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Prof. Dr. Andrea Meurer

Gelenkersatz bei Arthrose

Operation erst, wenn die Lebensqualität leidet

Gelenkverschleiß ist vor allem eine Frage des Alters, sagt Prof. Dr. Andrea Meurer. Ist die Abnutzung des Gelenks irgendwann so weit fortgeschritten, dass nur noch Schmerztabletten helfen, empfiehlt sie, ernsthaft über den Einsatz eines künstlichen Gelenks nachzudenken.

Frau Prof. Dr. Meurer, was sind die Ursachen für Arthrose? 

Je älter wir werden, umso eher verschleißen unsere Gelenke. Sie sind nicht dafür ausgelegt, so lange zu funktionieren. Diesen degenerativen Prozess nennen wir Primäre Arthrose. Von einer Sekundären Arthrose sprechen wir, wenn die Gelenkabnutzung als Folge von etwas anderem auftritt, etwa nach einem Unfall, oder bei Fehlstellungen der Beine (X-Beine/O-Beine). Auch eine Hüfterkrankung im Kindesalter kann später zu einer Arthrose führen. 

Woran erkennen Betroffene, dass es sich nicht um ein Zipperlein, sondern um eine ernstzunehmende Arthrose handelt? 

Bei allen Schmerzen, die von alleine wieder verschwinden, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Sehnen oder Muskeln tun eben manchmal weh. 

Ernst nehmen sollte man Schmerzen, die auch nach ein paar Tagen noch andauern. Wenn ich mich nicht mehr bewegen kann, kann ein Gelenk blockiert sein. Schwillt das Gelenk an, weil sich Wasser darin bildet, oder wird es warm, dann können das Anzeichen einer Arthrose, also einer Abnutzung des Gelenkes sein.

Wird der Patient durch seine Arthroseerkrankung in der Mobilität eingeschränkt, ist ein künstliches Gelenk ratsam

Wann ist das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes sinnvoll? 

Arthrose ist nicht heilbar. Irgendwann muss Schluss sein mit Schmerztabletten, denn sie sind keine Smarties und können bei längerer Einnahme nachweislich Organe irreversibel schädigen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Patienten sehr gut einschätzen können, wann für sie der Moment gekommen ist, sich für ein künstliches Gelenk zu entscheiden. Für mich ist nicht das Röntgenbild entscheidend, sondern inwiefern sich die Betroffenen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen. 

Ist Arthrose eine Volkskrankheit? 

Ja, Arthrose ist ein Massenphänomen. Rund fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Arthrose, die Dunkelziffer ist hoch. Es kursieren Schätzungen, die von 30 Millionen Betroffenen sprechen. Nicht alle spüren etwas von der Krankheit, weil sie ja aus den genannten Gründen oft erst später Schmerzen verursacht. Genau das ist der Knackpunkt. Die Bedeutung von Mobilität begreift der Mensch oft erst, wenn er sie verliert. 

Mehr Forschung in der Arthrose ist Ihnen eine Herzensangelegenheit. Warum? 

Wir wollen mit unserer Forschung den vorherrschenden Fokus auf Endoprothetik, also dem Gelenkersatz, ergänzen. Wir setzen vorher an und forschen danach, wann, warum und wo genau im Körper die Arthrose entsteht. Mit Früherkennung ließe sich diese rätselhafte Volkskrankheit in Zukunft früher behandeln.

Univ.-Prof. Dr. med. Andrea Meurer
Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim
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