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Dr. Markus Eichler, Dr. Stefan Matschke, Dr. Bernd Wiedenhöfer

Experteninterview: Weniger Angst vor der Rücken-OP

Intensive Aufklärung beeinflusst den OP-Verlauf positiv

In der Schön Klinik Lorsch arbeiten drei Chefärzte in der Wirbelsäulenchirurgie für das Patientenwohl zusammen. Je vertrauensvoller die Ebene zwischen Arzt und Patient und je besser die Aufklärung vor dem Eingriff, desto erfolgreicher verläuft die Rücken-OP.

Was bedeutet die Kooperation von drei Chefärzten in der Wirbelsäulenchirurgie konkret für die Patienten der Schön Klinik? 

Dr. Eichler: Aufgrund unserer gemeinsamen Ausbildung, einem engen Austausch und unserem Engagement in den Fachgesellschaften können wir zusammen eine kontinuierliche medizinische Versorgung auf höchstem Niveau anbieten. Diese Versorgung ist unabhängig von Abwesenheiten, Lücken durch Urlaube oder Kongresse zur eigenen Weiterbildung. Dieses Konzept setzt die Schön Klinik seit Jahren bereits erfolgreich durch die Besetzung der Chefarztpositionen im Vier-Augen-Prinzip um. Unser neues Sechs-Augen-Prinzip erweitert dieses Konzept, um Engpässen entgegenzuwirken und eine überregionale exzellente Medizin anzubieten und sicherzustellen. Durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist der schnelle Austausch zu Fragen oder möglichen Problemen in „Echtzeit“ möglich, was ich in der heutigen digitalisierten Welt als zeitgemäß empfinde. Die hiermit verbundenen Synergien tragen klar zur medizinischen Verbesserung bei. Diese enge Kooperation der Ärzte bedeutet für die Patienten eine zusätzliche Minimierung des Informationsverlustes und eine Vermeidung von Doppeluntersuchungen.

Erfährt man, dass man operiert werden muss, kann einen das sehr verunsichern. Man weiß nicht genau, was auf einen zukommt. Inwiefern können Ärzte ihren Patienten dieses unangenehme Gefühl nehmen? 

Dr. Wiedenhöfer: Das Gefühl der Verunsicherung bei den Patienten ist ebenso natürlich wie die Angst vor einer Operation. Es entsteht eine Situation, die selbstständig nicht kontrolliert werden kann, das heißt ein gewisses Gefühl der Auslieferung. Wir wissen heute aus der eigenen Berufserfahrung genauso wie aus der medizinischen Literatur, dass der gut informierte und vorbereitete Patient sich selbst besser aktiv in die Therapie einbringen kann. Das bedeutet, dass die Therapie besser gestaltet werden kann. Die Patienten können nach einer Operation schneller wieder mobilisiert werden, das Krankenhaus verlassen und sich so in den häuslichen Alltag wieder eingliedern.

Ein Krankenhaus ist ein straff funktionierender Kosmos, da fühlt man sich als Patient schnell mal als die „Bandscheibe aus Zimmer sieben“. Was machen Sie in der Schön Klinik Lorsch anders im Umgang mit den Patienten? 

Dr. Eichler: Unser Credo ist von Anfang an die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Patienten. Nach meiner Auffassung ist dies schon lange keine Einbahnstraße mehr, sondern eine Kooperation auf Augenhöhe, bei der die Wünsche und Ängste unserer Patienten sehr wohl wahrgenommen werden. Die Zeiten des Absolutismus sind Gott sei Dank vorbei! In Gesprächen zwischen Arzt und Patient ergibt sich die Annäherung und Personalisierung beider Seiten, auf die wir angewiesen sind. Erst ein Patient, der die medizinischen Entscheidungen und Angebote versteht, kann einen Weg gemeinsam mit uns gehen und wir können auf seine Mitarbeit vertrauen, wenn er das Krankenhaus wieder verlässt. Denn entscheidend für das Ergebnis ist auch sein Verhalten nach einem Eingriff, der den Erfolg einer OP erst sicherstellt. 

