Noch sind Stühle und Tische angekettet - wenn die Lokale wieder öffnen dürfen, will der Taunus vorbereitet sein.
+
Noch sind Stühle und Tische angekettet - wenn die Lokale wieder öffnen dürfen, will der Taunus vorbereitet sein.

Corona-Pandemie im Taunus

Gastronomie entwickelt Strategien zur Öffnung mit Luca-App: „Wir wollen vorbereitet sein“

  • vonAlexander Schneider
    schließen

Im Hochtaunuskreis werden Strategien für eine Öffnung von Gastronomie und Handel trotz Corona erarbeitet. Ein wichtiger Baustein dafür soll die Luca-App sein.

Hochtaunus – Sie sind auf der Suche nach Lösungen. Überparteilich und gemeinsam arbeiten die Rathausspitzen im Hochtaunuskreis daran, den Weg zur Öffnung von Handel und Gastronomie zum frühestmöglichen Zeitpunkt freizumachen. Die Luca-App soll dabei eine zentrale Rolle spielen. In das Projekt der Bürgermeister eingebunden sind der Hotel- und Gaststättenverband Hochtaunus, die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Hochtaunuskreis.

„Wenn es so weit ist, wollen wir nicht die Getriebenen sein und keine Zeit verlieren, sondern gleich agieren, statt dann erst anzufangen, Konzepte zu erarbeiten“, sagte Bürgermeister Götz Esser (FWG). Der Weilroder Rathauschef zählt zu den Initiatoren der Idee, die in einer der Corona-Telefonkonferenzen, zu denen sich die Rathauschefs regelmäßig verabreden, geboren worden sei. „Die Gastronomen und Hoteliers, aber auch die IHK und der Hochtaunuskreis begrüßen die Initiative und die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen. Im Fokus stehen dabei die Parameter, auf die in den Rathäusern Einfluss genommen werden kann“, sagte Oliver Lorenz. Der Wirtschaftsförderer der Stadt Neu-Anspach hat die Federführung übernommen.

Öffnungen im Hochtaunuskreis: Angewiesen auf Corona-Schnelltests und die Luca-App

Die breite Akzeptanz kostenloser Schnelltests in der Bevölkerung sei dabei ebenso maßgebend für den Erfolg wie die von der Luca-App ermöglichte kreisweite Organisation zur Kontaktnachverfolgung als „zentrale Bausteine einer Öffnungsstrategie“, so Lorenz. Nur so könnten möglichst viele Infizierte früh identifiziert und in Quarantäne geschickt werden, was die Inzidenz senke und Voraussetzung für mögliche Öffnungen sei. Kreisgesundheitsdezernent Thorsten Schorr (CDU) ist von der Initiative der Rathäuser ebenso begeistert wie von der neuen Luca-App. Sie könne der Schlüssel zum Erfolg sein, sagte Schorr, „noch kreist sie im Orbit, ist aber schon jetzt erkennbar ein tolles Instrument“. Es sei zu hoffen, dass das Land Hessen seine Absicht, die Lizenz für Luca zu erwerben und allen Landkreisen zur Verfügung zu stellen, zügig umsetzt.

Selbst wenn Luca momentan in der Fläche schon anwendbar wäre, würde es bei den derzeit sehr hohen und leider auch steigenden Inzidenzen nichts bringen. Ein Schuh werde erst daraus, wenn es gelinge, den Hochtaunuskreis im Zuge einer Abflachung der Infektionskurve zur „Modellregion“ auszurufen. Was der Kreis dazu beitragen könne, werde getan, sagte Schorr. Die App erlaube nicht nur in der Gastronomie die streng mit dem Datenschutz einhergehende Kontaktnachverfolgung, sondern auch im Einzelhandel, im Museum und an der Kinokasse.

Öffnungen in der Corona-Pandemie: Hochtaunuskreis hofft auf Einstufung als Modellregion

Thomas Studanski, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes Hochtaunus, findet den kreisweiten Einsatz der Luca-App gut. Er erwartet eine problemlose Zusammenarbeit aller involvierten Partner in Gastronomie, Handel und Kultur. Bad Homburg habe bei der Bewerbung, Modellstadt zu werden, nicht verloren, sondern sei unter anderem wegen der Nähe zum Ballungsraum nicht berücksichtigt worden. „Andere Kommunen und auch wir als Dehoga hatten zeitgleich mit Bad Homburg angefragt und wir alle wurden auch zeitgleich darüber informiert, dass wir aus diesem Grund nicht als Modellstadt oder -kreis ausgewählt werden konnten“, sagt Studanski. Sein Verband stehe mit den Kollegen in Baunatal und Alsfeld in engem Kontakt, leider gebe es noch keine aussagefähigen Informationen über den Erfolg der dortigen Modellprojekte.

Generell werde in der Gastro-Branche zwar immer Außen- und Innenbewirtung betrachtet. „Aktuell steht aber die Außengastronomie im Fokus. An eine Öffnung der Innengastronomie glauben wir erst, wenn deutlich mehr geimpft wird“, so Studanski, „eine Öffnung nach Negativtests wäre jedoch eine Option, die in eine Strategie zur Wiedereröffnung eingebettet werden könnte“. (Alexander Schneider)

Derweil schlägt die Chefin der Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg Alarm. Denn die niedrigen Corona-Zahlen im Kreis sprechen eine trügerische Sprache: In den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg sind fast alle Betten auf der Intensivstation belegt, fast die Hälfte davon mit Corona-Patienten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare