+
Dr. med. Karsten Schmidt-Schoormann Leiter des Gefäßzentrums

Klinikum Hanau ist ein interdisziplinäres Gefäßzentrum

Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen

Es gibt Warnzeichen für einen Schlaganfall oder einen Infarkt. Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen sollten Betroffene jedenfalls ernst nehmen. Das Klinikum Hanau bietet das gesamte Spektrum der Gefäßchirurgie und berät bei Stenosen, Aneurysmen oder Schaufensterkrankheit differenziert über die richtige Behandlung.

Herr Dr. Schmidt-Schoormann, die Verengung der Halsschlagadern (Carotis-Stenose) zählt zum Leistungsspektrum Ihres Gefäßzentrums. Wann raten Sie zu einem Eingriff? 

An den Halsschlagadern sollte jede Stenose behandelt werden, die Beschwerden macht. Das können zum Beispiel flüchtige Sprachstörungen sein, oder Taubheitsgefühl oder auch eine vorübergehende Einschränkung beim Sehen. Durch diese Symptome kann sich ein Schlaganfall ankündigen. Wenn keine Beschwerden vorliegen und die Verengung zufällig im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckt wurde, sollte man mit dem Patienten gemeinsam abwägen, ob ein Eingriff sinnvoll ist. Das gilt vor allem bei einer Verengung über 70 Prozent, wenn keine weiteren Risikofaktoren vorliegen. 

Sie bieten bei der Carotis-Stenose sowohl die offene Operation als auch den Stent an – welche Methode schlagen Sie wann vor? 

Vom Ergebnis her gibt es keine großen Unterschiede zwischen beiden Methoden. Als Goldstandard hat sich die offene Operation mit Vollnarkose oder unter Lokalanästhesie etabliert. Wenn jedoch der oder die Betroffene bereits am Hals voroperiert ist, besteht ein erhöhtes lokales OP-Risiko. In diesem Fall würde ich zum Stent tendieren. Generell ist es aber immer eine individuelle Entscheidung, die das persönliche Risikoprofil des Patienten berücksichtigen muss. Gegebenenfalls ziehen wir hierzu noch den Rat unserer Neurologen hinzu. 

Auch beim Aortenaneurysma bieten Sie beide Behandlungsoptionen an. Wann sollte ein Bauchaortenaneuyrisma (BAA) operiert werden? 

Bei Männern sollte bei einem Durchmesser über 5,5 cm operiert werden, wenn das Gefäß gleichmäßig erweitert ist. Liegt jedoch eine umschriebene sackförmige Erweiterung vor, dann kann der Eingriff auch schon früher notwendig sein, genauso wie bei Frauen oder bei einer Größenzunahme von 1 cm innerhalb eines Jahres. Als Standardverfahren zur Versorgung hat sich auch bei uns die endovaskuläre Methode durchgesetzt, bei der das Aneurysma von innen abgedeckt wird. Hierbei müssen wir häufig gar keinen Schnitt mehr machen, sondern können die Leistengefäße durch die Haut punktieren. In besonderen Situationen kann diese Methode sogar in lokaler Betäubung durchgeführt werden. 

Wegen der guten Langzeitergebnisse operieren wir in unserem Haus auch noch rund ein Drittel der Aorten­aneurysmen offen, insbesondere wenn die Patienten keine weiteren Erkrankungen haben, schlank sind und die Anatomie des Aneurysmas für eine endovaskuläre Versorgung schwierig ist. 

Sie behandeln viele Patienten mit Verengungen an den Beingefäßen, der sogenannten Schaufensterkrankheit. Was sind Ihre Behandlungsmöglichkeiten? 

Zum einen können Engstellen in den Beinarterien sehr schonend von innen mittels Ballonkatheter aufgedehnt und, falls nötig, mittels Stent offen gehalten werden. Zum anderen können Stenosen auch mit einem sogenannten Bypass umgangen werden. Wenn es geht, verwendet man hierfür körpereigenes Material. Insbesondere bei langstreckigen Verschlüssen am Oberschenkel kann ein Bypass eine ausgezeichnete Lösung sein. Die Entscheidung, welche Option die bessere ist, treffen wir Gefäßchirurgen zusammen mit den Radiologen und Angiologen. In jedem Fall erfolgen zuerst eine ausführliche Untersuchung sowie die Darstellung der Gefäße im MRT. 

Einer Ihrer Oberärzte hat sich unter anderem auf das Diabetische Fußsyndrom spezialisiert … 

Ja, die Versorgung von offenen Wunden beim Diabetiker ist ein schwieriges Thema, weil es darum geht, eine Amputation von Zehen oder sogar mehr zu verhindern. Bei langwierigen Wunden, die einfach nicht heilen wollen, sollte stets geprüft werden, ob die Durchblutung ausreichend gewährleistet ist. Wenn nicht, lässt sich diese in den meisten Fällen durch einen Eingriff wiederherstellen. Doch die Betroffenen benötigen meist mehr als nur den Gefäßchirurgen dafür. Hier muss erfahrenes Wundmanagement ebenso gewährleistet sein wie die Weiterversorgung zu Hause. 

Und wie sieht es mit Venenproblemen aus? Können sich zum Beispiel auch Patienten mit Krampfadern bei Ihnen behandeln lassen? 

Aber sicher. Das Leistungsspektrum unseres Gefäßzentrums umfasst auch die Erkrankungen der Venen. Auch hier bieten wir alle Behandlungsoptionen an – von der konservativen Therapie über offene Eingriffe bis hin zu den endovaskulären Methoden. Einer meiner Oberärzte hat eine Zusatzbezeichnung im Fachgebiet Phlebologie erworben. Seine Spezialität ist unter anderem die Laserbehandlung bei Krampfadern.


Kontakt:

Klinikum Hanau
Leimenstraße 20
63450 Hanau
Telefon: (0 61 81) 2 96-23 10
Fax: (0 61 81) 2 96-23 12 

gefaesschirurgie@klinikum-hanau.de
www.klinikum-hanau.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare