Überall in Hessen stehen Corona-Impfzentren bereit – auch im Kreis Groß-Gerau.
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Der Kreis Groß-Gerau ist der neue Corona-Hotspot in Hessen.

Pandemie

Neuer Corona-Hotspot in Hessen: Was sind die Gründe?

  • vonSebastian Richter
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In Hessen sinken die Corona-Fallzahlen. Ein Kreis sticht aus der Statistik heraus. Doch woran liegt das?

Groß-Gerau – Nur noch ein Kreis in Hessen hat eine 7-Tage-Inzidenz über 50. In den meisten Kreisen gilt inzwischen die zweite Stufe des hessischen Lockerungsplans. Der Kreis Groß-Gerau liegt mit einer Inzidenz von 62,0 deutlich über dem Durchschnitt in Hessen von 26,3 (Stand: 08.06.2021). Bundesweit ist der Kreis unter den zehn am stärksten betroffenen Regionen. Warum gibt es im Kreis so viele Corona-Fälle?

Innerhalb des Kreises kommen die meisten aktiven Fälle aus der größten Stadt Rüsselsheim. Laut dem Corona-Dashboard kommen dort 176 aktive Fälle auf die etwa 66.000 Einwohner. Im Vergleich dazu sind es in Groß-Gerau nur 29 aktive Fälle – bei immerhin etwa 25.000 Einwohnern.

Kreis Groß-Gerau: Corona-Hotspot in Hessen – Viele Fälle aus Rüsselsheim

Die verhältnismäßig vielen Fälle aus Rüsselsheim sind nichts Neues. „Dies ist kein neues Phänomen“, sagte Landrat Thomas Will (SPD) der Frankfurter Rundschau*. Der Unterschied trete bei den geringeren Corona-Fallzahlen jetzt mehr zutage. Der Kreis versuche, die Ursache herauszufinden und beschäftigte „sich schon lange mit dem heterogenen Bild von Infektionen“, so Will. Es gebe Hinweise, dass die Zahlen in den Regionen besonders hoch sind, in denen viele Menschen auf engem Raum leben. Auch an Orten, an denen viele Migranten mit großen Familienverbänden leben, seien die Fallzahlen laut Will erhöht.

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Für weitere Informationen zum Corona-Infektionsgeschehen hat der Kreis die Ergebnisse des Sozial- und Marktforschungsinstituts Sinus zu gesellschaftlichen Milieus auf die sozialen Strukturen im Kreis Groß-Gerau angewandt. Die Entdeckung: Vor allem im „hedonistischen Milieu“ hätten mehr Infektionen stattgefunden, so Will. Dieses Milieu ist im Kreis überdurchschnittlich oft vertreten, 19 Prozent der Bevölkerung gehört dazu. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 15 Prozent.

Corona in Hessen: Kreis Groß-Gerau will Impfungen besonders bewerben

Die Gruppe der Hedonisten bezeichnet das Institut als „spaß- und erlebnisorientierte moderne Unterschicht bzw. untere Mitte“. Sie leben „im Hier und Jetzt, unbekümmert und spontan“. Im Beruf seien Hedonisten häufig angepasst, brechen aber in der Freizeit „aus den Zwängen des Alltags“ heraus.

Genau diese Klientel will der Kreis nun erreichen. Dazu sollen Mobile Impfteams in die Bezirke vor Ort fahren. Es sei nötig, niedrigschwellig zu agieren, um die Menschen zu erreichen, erklärte Will der FR. Doch dabei fehle der Impfstoff gegen Corona. Der Kreis plant, Hessen um Sonderimpfdosen zu bitten. „Schon 500 Dosen pro Woche zusätzlich wären hervorragend“, so der Landrat. Um explizit Menschen mit Migrationshintergrund anzusprechen, stehe man im Dialog mit Moscheegemeinden. Dort soll für die Impfungen geworben werden. (spr) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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