Die Eltern vieler "Pusteblume"-Kinder sind sauer. In der Kita werden keine kostenlosen Corona-Tests verteilt.
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Die Eltern vieler "Pusteblume"-Kinder sind sauer. In der Kita werden keine kostenlosen Corona-Tests verteilt.

Coronavirus

„Tortur für die Kinder“: Diskussion um Testpflicht in Kitas zermürbt Eltern und Erzieher

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Die Corona-Tests bei Kita-Kindern im Kreis Limburg-Weilburg führen zu Verdruss bei den Einrichtungen. In manchen wird getestet, in anderen ist das nicht möglich.

Limburg-Weilburg – Elbtal zeigt, dass es geht. Und wie es geht: Seit Frühjahr werden dort auch Kindergartenkinder getestet, zweimal in der Woche, ganz unkompliziert. Erst die meisten, inzwischen alle. "Ein, zwei Eltern haben sich etwas schwerer getan", sagt Christel Werner-Krechting, die Leiterin der Kindergärten Sonnenblume und St. Josef. Aber inzwischen haben alle unterschrieben, dass ihre Kinder dienstags und donnerstags getestet werden dürfen. Weil auch die Kinder es so wollen.

Ein paar hätten am Anfang Angst gehabt, aber die Neugier überwog. Die Erzieherinnen hätten auf die Gruppendynamik vertraut, sagt Christel Werner-Krechting. Und auf das pädagogische Geschick der DRK-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die die Corona-Tests machen.

Corona-Tests in Kitas im Kreis Limburg-Weilburg: "Wir können niemanden zwingen"

Auch die Lahn-Kinderkrippen setzen seit zwei Wochen auf das pädagogische Geschick und die Feinfühligkeit des DRK. Fast alle der elf Einrichtungen des Vereins bekommen jetzt zwei Mal in der Woche Besuch vom Deutschen Roten Kreuz. Die Erzieherinnen sind begeistert. Und die Kinder hätten schnell gemerkt, dass das Stäbchen im Mund gar nicht weh tut, dass man beim Testen sogar Quatsch machen und Spaß haben kann, sagt Annemarie Lobenhofer, die Geschäftsführerin der Lahn-Kinderkrippen.

Derzeit macht die Hälfte der Kinder mit. Aber auch sie setzt auf den sozialen Effekt, darauf, dass die Kinder dazugehören wollen und darauf, dass die Zahl der Eltern mit Bedenken weniger wird. Jedenfalls seien es schon mal viel mehr gewesen. Deshalb hatten die Lahn-Kinderkrippen ihre Testangebote immer wieder zurückgenommen, wenn die Inzidenzen wieder sanken. "Wir können niemanden zwingen." Kleine Kinder sowieso nicht. Und schon gar nicht, wenn sie merken, dass ihre Eltern skeptisch sind.

Manche Eltern und Kinder im Kreis Limburg-Weilburg entscheiden sich fürs Testen

Aber jetzt habe sich die Lage geändert: Inzwischen gehe es nicht mehr nur darum, die Großeltern vor Infektionen zu schützen, inzwischen seien auch die Kinder die Betroffenen. Und niemand wisse, welche Spätfolgen eine Covid-Erkrankung haben kann. Und besser als eine Kita-Schließung, weil alle in Quarantäne müssen, sei das Testen doch allemal. Vor allem, wenn diese Arbeit nicht auch noch auf die Erzieherinnen zukommt. Weil die sowieso schon genug zu tun haben und weil es pädagogisch wenig sinnvoll ist, wenn die Lieblingserzieherin auch noch einen Abstrich von Zunge und Wange macht.

Deshalb wird in der katholischen Kita St. Nikolaus in Limburg nicht getestet. "Das ist eine Tortur für die Kinder", sagt Ute Sawall, die Leiterin der Kita. Außerdem sei es eine logistische Herausforderung, morgens 135 Kinder zu testen, erst Recht, wenn es keine festen Bringzeiten gibt. "Wenn die Eltern möchten, dass ihre Kinder getestet in die Kita kommen, können sie das machen."