In der Schön Klinik wird rund 1500 mal jährlich an der Wirbelsäule operiert. Wann raten Sie Patienten zu einer Operation am Rücken? 

Dr. Matschke: Eine Operationsindikation besteht beispielsweise dann, wenn durch die konservativen Therapieverfahren ein Rücken- und/oder Beinschmerz, der ausgelöst ist durch eine Erkrankung der Wirbelsäule, nicht mehr ausreichend zu verbessern ist. Hierbei müssen immer die Beschwerden des Patienten in Übereinstimmung mit den Veränderungen an der Wirbelsäule betrachtet werden. So ist die Spinalkanalstenose heute eine sehr häufige Erkrankung. Die Operation ist hier aber nur dann mit einer hohen Evidenz indiziert, wenn ein Beinschmerz mit einer zunehmenden Verkürzung der Gehstrecke auftritt. Oder nehmen wir das Beispiel des Bandscheibenvorfalls. Hier steht zu Beginn immer zuerst die konservative Therapie. Eine dringliche Operationsindikation besteht nur bei akuten, sehr starken Schmerzzuständen, bedingt durch Druck auf eine Nervenwurzel oder bei einer aufkommenden Lähmung. Hier muss unverzüglich operiert werden, da sonst die Lähmung verbleibt. Das gilt natürlich auch bei einer Lähmung oder Teillähmung infolge eines Unfalls mit einer Verletzung der Wirbelsäule. Eine Operation ist in jedem Falle angebracht, wenn eine motorische Schwäche auftritt. Neben der akuten Verletzung im Falle eines Wirbelsäulentraumas – einer Verletzung der knöchernen Wirbelsäule und evtl. auch der angrenzenden Muskeln, Sehnen und Nerven – kann eine Lähmung ebenso auftreten wie bei einem Druck auf ¬Nervenwurzel oder Rückenmark. Beispielsweise bei einer gewissen Anzahl von Bandscheibenvorfällen, bei Entzündungen der Wirbelsäule oder in seltenen Fällen ausgelöst durch Tumore oder Metastasen. Dringend ratsam ist eine Operation ebenfalls bei ausgeprägten starken Schmerzzuständen infolge eines Drucks auf Nervenwurzel oder Rückenmark. Dies gilt auch ohne Lähmung, wenn sämtliche konservative Behandlungsmöglichkeiten einschließlich einer Schmerztherapie nicht helfen. Im Vordergrund steht hierbei der ausstrahlende Schmerz über das Gesäß ins Bein, oft als Ischias-Syndrom bezeichnet. 

Transparenz ist wichtiger denn je. Patienten wollen ernstgenommen und individuell darüber aufgeklärt werden, was vor ihnen liegt. Wie binden Sie die Patienten in die Planung einer Operation ein? 

Dr. Wiedenhöfer: Für mich steht der Patient grundsätzlich im Mittelpunkt meines Handelns, und ich versuche ihm immer, ausführlich die Alternativen der Therapie für seine Beeinträchtigung darzustellen. So eine Beeinträchtigung kann sich in Schmerzen, in Gangunsicherheit oder auch der massiven Verkürzung der Gehstrecke äußern. Die Folge: Die gewünschte Teilnahme am sozialen Leben ist eingeschränkt. Ich versuche immer klar zu formulieren, welche Ziele nach einer Operation in welcher zu erwartenden Zeit realisiert werden können und was der Patient dafür investieren muss. Anhand der Fragen, die viele Patienten in solchen Gesprächen stellen, kann ich ableiten, dass diese Information den Patienten sehr wichtig ist. Dadurch versuche ich weiter, falsche oder überzogene Erwartungen an eine Therapie zu verhindern. Das gelingt in der Regel sehr gut, aber natürlich nicht immer. Wir Ärzte in der Schön Klinik informieren ausführlich über den stationären Aufenthalt, das heißt über den Prozess der Aufnahme, den Ablauf der Operation, den Zeitpunkt und die Art der Mobilisation nach der Operation. Ebenso besprechen wir den zeitlichen Horizont, der für die stationäre Therapie zu planen ist. Wir informieren darüber, dass eine körperliche Arbeit nach einer Bandscheibenoperation so gestaltet sein muss, dass starke Belastungen der Wirbelsäule für einen definierten Zeitraum unterbleiben. Wir geben zudem einen Abriss darüber, wann bestimmte Sportarten wieder durchführbar sind. All diese therapeutischen Details geben den Patienten Sicherheit. 

