Ergebnisse und Sitzverteilung der Wahl zum Kreistag des MTK.
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Ergebnisse und Sitzverteilung der Wahl zum Kreistag des MTK.

Kreistag

Main-Taunus: Kommt jetzt die Jumbo-Koalition?

  • VonBarbara Schmidt
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Das Ergebnis der Wahl zum Kreistag steht fest. Danach legen CDU und Grüne zu, die SPD sackt weiter ab, und die AfD verliert die Hälfte ihrer Sitze.

Hofheim. -Beim Auszählungs-Marathon ist der Stimmzettel für den Kreistag stets die größte Herausforderung. Doch ähnlich wie in den Kommunen bestätigte sich auch hier mit jeder Schnellmeldung bis gestern Abend mehr und mehr der Trend vom Wahlsonntag: Die CDU legt zu und wird einmal mehr im Main-Taunus-Parlament die größte Fraktion stellen.

Die Partei, die mit Michael Cyriax auch den (direkt gewählten) Landrat stellt, verbessert ihr Ergebnis von 2016 um gut drei Punkte auf 37,3 Prozent und holt drei weitere Sitze. So hat sie deren nun runde 30 - und zudem gleich drei Möglichkeiten zur Mehrheitsbildung. "Wenn man viele Optionen hat, ist das immer eine gute Sache", kommentiert das Fraktionschef Dr. Frank Blasch. Eine Tendenz für eine der möglichen Konstellationen gebe es bislang nicht.

Die erste Option, Schwarz-Grün, würde "große Koalition" bedeuten, denn damit würden sich die beiden stärksten Fraktionen im Parlament zusammenschließen. Die Grünen haben ihr Ziel, die SPD in der Wählergunst vom zweiten Rang zu vertreiben, klar erreicht. Mit 22,2 Prozent haben sie jetzt 18 Sitze im Kreistag. Zur CDU addiert brächte das eine satte 60-Prozent-Mehrheit.

FDP würde eigentlich nicht mehr gebraucht

Der Vertreter der Farbe Gelb im bisherigen Jamaika-Bündnis wird also zum Regieren eigentlich nicht mehr gebraucht. Ihm den Stuhl vor die Tür zu setzen dürfte der CDU aber schwerfallen. Vertrauen nennt Frank Blasch neben der Vereinbarkeit inhaltlicher Ziele als wichtige Basis für politische Bündnisse. Mit den Grünen sei es in den vergangenen fünf Jahren gewachsen - und "mit der FDP sehr stark da". Schließlich sei sie "seit sehr langer Zeit" Koalitionspartner der CDU im Kreis.

Darauf verweist auch Johannes Baron, Chef der Liberalen im Kreis und zugleich hauptamtlicher Kreisbeigeordneter. Dass sich daraus keine Ansprüche ableiten lassen, weiß Baron, dessen Partei mit 8,0 Prozent gegenüber dem Rekordergebnis von 2016 (9,3) etwas verloren hat, aber auch. Die CDU sei klarer Wahlsieger, und an ihr sei es, "nun zu schauen, was sie selber will".

Der Kreisbeigeordnete und FDP-Kreisvorsitzende Johannes Baron - hier mit Petra Westedt - verbrachte den Wahlabend bei den Westedts in Hochheim. Parteifreund Dirk Westedt wurde am Sonntag im Amt des Bürgermeisters bestätigt.

Das sieht Barons Kollegin im Landratsamt, die Grünen-Kreisbeigeordnete Madlen Overdick, nicht anders. Die Grünen hatten kurz vor dem Wahlsonntag noch einmal darauf gepocht, sie seien weder Jamaika noch Schwarz-Grün, sondern eben "die Grünen". Ihr Problem: Anders als die CDU hat die Öko-Partei zu dieser keine echten Alternativen, wenn sie an der Macht bleiben will. "Wir haben gute Arbeit gemacht", sagt Madlen Overdick selbstbewusst über die bisherige Koalition. Warum also da nicht anknüpfen? Ihre Meinung: "Ich finde, es bietet sich an."

