Prof. Dr. med. Arend Billing, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie im Sana Klinikum Offenbach

Keine Verunsicherung bei Aortenaneurysma

Kleine Aneurysmen müssen nur beobachtet werden

Gefäßerkrankungen wie Aneurysmen oder Durchblutungsstörungen können nie nach einer Einheitslösung behandelt werden. Im Zertifizierten Gefäßzentrum des Sana Klinikums in Offenbach arbeiten deshalb verschiedene Spezialisten zusammen. Oft könnten Patienten aber auch ohne Eingriff normal weiterleben, sagt Chefarzt Arend Billing.

Prof. Billing, Sie zählen seit Jahren laut Focus zu den Top Gefäßchirurgen Deutschlands und haben am Sana Klinikum Offenbach eines der großen Gefäßzentren Deutschlands aufgebaut. Was ist das Erfolgsrezept Ihres Gefäßzentrums, dessen Behandlungsqualität regelmäßig durch die Rezertifizierung von den Fachgesellschaften bestätigt wird?

Unser Gefäßzentrum ist einer der wenigen Orte, an denen Angiologen (Dr. Vanessa Tirneci), Interventionsradiologen (Prof. Dr. Norbert Rilinger) und Gefäßchirurgen als ambitioniertes, freundschaftliches Team zusammenarbeiten. Bei der Indikationsstellung und Therapie wirkt ein Netzwerk unterschiedlichster Spezialisten zusammen. Das ist extrem wichtig, denn keine Gefäßerkrankung gleicht der anderen. Nur wenn alle Therapieoptionen rund um die Uhr auf hohem Niveau angeboten werden, kann ein Gefäßpatient auch sicher sein, die für das jeweilige Stadium individuell beste Behandlung zu bekommen.

Was müssen Patienten wissen, wenn sie die Diagnose Aortenaneurysma erhalten haben?

Grundsätzlich sollte man sich bei der Diagnose Aortenaneurysma erst einmal nicht verunsichern lassen. Ein Aneurysma wird erst bei einem Durchmesser von fünf Zentimeter gefährlich. Kleinere Aneurysmen müssen lediglich beobachtet werden. Ansonsten sollten Betroffene einfach normal weiterleben. Wenn ein Eingriff notwendig wird, muss die Indikation patientengerecht gestellt werden. Das heißt, es müssen Begleiterkrankungen und Form des Aneurysmas ebenso berücksichtigt werden wie das Bedürfnis des Patienten. Eine Einheitslösung von der Stange gibt es nicht.

Bei uns werden Aortenaneurysmen zu 80 Prozent interventionell (mit dem Stent) behandelt. Der Erfolg muss aber unbedingt über viele Jahre kontrolliert werden. Dieses besonders patientenschonende Verfahren erfordert also die Selbstdisziplin des Betroffenen. Beim ansonsten gesunden Patienten kann die offene Operation die bessere Lösung sein. Die Kompetenz dazu wird aber auf Dauer nur in großen Zentren erhalten bleiben.

Durchblutungsstörungen an den Beinen – was halten Sie für besonders wichtig?

Bei Gefäßverengungen in den Beinen erleichtern heute die interventionellen und minimalinvasiven Maßnahmen in vielen Fällen die Behandlung. Mit diesen Katheterverfahren lassen sich Engstellen rasch und patientenschonend beseitigen. In Offenbach haben wir diesbezüglich mit die größte Expertise in der Region. Es ist aber sehr wichtig, auch die Grenzen dieser Verfahren zu kennen. Es gibt immer wieder besondere Fälle, bei denen es gut ist, noch andere „Pfeile im Köcher“ zu haben. So lassen sich mit patienteneigenen Venen hervorragende, lang haltbare Bypässe um Gefäßverschlüsse schaffen. Dieser Eingriff stellt zwar hohe Anforderungen an den Operateur, führt aber zu Problemlösungen, die sehr, sehr lange funktionieren. Für diese hochkomplexen Eingriffe sind allerdings Hingabe und besondere Spezialisierung erforderlich, die nur an wenigen Stellen zu finden sind. Sie sind eine der Spezialitäten unseres Gefäßzentrums.

Was sollte man als Gefäßpatient generell bei der Wahl der Klinik bedenken?

Für den Patienten sind zum einen nachweislich hohe Operationszahlen in dem ihn betreffenden Bereich wichtig und zum anderen nachgewiesene Qualität. Fragen Sie Ihren Operateur nach seinen Fallzahlen und den Ergebnissen der Qualitätssicherung.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Arend Billing
Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie
Sana Klinikum Offenbach
Zertifiziertes Gefäßzentrum
Starkenburgring 66
63069 Offenbach

Tel.: (069) 8405 5590
Fax: (069) 8405 5592

E-Mail: arend.billing@sana.de
Web: www.klinikum-offenbach.de/gefaesschirurgie-und-gefaesszentrum

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