Wie verläuft das Diagnoseverfahren? 

Dr. Matschke: Wichtig zu wissen ist, dass Rückenschmerzen nichts mit einem natürlichen Alterungsprozess zu tun haben. Unser Rücken benötigt, genau wie unser gesamter Körper, eine ausreichende Stabilität. Entscheidender Faktor hierfür ist eine regelmäßige, kontinuierliche und gezielte Bewegung der rumpfstabilisierenden Muskulatur. In der Diagnostik der degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen besitzt die Magnetresonanztomographie (MRT) den größten Stellenwert. Da die MRT unter Anwendung von Magnetwellen funktioniert, ist sie komplett röntgenstrahlungsfrei und erlaubt eine exakte Beurteilung des Spinalkanals und der Bandscheiben sowie der Weichteile. Treten Rückenschmerzen erst seit kurzem auf, ist nach einer klinischen Untersuchung eine MRT meist jedoch noch nicht ratsam. Bei solch einer Symptomatik beginnt man mit einer adäquaten konservativen Therapie, mit der in den meisten Fällen der Schmerz befriedigend beseitigt werden kann. Um Instabilitäten der Wirbelsäule darzustellen oder Funktionsuntersuchungen durchzuführen, empfiehlt sich eine Röntgenuntersuchung. Um die Wirbelsäule in ihrer Gesamtheit darzustellen, z. B. unter einer Belastungssituation im Stehen, bieten sich neue diagnostische Verfahren an. Im EOS, einer Art Röntgenkabine, können Ganzkörperaufnahmen oder die 3-D-Rekons¬truktion von Knochen entstehen, die mit einem Bruchteil der Strahlenbelastung eines herkömmlichen Röntgenbildes arbeitet. Noch dazu hat die Bildqualität eine höhere Aussagekraft. Im Verletzungsfalle etwa nach einem Unfall, ist immer eine Untersuchung der Wirbelsäule per Computertomographie (CT) erforderlich. Die Stärke der CT liegt in der Darstellung der knöchernen Strukturen. In die ¬diagnostische Überlegung muss aber immer die Strahlenbelastung mit einbezogen werden, die im Falle einer CT am höchsten ist. 

Auf welche Risiken müssen sich die Patienten bei einer Rücken-OP einstellen? 

Dr. Wiedenhöfer: Die größte Angst aller Patienten ist die vor einer Querschnittlähmung. Diese Angst ist sehr verständlich. Glücklicherweise ist die Gefahr einer solchen Lähmung sehr gering. Die meisten Risiken von Operationen am Rücken entsprechen denen, die alle anderen chirurgischen Disziplinen ebenfalls haben. Hier sind in erster Linie allgemeine Risiken wie Blutergüsse, Infektionen und Wundheilungsstörungen zu nennen. Spezifische Risiken einer Rückenoperation betreffen die Nervenstrukturen. Sollten solche Verletzungen auftreten, werden diese sofort in der Operation versorgt. In der Regel haben solche Verletzungen nur geringe kurzfristige Auswirkungen. Neurologische Schäden hierdurch sind selten. Ebenso sind Risiken durch Fehlanlagen von Implantaten aufgrund der guten intraoperativen Bildgebung heute selten und verursachen noch seltener Komplikationen für den Patienten. 

Es gibt Kliniken, bei denen scheint es um hohe OP- und Patientenzahlen zu gehen. In der Schön Klinik steht das Patientenwohl im Vordergrund. Inwiefern würden Sie von einer neuen sozialen Verantwortung von Ärzten gegenüber Ihren Patienten sprechen? 