Neuhaus: Da gibt's nichts schönzureden

Das sieht auch der Mann so, der sich schon damit abgefunden zu haben scheint, weiter die Rolle des Oppositionsführers zu spielen. Sozialdemokrat Philipp Neuhaus, der wie Blasch bei der CDU erneut für den Vorsitz seiner Fraktion kandidieren wird, sieht zwar, dass die CDU mit der SPD ihre zweite Koalitionsoption hat, für sehr wahrscheinlich hält er ein solches Bündnis aber nicht. Die auf von 20,6 auf 16,1 Prozent gefallenen Genossen, die vier ihrer 17 Mandate verloren haben, finden, am eigenen Ergebnis sei "nichts schönzureden". Für Gespräche, die die CDU mit allen Parteien außer der Linken und der AfD (und dem einen Vertreter von "Die Partei") führen will, sei die SPD natürlich "definitiv" offen, sagt Neuhaus. Er hält es aber für wahrscheinlicher, dass CDU, Grüne und FDP weitermachten wie bisher, als "Jumbo-Koalition" . . .

Doch da gibt es ja auch noch die dritte Option für die Christdemokraten, die lange im Kreis bewährte "bürgerliche Koalition" aus CDU, FDP und FWG. Sie käme allerdings nur auf eine knappe Mehrheit von 41 Stimmen. Die FWG hat ihr Ergebnis von 2016 mit 5,6 Prozent fast wieder erreicht, konnte vor allem in Eppstein, Hochheim, Hofheim und Liederbach punkten. Zuletzt gab es aber einiges an Reibungspunkten mit der CDU, in Liederbach und auch im Kreis. Fraglich, ob da das Vertrauen, von dem Blasch spricht, für eine Partnerschaft reicht.

Fünf AfD-Männer im neuen Kreistag

Klar verloren hat beim Wähler die AfD, da verstärkt das vorläufige Endergebnis sogar noch den Trend, der die Partei am rechten Rand noch bei 7,4 Prozent sah. Am Ende sind es knapp 6,2 geworden, was eine Halbierung der Mandats-Zahl auf 5 Sitze bedeutet - die allesamt Männer einnehmen werden.

Für die Linke hat sich kaum etwas verändert. Sie schneidet mit 3,7 Prozent leicht schwächer ab als 2016, hält aber ihre drei Sitze.

Ein Sitz für die satirische Kleinpartei

Neu ins Parlament kommt "Die Partei". Nach Listen-Stimmen allein wäre die satirische Kleinpartei chancenlos gewesen, aber durch die Einzelstimmen, die beim Kumulieren und Panaschieren verteilt werden können, ist sie noch auf 0,9 Prozent gewachsen (Trend: 0,5), was Spitzenkandidat David Kurzke in den Kreistag bringt.

Wer da nicht satirisch, sondern ganz real demnächst die Mehrheit hat, das zu entscheiden will sich die CDU Zeit lassen. Sie freut sich erst einmal über die wieder gewachsene Zustimmung beim Wähler nach der von der Flüchtlingskrise überschatteten Wahl 2016. Profitiert hat sie auch auf Kreisebene vom Aufwind in Hattersheim, das mit 43,9 Prozent nach Kriftel (46,2 Prozent) das beste CDU-Ergebnis beisteuerte. Am schwächsten war das Votum für die Christdemokraten in Schwalbach, der letzten SPD-Hochburg im Kreis und Heimat von SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser. Die Landesvorsitzende der Genossen brachte diesen nicht nur dort viele Einzelstimmen. Größter Stimmensammler insgesamt aber ist wie in Hofheim auch auf Kreisebene der CDU-Kreisvorsitzende und Hessische Staatsminister Axel Wintermeyer, der schon am Sonntag den Wahlsieg ein gutes Stück auch auf den starken Mann im Kreishaus, Landrat Michael Cyriax, und die richtigen Themen, die seine Partei gesetzt habe, zurückgeführt hatte.

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