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Alptraum in den Supermärkten: Hamsterkäufe führen zu Wutausbrüchen

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Von: Tobias Ketter

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Besonders bei günstigem Öl kommt es derzeit zu Lieferengpässen, weil Russland und die Ukraine Hauptlieferanten des Produkts sind. Einige Produkte sind vergriffen.
Besonders bei günstigem Öl kommt es derzeit zu Lieferengpässen, weil Russland und die Ukraine Hauptlieferanten des Produkts sind. Einige Produkte sind vergriffen. © Tobias Ketter

Hamsterkäufe sorgen im Kreis Limburg-Weilburg für Engpässe und Nachahmer. Öl und Mehl werden knapp und die Märkte in der Region mahnen zur Vorsicht.

Limburg-Weilburg – Toilettenpapier gibt es in den meisten Supermärkten noch reichlich. Und doch sind zwei Jahre nach dem Beginn des ersten Lockdowns wegen der Corona-Pandemie* die Hamsterkäufer zurück. In vielen Supermärkten der Region fehlen derzeit Produkte, da Verbraucher diesmal wegen der angespannten weltpolitischen Lage nach dem Angriff der russischen Armee auf die Ukraine große Mengen an Lebensmitteln bunkern. Doch ist die Situation wirklich mit dem Jahr 2020 vergleichbar, als ebenfalls viel gehamstert wurde? Und welche Produkte sind derzeit besonders gefragt? Diese Zeitung hat sich in Geschäften und bei der Verbraucherberatung umgehört.

„Öl sowie Mehl sind momentan knapp. Auch Reis und Nudeln werden deutlich mehr gekauft als noch vor wenigen Wochen“, sagt Tim Metlagel, Inhaber eines Rewe-Marktes in Limburg. Besonders bei diesen vier Produkten komme es zu Lieferengpässen, so dass die Regale aktuell nicht komplett aufgefüllt werden könnten. Auch die Nachfrage nach Klopapier sei gestiegen. „Allerdings nicht so stark wie 2020“, so Metlagel.

Insgesamt sei die Situation nicht ganz so dramatisch wie unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. „Damals war die Ungewissheit der Kunden noch größer. Niemand wusste, was auf uns alle zukommt“, erklärt der Inhaber des Rewe-Marktes. Er ist der Meinung, dass Hamsterkäufe generell unnötig sind. Durch dieses Kaufverhalten nehme man anderen Verbrauchern die Waren weg. Dies sei nicht gut für das gesellschaftliche Miteinander.

Hamsterkäufe in Limburg-Weilburg: Nur noch ein Liter Öl und eine Packung Mehl pro Haushalt

Metlagel sieht in der angespannten politischen Situation keinen plausiblen Grund für ein geändertes Kaufverhalten. „Die Leute haben aber Angst, weil der Krieg direkt vor der Haustür stattfindet“, sagt er. Um den Hamsterkäufen entgegenzuwirken, darf übrigens jeder Haushalt pro Einkauf in seinem Rewe-Markt nur noch einen Liter Öl und eine Packung Mehl erwerben. Diese Regel gilt seit mehr als zwei Wochen.

Mindestens genauso angespannt ist die Situation im Edeka-Markt in Lindenholzhausen. „Günstiges Öl, Mehl und teilweise auch Klopapier sind sehr gefragt“, bestätigt Inhaberin Silke Götzinger. Besonders der Nachschub von „Billig-Öl“ fehle, da die Ukraine und Russland Hauptlieferanten dieses Produkts seien. Insgesamt könne der „Hamster-Hype“ definitiv mit den Vorfällen im Jahr 2020 verglichen werden. „Menschen aus jeder Altersgruppe hamstern derzeit. Das Vorgehen ist aber absolut unnötig“, sagt Götzinger.

In dem Edeka-Markt darf momentan jeder Haushalt pro Einkauf nur zwei Packungen Mehl und eine Flasche Öl erwerben. Das sorgt laut der Inhaberin immer wieder für Diskussionen an der Kasse. „Oft müssen Waren von den Mitarbeitern aus dem Einkaufskorb genommen werden und das führt dann zu Unmut“, berichtet Götzinger.

„Absoluter Alptraum“: Kunden in Limburg-Weilburg versuchen trotz Verbot zu Hamstern

Besonders die vorletzte Woche sei ein „absoluter Alptraum“ gewesen. Derzeit würden von Kunden auch einige fragwürdige Methoden angewendet, um trotz der Sonderregelung an mehr Lebensmittel zu kommen. „Familienmitglieder fahren gemeinsam zum Einkaufen, betreten den Laden aber dann getrennt, damit nicht auffällt, dass sie zueinander gehören, um so noch mehr hamstern zu können“, so Götzinger, die nicht damit gerechnet hat, dass sie ein solches Verbraucherverhalten nach 2020 nochmals erleben muss.

Weniger dramatisch ist die Lage im Unverpacktladen „Lose Liebe“ in Diez. „Wirklich gehamstert wird nicht“, sagt Geschäftsführerin Chantal Burggraf. „Hier und da wird etwas mehr eingekauft. Das ist aber eigentlich nichts ungewöhnliches, da einige Kunden in längeren Intervallen kommen und dementsprechend mehr einkaufen.“ Es komme auch nicht zu Lieferengpässen und Sonderregeln gebe es auch nicht. „Ich finde es grundsätzlich okay, von allem etwas da zu haben und für alle Fälle ein wenig vorzusorgen. Hamsterkäufe halte ich aber nicht für sinnvoll“, sagt Burggraf mit Blick auf das Kaufverhalten der Bürger.

„Hamsterkäufe sind völlig unnötig und können die Logistik der Supermärkte durcheinanderbringen“, sagt auch Christiane Askari-Badouee von der Verbraucherberatung in Limburg. Es entstehe eine künstliche Verknappung der Waren, die wiederum andere Verbraucher dazu anrege, mehr einzukaufen als notwendig. „Das führt zu teilweise leeren Regalen und manche Kunden gehen leer aus“, berichtet die Beraterin.

Verbraucherberatung in Limburg verweist auf Notfall-Ratgeber des Bundes

Askari-Badouee weist auf einen Ratgeber für die Notfallvorsorge und für richtiges Handeln in Notsituationen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hin. Darin zu finden ist eine Checkliste für einen zehntägigen Vorrat an Lebensmitteln und anderen Dingen, wie beispielsweise Medikamente.

„Besonders wichtig ist ein Vorrat an Trinkwasser von möglichst 20 Litern pro Person“, sagt die Expertin. Der Ratgeber ist übrigens in der Limburger Beratungsstelle erhältlich. Außerdem kann er auch auf der Homepage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe im Internet heruntergeladen werden. (Tobias Ketter)

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