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Dr. med. Ingo Tusk

Erfolgsquote bei Kniegelenksersatz sehr hoch

Schmerzfreiheit und Beweglichkeit durch OP und Muskelaufbau

Die Abnutzung der Gelenke beginnt bereits in frühen Jahren. Wenn Bewegungstherapie und Medikamente nicht mehr helfen und die Schmerzen zu groß werden, sollte man bei großflächiger Arthrose über ein künstliches Gelenk nachdenken.

In den Medien kommt immer wieder Kritik auf, dass gerade am Kniegelenk zu schnell operiert wird. Nach welchen Kriterien richtet es sich, ob ein Knieersatz wirklich Sinn macht? 

Es gibt ein ganz einfaches Kriterium: der Leidensdruck des Patienten. Wir alle entwickeln Arthrosen, und das beginnt bereits ab etwa dem 30. Lebensjahr. Wichtig ist zunächst, dass eine Behandlung keinesfalls nur aufgrund etwaiger Veränderungen auf den Röntgenbildern erfolgen darf, sondern nur wegen tatsächlicher Beschwerden. Nicht selten sind bei der Röntgendiagnostik Veränderungen zu finden, obwohl der Patient gar nichts spürt – und umgekehrt. 

Über Knieersatz kann man nachdenken, wenn eine großflächige Arthrose mit entsprechender Knorpelabnutzung vorliegt und dadurch die Gehstrecke immer kleiner und die Schmerzen immer größer werden. Auf jeden Fall müssen zunächst alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. 

Erst wenn Bewegungstherapie und Medikamente nicht mehr helfen und die Schmerzen zu groß werden, kann eine Knieprothese sehr sinnvoll sein. Ich sage meinen Patienten immer, dass sie es schon sehr genau wissen werden, wenn es so weit ist. 

Ein künstliches Kniegelenk verspricht Beweglichkeit und Schmerzfreiheit

Was kann man denn realistisch von einem künstlichen Kniegelenk erwarten? Schmerzfreiheit oder sogar die Möglichkeit, seinen Lieblingssport wieder ausüben zu können? 

Grundsätzlich ist die Erfolgsquote bei einem Kniegelenksersatz sehr hoch. Das gilt nicht nur für die Schmerzfreiheit, sondern auch für die Beweglichkeit. Das Wiedererlangen der Leistungsfähigkeit hängt aber immer ganz individuell vom Patienten ab. Grundsätzlich kann jeder wieder beschwerdefrei werden und auch Sport treiben, gleichgültig, wie alt er oder sie ist. Allerdings muss man sich dafür Ziele setzen und auf diese hinarbeiten. 

Ich hatte schon Skilehrer, die mit ihrem neuen Gelenk wieder auf die Piste gingen und Bergsteiger, die auf Dreitausender und mehr liefen. Das dauert natürlich seine Zeit – beim einen mehr, beim anderen weniger. Man muss Geduld haben und dranbleiben. 

Wie sieht die Zeit nach einer Knieoperation aus? 

Wir behalten die Patienten etwa eine Woche in der Klinik, dann geht es in die Anschlussheilbehandlung zum Muskelaufbau. Nach sieben Tagen sollte der Patient in der Lage sein, zumindest mit Stöcken Treppen zu steigen. Für die Regeneration des Knies sollte man insgesamt mit sechs bis zwölf Monaten rechnen. 

Die Betroffenen müssen also Geduld mitbringen. In dieser Zeit empfiehlt sich ganz gezieltes Krafttraining zum Muskelaufbau.

Dr. med. Ingo Tusk 
Frankfurter Rotkreuz-Kliniken e.V. 
Klinik für Sportorthopädie und Endoprothetik 
Königswarterstraße 16 · 60316 Frankfurt am Main 
Telefon (069) 40 71-4 19 · Fax (069) 40 71-4 15 
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