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Dr. med. Bernd Sanner

Was tun bei einem Wirbelbruch?

Therapie erst nach vollständiger Diagnostik

Bei chronischen Rückenbeschwerden kann der Bruch eines Wirbelkörpers die Ursache sein. Ein deutlicher Hinweis wäre etwa ein Sturz, aber auch Osteoporose kann zu einem Wirbelbruch führen. Zur Therapie sind konservative Methoden, aber auch minimal-invasive Operationen geeignet, sagt Dr. Bernd Sanner von der Asklepios Klinik Langen.

Herr Dr. Sanner, hinter (chronischen) Rückenbeschwerden kann sich auch ein Wirbelkörper- bzw. Kreuzbeinbruch verbergen. Wie kann es dazu kommen und warum wird dies nicht selten erst spät bemerkt?
Wenn Schmerzen nach einem Sturz auftreten, ist ein Bruch eines der ersten Dinge, die man abklärt. Anders sieht es in der Alterstraumatologie aus. Wenn die Knochen zum Beispiel durch schwere Osteoporose brüchig werden, genügt oft schon eine Bagatellbewegung, damit es zu einer Fraktur kommt. Ein kleiner Fehltritt kann dann zu einem gebrochenen Wirbel führen, und nicht jeder denkt bei Rückenschmerzen gleich an einen Bruch. Gerade bei älteren Menschen, die durch die Schmerzen ans Bett gefesselt sind, sehen wir Brüche von Wirbelkörpern oder Kreuzbein, von denen wir gar nicht wissen, seit wann sie die haben und was der Auslöser war. Das spielt dann auch keine Rolle mehr. Jetzt ist nur wichtig, dass diese Patienten so schnell wie möglich wieder mobil gemacht werden.

Solch ein Bruch sollte doch ganz einfach auf dem Röntgenbild zu erkennen sein… 

Bei vielen Brüchen ist das so, nicht aber beim Wirbelkörper. Hier reicht Röntgen nicht aus, um eine korrekte Diagnose stellen zu können. Von großer Bedeutung ist zunächst das ausführliche Gespräch mit dem Patienten, die Anamnese, der sich eine eingehende körperliche Untersuchung anschließt. Man muss den Patienten ganz genau kennenlernen, um zu sehen, ob die Beschwerden wirklich von dem Bruch kommen oder womöglich woanders her. Weitere Erkenntnisse verschaffen uns die Computertomographie (CT) sowie die Magnetresonanztomographie (MRT). Denn es kommt für die Therapie nicht nur darauf an, dass man den Bruch erkennt, sondern vor allem darauf, abschätzen zu können, ob dieser Bruch stabil oder instabil ist. Die Therapieentscheidung fällt also erst nach vollständiger Diagnostik. 

Stabiler oder instabiler Bruch – wie geht es jetzt weiter? 

Für die Therapie ist es wichtig zu beurteilen, ob sich die Bruchstellen bei Belastung verschieben können. Wenn das der Fall ist, sprechen wir von einem instabilen Bruch. Beim Wirbelkörper ist dies besonders kritisch wegen des empfindlichen Rückenmarks. Daher sollte ein instabiler Bruch operativ versorgt werden. Einen stabilen Bruch hingegen kann man konservativ mit Schmerztherapie und begleitender Physiotherapie behandeln. Das geht jedoch nur, wenn der Patient die Schmerzmittel verträgt und eventuell noch bestehende Schmerzen auch toleriert. Wie bereits gesagt kommt alles darauf an, dass wir den Patienten mobilisieren können. 

Wie sieht die operative Therapie solcher Frakturen aus? 

Es handelt sich dabei in aller Regel um einen kleinen, minimal-invasiven Eingriff. Bei einer instabilen Kreuzbeinfraktur wird das Iliosakralgelenk mit einer einfachen Schraube versteift. Dieser Eingriff führt zu einer sehr deutlichen Schmerzminderung bzw. -befreiung. Standardbehandlung für spontane Wirbelkörperbrüche sind die Kyphoplastie sowie die Vertebroplastie. Beides sind minimal-invasive Methoden zur Aufrichtung des gebrochenen Wirbelkörpers durch das Einspritzen von Zement. Bei der Kyphoplastie, die wir in unserem Haus bevorzugen, wird zuvor ein Ballon von innen eingeführt und aufgedehnt, bevor der Zement eingebracht wird. Für mich ist diese Methode die bessere, da sich das Verteilen des Zements besser beobachten lässt. Den Eingriff selbst nimmt unser spezialisiertes Ärzteteam unter Vollnarkose und Röntgensichtkontrolle vor. Dieser dauert pro Wirbelkörper etwa 20 Minuten. Der Ballon wird durch eine natürliche Öffnung an der Wirbelsäulenseite in den gebrochenen Wirbel eingeführt, so dass keine umliegenden und wichtigen Bandstrukturen verletzt werden müssen. Sobald der Ballon an der richtigen Stelle liegt, wird er aufgeblasen. Dadurch weitet sich der eingefallene Wirbelkörper und der entstandene Hohlraum wird mit Knochenzement aufgefüllt. Bei der Kyphoplastie wird ein sogenannter Biozement eingesetzt, der aus Hydroxylapatit, einem Calciumphosphatsalz mit sehr hohem Härtegrad besteht. Da dieses Material auch im natürlichen Knochen vorkommt, wird es vom menschlichen Körper sehr gut vertragen. 

Wie erfolgreich ist ein solcher Eingriff und wie ist die Prognose? 

Wenn die Indikation stimmt und das richtige Verfahren angewandt wird, ist dieser Eingriff sehr, sehr sicher und erfolgreich. Die Patienten sind in der Regel sofort schmerzfrei und können sich normal bewegen. Sie verlassen noch am selben Tag die Klinik, und auch in der Nachsorge gibt es nichts Besonderes zu beachten – außer natürlich die Behandlung der Grunderkrankung. Auch die Prognose ist gut. Der Knochenzement ist hart und hält über Jahre hinweg. Selbstverständlich kann es aber durch die Grunderkrankung Osteoporose zu weiteren Frakturen an anderen Wirbelkörpern kommen.

Kontakt: 

Dr. med. Bernd Sanner
Sektionsleiter Unfallchirurgie
Asklepios Klinik Langen
Röntgenstr. 20
63227 Langen
Tel. 06103 / 9 12 - 13 11
Fax 06103 / 9 12 - 18 14
www.asklepios.com/langen

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