Und gegen jene, die das nicht möchten, habe die Kita ja sowieso keine Handhabe: Es gebe einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, aber keine Testpflicht. "Das ist ein schwieriges Thema." Und für die Erzieherinnen sei vor allem eines wichtig: Dass die Kinder gerne kommen. "Wir wünschen uns ein Stück Normalität in der Kita."

Kitas in Limburg-Weilburg appellieren an die Eltern Tests zuhause zu machen

„Testen ist nicht unsere Aufgabe“, sagt Dekan Ulrich Reichard, Leiter des evangelischen Dekanats Weilburg und damit auch Chef der zehn evangelischen Kindertagesstätten, die unter der gemeindeübergreifenden Trägerschaft stehen. Und die Kitas hätten gar kein Recht dazu und könnten das auch gar nicht leisten. Weil die Erzieherinnen andere Aufgaben haben, und weil es kein Budget für Tests gibt. „Die Rollen müssen klar sein und die Ressourcen müssen da sein.“

Er appelliert an die Eltern, Verantwortung zu übernehmen, nur wirklich gesunde Kinder in die Kita zu schicken, und gegebenenfalls selbst zu testen. Und er wünscht sich einen besseren Austausch. „Wir können nur gemeinsam nach Lösungen suchen, und das geht nur über ein Gespräch. Und mit Hilfe eines Kooperationspartners, der das geschulte Personal hat und die Tests abrechnen kann.“

Die beiden evangelischen Kindertagesstätten in Dauborn und Mensfelden haben so einen Kooperationspartner - genau wie die fünf kommunalen Kitas in Hünfelden. Auch da kommt seit fast zwei Wochen das DRK ins Haus. Das Angebot werde von vielen Eltern angenommen, sagt Silvia Scheu-Menzer, die Bürgermeisterin. Und von den Kindern sowieso. "Das ist ein tolles Angebot vom DRK." Wenn es das nicht gäbe, hätte sich die Kommune etwas überlegen müssen. "Wir hatten schon Angebote für Lollytests eingeholt. Aber wer macht die Test dann?" Sie sei "sehr sehr dankbar", dass das DRK diese Aufgabe übernehme. So müsse sich die Kommune nicht mal um die Abrechnung kümmern. Die übernimmt auch das DRK.

Auch das DRK kommt beim Testen im Kreis Limburg-Weilburg an seine Grenzen

"Wir dürfen Bürgertestungen durchführen", sagt Petra Kaiser-Schenk, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes. Und das DRK darf sie auch abrechnen. Am Anfang sei das DRK vor allem in Altenhilfeeinrichtungen gefahren, um die Menschen dort zu testen, dann seien die ersten Anfragen von Kindergärten gekommen, "jetzt werden es immer mehr". Das sei von Anfang an eine planerische Herausforderung gewesen. "Aber wir sind es ja gewohnt, Pläne zu machen." Aber irgendwann habe auch das DRK seine Grenze erreicht. "Wir müssen schauen, was unsere Kapazitäten zulassen."

Aber es gibt Alternativen: Die Kindergärten in Elz zum Beispiel setzen auf das geschulte Personal einer Elzer Apotheke. Schon seit Juni kommt einmal in der Woche ein Mitarbeiter der Neuen Apotheke ins Haus, um wenigstens die allermeisten Kinder zu testen - mit einer Pause in der Zeit, als die Tests nicht mehr kostenlos waren und die Tester nicht mehr so einfach abrechnen konnten. "Wir legen großen Wert aufs Testen", sagt Elisabeth Müller, die Leiterin der Kita St. Martin. Und das gelte für alle Elzer Kitas. "Wir versuchen, alle Kinder gleich zu halten." Es sei schade, dass nicht alle Eltern mitmachen, "aber wir haben keine Handhabe". Die Kita könne nur immer wieder darauf hinweisen, dass im Notfall eine Gruppe geschlossen werden muss. (Sabine Rauch)

Der Kreis Limburg-Weilburg will die Corona-Impfkampagne beschleunigen und bietet eine Reihe von Terminen an. Alles Wichtige zu den Impfungen.

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