Aus Angst vor dem Coronavirus bleiben auch im Limburger Cineplex die Besucher aus.
+
Aus Angst vor dem Coronavirus bleiben auch im Limburger Cineplex die Besucher aus.

Blick in die Kinosäle

Kinobetreiber kämpfen ums Überleben

  • VonRobin Klöppel
    schließen

Im Kreis Limburg-Weilburg hat jeder Kinobetreiber seine eigene Strategie, um die Pandemie durchzustehen. Leere Kinosäle und die Angst vor Omikron sind überall.

Limburg-Weilburg – Die heimischen Kinos haben es durch nicht günstige Filmleihgebühren und günstigere Streamingdienste in der heutigen Zeit sowieso nicht mehr leicht. Und nun macht ihnen auch noch die Corona-Pandemie im zweiten Jahr und damit das Wegbleiben vieler Stammkunden zu schaffen. Das Kino Pastori in Weilmünster hat als Folge des Publikumsschwundes erst einmal bis 2. Februar 2022 geschlossen, das Cineplex Limburg und das Delphi Filmtheater Weilburg wollen hingegen weitermachen.

Hans-Albert Wunderer, Inhaber des Delphi Filmtheaters Weilburg gibt offen zu, dass er aktuell froh sei, gerade noch kostendeckend fahren zu können. „Wir haben Glück, dass der Spiderman-Film gut angelaufen ist. Der Superheld hat uns erst einmal gerettet“, berichtet er. 950.000 Besucher waren es in der ersten Woche. Unter normalen Umständen, weiß der Profi, wären aber noch einmal doppelt so viele Menschen zu „Spiderman“ gekommen.

Fast leere Kinosäle und Omikron: Im Limburg-Weilburg kämpft der Kino-Inhaber mit der Pandemie

Zur Zurückhaltung des Publikums wegen der Warnungen vor der neuen Virus-Variante Omikron kommt noch, dass Wunderer aufgrund der Hygienevorgaben unter 2G derzeit in seine beiden großen Säle, in denen normalerweise 140 Besucher Platz haben, nur jeweils 40 Personen lassen darf, in den kleinen sogar nur 16 Besucher. Seit November ist es für Wunderer noch schwerer geworden, zumindest diese Plätze zu besetzen. "Wir sind ein Familienkino. Und gerade die Familien sind derzeit sehr vorsichtig", begründet Wunderer den Besucherschwund. Er mache aber auf jeden Fall weiter.

Wucherer sagt, dass aber nur ein Drittel der Gäste des Weihnachtsgeschäftes 2019 Jahr komme. Ohne den „Spiderman“-Boom hätte er, wie der Filmtheater-Inhaber sagt, wohl auch erst einmal vorübergehend schließen müssen. Wunderer denkt: „Wer geboostert ist, kann ohne Angst ins Kino gehen.“ Es werde ständig frische Luft in die Kinosäle gepustet. Er betont, an den Preisen könne er nichts machen. „Wir haben in Deutschland mit die weltweit höchsten Verleihmieten.“ Da seien schon 50 Prozent der Eintrittseinnahmen weg. Und bei den Snacks sei er schon günstiger, als die meisten anderen Kinos.

Kinos in der Krise: „Wir wollen Präsenz zeigen“

Valentina Zanin, Managerin des Limburger Cineplex, teilt mit, dass sie nach einer Woche wieder von 2G+ zurück auf 2G gegangen sei, weil den Gästen das mit den Tagestests zu viel Aufwand gewesen sei. Trotzdem kommt nicht mal die Hälfte des normalen Weihnachtpublikums. Doch Zanin sagt kämpferisch: "Solange der Bund nicht sagt, dass wir schließen müssen, machen wir weiter. Wir wollen Präsenz zeigen."

Da sie die einzelnen Säle nur zu 20 bis 30 Prozent auslasten darf, versucht sie, den „Spiderman“-Boom zu nutzen, indem sie ihn dann eben statt in zwei in vier Abendvorstellungen zeigt. Limburg habe ein buntes Publikum. Die Leute, die vorsichtig seien und fehlten, seien überwiegend die Älteren, berichtet Valentina Zanin. Durch die Pandemiewarnungen trauten sich die Leute, wie die Center-Managerin erläutert, nicht mehr, auszugehen. Zanin versichert: „Bei uns sind die Gäste sicher. Die Belüftungsanlage läuft nonstop.“

Warten angesagt: Kino in Weilmünster hat erst einmal geschlossen

Jörg Schäfer, Inhaber des „Pastori“-Kinos in Weilmünster erklärt, dass am Montag vor einer Woche nur noch neun Gäste in „House of Gucci“ gesessen hätten und er dann die Reißleine gezogen habe. Er habe jetzt erst einmal geschlossen und warte bis Ende Januar ab, wie sich die Lage entwickele. Je mehr vor der neuen Corona-Welle gewarnt worden sei, desto leerer sei das Kino geworden, berichtet Schäfer.

Hinzu sei gekommen, dass fast alle Reservierungen im angeschlossenen Restaurant abgesagt worden seien und ein volles Restaurant bedeute für ihn im Normalfall auch ein volles Kino.

Kinogänger warnt: Hohe Kinopreise gegen günstiges Netflix-Abo

Der Limburger Bobby Bobbsn war früher ein großer Kino-Fan, hat am Kinotag mit vergünstigten Preisen manchmal sogar drei Filme hintereinander in Limburg geschaut. Er warnt, dass sich die Kinos mit ihrer Geschäftspolitik irgendwann ihr eigenes Grab schaufeln würden. Er nennt ein Beispiel.

Der Film „Don‘t look up“ sei Anfang des Monats ins Kino gekommen, sei dann aber schon Ende des Monats bei Netflix zu streamen gewesen. Also habe er gewartet, bis der Film bei Netflix gewesen sei. Der Besuch mit seiner Familie in diesem Film im Limburger Cineplex hätte ihn die Hälfte seiner jährlichen Netflix-Abopreises gekostet. Wenn man mit vier Leuten ins Kino gehe, sei man mit Getränken und Snacks mittlerweile schnell bei 80 Euro.

Die Zukunft des Kino: Kinogänger fordert Zusammenarbeit der Inhaber und Filmverleiher

Daheim habe er auch einen großen Bildschirm, könne sich im Supermarkt für zwölf Euro mit Snacks ausstatten und den Film auch mit Freunden als Gemeinschaftserlebnis schauen. Er habe schon öfter befreundete Familien gefragt, ob sie mit ins Kino kämen. Alle hätten ihm geantwortet, dass ihnen das einfach zu teuer sei. Wenn man eine Familie mit mehreren Personen sei, überlege man schon, ob man 80 Euro im Kino lasse oder von dem Geld nicht lieber eine Tankfüllung fürs Auto bezahle, gerade wenn es günstige Streaming-Alternativen gebe, so der Limburger.

Bobby Bobbsn appelliert an die Kinobetreiber, sich mit den Filmverleihern an einen Tisch zu setzen, um wieder auf günstigere Grundpreise zu kommen. „Sonst werden viele Kinos in ein paar Jahren ganz von der Bildfläche verschwunden sein“, befürchtet der Limburger. (Robin Klöppel)

Auch in Frankfurt kämpfen die Kinos ums Überleben. Das Eldorado, das älteste Kino Frankfurts, konnte gerade noch einmal gerettet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare