesundheitsamt ab Montag, 28. März, alle symptomatischen Personen zu den Hausarzt- beziehungsweise Covid-Schwerpunktpraxen verweisen muss", teilt die Kreisverwaltung mit. An den von ihr betriebenen PCR-Teststellen sei ein solcher Abstrich nicht möglich, da es sich bei einem Abstrich mit Symptomen um eine Krankenbehandlung und damit eine Kassenleistung handelt. "Mit der Hausärzteschaft wurde dieses Vorgehen seitens des Gesundheitsamtes bereits besprochen."

Auch der DRK-Kreisverband Limburg-Weilburg wird seine Test-Angebote zum 31. März einstellen, erklärte auf Anfrage Kreisgeschäftsführerin Petra Kaiser-Schenk. Das Rote Kreuz betreibt seit rund einem Jahr überwiegend in Zusammenarbeit mit den Kommunen acht Teststellen im Landkreis, wenngleich nicht permanent, sondern nur stundenweise. Vor allem beim Testen in Kindergärten war das DRK aktiv. Zwei bis drei hauptamtliche Mitarbeiter waren in den Testzentren eingesetzt, darüber hinaus wurden ehrenamtliche Rotkreuzler gegen Entgelt beschäftigt, so Kaiser-Schenk. Lediglich im DRK-Dienstleistungszentrum in Limburg soll auch nach dem 31. März die Möglichkeit zum Testen aufrecht erhalten werden. Mit seinen Testangeboten habe das DRK nicht in erster Linie wirtschaftliche Ziele verfolgt, beteuert Kaiser-Schenk, auch wenn natürlich "etwas hängen geblieben sei". Vorrangiges Ziel sei esgewesen, "der Bevölkerung Kontakte zu ermöglichen".

Wie geht es mit den Corona-Teststellen in Limburg-Weilburg weiter?

Der Limburger Apotheker Peter Lang, der zusammen mit Partnern fünf Teststellen in Limburg und eine PCR-Station in Weilburg betreibt, weiß noch nicht, wie es nach dem 2. April weitergehen soll. "Bis dahin testen wir erstmal ganz normal weiter", sagt er. "Für die Zeit danach haben wir keine Informationen. Wir schweben sozusagen im Dunkeln." Sollte die Testpflicht über den 2. April hinaus bestehen bleiben, werde er mit seinen Mitbetreibern die Teststationen aufrechterhalten. "Wenn nicht, dann werden wir Stellen schließen müssen", sagt er.

Mit seiner Apotheke St. Michael war Peter Lang vor gut einem Jahr neben der Beselicher Firma Trobasept der erste Betreiber einer Teststation im Landkreis Limburg-Weilburg, wie er berichtet. Dass beim Betrieb von Corona-Teststationen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen, verschweigt der Apotheker nicht. Immerhin zahlen die Krankenkassen 12,50 Euro pro Antigen-Schnelltest und 49 Euro pro PCR-Test. Wie viele Tests er und seine Partner derzeit pro Tag durchführen, will Lang nicht verraten. Nur so viel: "Wir können die Teststationen wirtschaftlich betreiben, weil die Zahlen so hoch sind." 70 Prozent aller Tests seien momentan positiv, "die Zahlen gehen durch die Decke", sagt Lang.

Immer mehr Corona-Wiederansteckungen im Kreis Limburg-Weilburg

Verständnis für das von der Politik gewollte Aus für die Testpflicht hat der Apotheker nicht. Das Problem: Wenn jetzt die Testcenter reihenweise dicht machen, werde es schwierig, sie im Bedarfsfall wieder zu öffnen. "Das macht keinen Sinn." Langs Eindruck: "Die wollen die Pandemie jetzt durchlaufen lassen." Sorge bereite ihm die steigende Zahl von Wiederansteckungen. "Ich kenne infizierte Leute, die sind zehn Tage zu Hause und stecken sich erneut an."

Auf eine Fortsetzung der Testpflicht hofft auch Vinzent Jank von Diamond Health, Ableger eines Elzer Unternehmens, das normalerweise im Veranstaltungssektor tätig ist und mit seinen fünf Corona-Testcentern in Oberbrechen, Eschhofen, Frickhofen, Elz und Elbtal einen Ersatz für die darbende Branche gefunden hat. "Für den Anfang halten wir unser Angebot aufrecht", sagt Jank, der nicht davon ausgeht, dass der gegenwärtig enorme Andrang am 2. April schlagartig enden wird. Wie sich die weitere Nachfrage entwickeln, müssten die künftigen Test-Bestimmungen zeigen.

Oliver Weiss, Inhaber des Naturheilzentrums Weiss in Limburg, geht davon aus, dass die angekündigte weitgehende Abschaffung der Testpflicht noch vor dem 2. April wieder zurückgenommen wird. "Ich rechne mit einer Veränderung der Verordnung", sagt er. Beenden wolle er sein Angebot daher nicht.

Corona-Tests für eine unbeschwerte Geburtstagsfeier

Auch Andreas Weber, dessen Ehefrau das Café Nussbaum mit Teststelle in Elz betreibt, geht davon aus, dass der Bedarf nach Corona-Tests auch nach dem 2. April groß sein wird. Seine Prognose: "Viele Wirtschaftsbetriebe werden von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und weiterhin Testnachweise verlangen." Für das Café Nußbaum war das Testangebot nach dem Lockdown eine Möglichkeit, um vorwiegend älteren Gästen Sicherheit zu geben, dass sie beispielsweise ihren 60. oder 70. Geburtstag unbeschwert feiern können, oder auch Fahrradgruppen eine Test-Gelegenheit anzubieten. Für Weber ist die entscheidende Frage nach dem 2. April, wer die Tests bezahlt. "Selbstzahler werden nicht kommen", ist er mit Blick auf das wochenlange Aussetzen der Kostenerstattung im vergangenen Herbst überzeugt. Das Testangebot im Café werde zunächst noch aufrechterhalten - zumindest solange, bis die bereits eingekauften Tests aufgebraucht sind.

Dagegen geht Apotheker Dr. Philipp Hoffmann, der Teststellen in Hahnstätten, Diez und Limburg betreibt, davon aus, dass er und seine Partner nach aktuellem Stand alle Teststellen zum 31. März schließen müssen, weil es danach keine Rechtsgrundlage mehr gibt. "Das ist für uns aktuell extrem schwierig, weil auch alle Verträge der 40 Mitarbeiter der Teststellen zu diesem Zeitpunkt enden und wir unsere Bestände an Profitests so ausrichten müssen, dass es möglichst gut aufgeht." Sollte die Testpflicht doch verlängert werden, werde es wieder zu einem Engpass bei den Tests kommen, weil sich dann alle Teststellen auf einen Schlag neu bevorraten müssen. "Viele meiner Mitarbeiter haben sich neue Jobs gesucht, somit kann ich aktuell keine Aussage über mögliche zukünftige Testzeiten geben", sagt Hoffmann. (Rolf Goeckel)

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