Dr. Eichler: Die Ökonomisierung der Medizin ist ein zweischneidiges Schwert. Lange wurden gewachsene Strukturen in Unwirksamkeit und Unwirtschaftlichkeit toleriert, die nun durch die immer knapper werdenden Ressourcen zum Problem werden, und das eben ohne dass ein Strukturwandel frühzeitig eingeleitet wurde. Die Probleme betreffen insbesondere die Mitarbeiter im pflegerischen Bereich als auch die Führungsebene von Kliniken. Die Versorgung der Patienten vor Ort durch die Gewährleistung von ausreichend und vor allen Dingen zufriedenem Pflegepersonal, ist der entscheidende Faktor, um die medizinischen Qualitätsansprüche zum Wohle unserer Patienten durchzusetzen. 

Was kommt auf die Patienten nach einer Rücken-OP zu, wie sieht die Nachbehandlung aus? 

Dr. Matschke: Die Patienten werden spätestens am Tag nach der Operation wieder mobilisiert und dürfen mit Hilfestellung der Physiotherapeuten wieder aufstehen. In der Anfangsphase nach der Operation besteht das Ziel der Physiotherapie in der Koordinations- und Gangschulung. Dies umfasst die ersten drei bis vier Wochen, sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Phase. In Abhängigkeit von dem durchgeführten operativen Eingriff, schließt sich daran eine Intensivierung der Physiotherapie in Form einer stationären oder auch ambulanten Rehabilitationsbehandlung an. Heute sind nach einer Operation keine längeren stationären Aufenthalte mehr notwendig. In der Regel können die Patienten nach zwei Tagen bis einer Woche das Krankenhaus schon wieder verlassen. Dr. Wiedenhöfer: Die Nahrungsaufnahme ist bereits am Operationstag normal möglich. Es ist grundsätzlich so, dass jeder Patient, der die Klinik verlässt, so weit selbstständig ist, dass er sowohl in der Ebene als auch auf Treppen sicher laufen kann. Insofern sind wir schon in der Lage, Ängste vor der Entlassung zu nehmen. 

Um eine geeignete Klinik für ihr Rückenproblem zu finden, googeln Betroffene oft stundenlang im Netz. Sie setzen auf die analoge Weiterempfehlung. Warum? 

Dr. Eichler: Die neuen Medien bieten eine unheimliche Bandbreite an Informationen an. Doch oftmals steht man als Betroffener vor dem „Dilemma“ der Auswahl und Bewertung der Quellen. Wem soll ich denn Glauben schenken? Demjenigen, der etwas Negatives postet oder wie viele unserer Patienten sehr zufrieden ist? Welcher Kommentar bewegt einen selbst, eine persönliche Entscheidung zu fällen? Ich meinerseits frage doch die Menschen in meiner Umgebung, wo man ein gutes „Produkt“ erhält oder eben exzellente Medizin. Dementsprechend ist sicherlich die Präsenz in den Medien wichtig, aber noch mehr die „Mundpropaganda“, die dem Patienten ermöglicht, seine Entscheidung auf der Grundlage der 1:1 gemachten Erfahrungen mit all seinen negativen oder positiven Erlebnissen zu bewerten. Sie ist erst dann glaubhaft und echt. Wir sehen den Erfolg eines zufriedenen Patienten als Triebfeder für unsere weiteren Bemühungen zur Sicherstellung und Ausbau eines überregionalen Netzwerkes als entscheidend an.

Kontakt:

Schön Klinik Lorsch
Wilhelm-Leuschner-Straße 10 · 64653 Lorsch 
Telefon (0 62 51) 944 402 5
www.schoen-klinik.de/lorsch-ruecken

Dr. med. Markus Eichler
Chefarzt im Fachzentrum für Wirbelsäulenchirurgie
Schön Klinik Lorsch

Dr. med. Stefan Matschke
Chefarzt im Fachzentrum für Wirbelsäulenchirurgie
Schön Klinik Lorsch

Dr. med. Bernd Wiedenhöfer
Chefarzt im Fachzentrum für Wirbelsäulenchirurgie
Schön Klinik Lorsch

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