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Dr. med. Volkan Göktas

Behandlungsoptionen bei Rückenleiden

Kranke Wirbelsäule – es muss nicht immer eine OP sein

Interview mit Dr. Volkan Göktas über konservative Behandlungsmethoden und minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule. Der Facharzt für Neurochirurgie leitet als Chefarzt die Wirbelsäulenabteilung des St. Vinzenz-Krankenhauses in Hanau.

Herr Dr. Göktas, an Ihrem MVZ behandeln Sie eine Vielzahl von degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule. Was sind die häufigsten? 

Wirbelkanalstenose, Bandscheibenverschleiß und Gleitwirbel zählen zu den häufigsten Eingriffen. Darüber hinaus behandeln wir aber auch zum Beispiel Instabilitäten der Wirbelsäule, Wirbelgelenkarthrose, Wirbelsäulenfehlstellung oder Wirbelkörperbruch. Dabei kommen die Mikrochirurgie und minimal-invasiven Verfahren zum Einsatz. 

Ist bei den genannten Erkrankungen immer eine Operation erforderlich? 

Durchaus nicht. Grundsätzlich operieren wir ohnehin nur, wenn die konservativen Therapieoptionen ausgeschöpft sind und der Leidensdruck für den Patienten entsprechend groß ist. Es gibt jedoch Ausnahmen, die einen schnellstmöglichen Eingriff erforderlich machen. Das sind Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen und Lähmungserscheinungen. 

Wie gehen Sie bei Stenosen im Wirbelkanal vor? 

Das Beschwerdebild entscheidet darüber, ob konservativ oder operativ vorgegangen wird. Mit einer Operation können wir den Wirbelkanal entlasten. Die Erfolgsquote ist sehr hoch. Studien haben übrigens gezeigt, dass die operative Therapie der konservativen überlegen ist. Den Patienten ging es zwei Jahre nach einem Eingriff deutlich besser als bei konservativer Behandlung. 

Wie sieht es bei einem Bandscheibenvorfall aus – ist eine OP unumgänglich? 

Durchaus nicht immer. Tatsächlich müssen 90 Prozent der Patienten nicht unbedingt operiert werden. Es kommt hier auf die sorgfältige Diagnose, eine gute konservative Therapie und das Mittun des Patienten an. Wenn ein Eingriff doch notwendig wird, wird der Bandscheibenvorfall mikrochirurgisch entfernt. Bei der Halswirbelsäule erfolgt der Eingriff von vorn, um die Nackenmuskulatur besser zu schonen. Ob eine Versteifung oder eine Bandscheibenprothese zum Einsatz kommen, hängt von der Gesamtgesundheit der Wirbelsäule ab.

Eine Versteifung ist ja auch beim Wirbelgleiten oft das Mittel der Wahl… 

Bei entsprechender Indikationsstellung ist das korrekt. Doch auch hier gibt es konservative Therapieoptionen, zum Beispiel Infiltrationsbehandlungen der Wirbelgelenke oder eine eigenverantwortliche muskuläre Kräftigungstherapie.

Kontakt: 

Medizinisches Versorgungszentrum am St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau
Am Frankfurter Tor 19 · 63450 Hanau (Zugang über Sternstraße)
Telefon (0 61 81) 2 72 – 67 40 · Fax (0 61 81) 272 – 6 74 24
www.vinzenz-hanau.de/mvz

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