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Dr. Olaf Lorbach

Schultergelenksersatz bei dauerhaften Beschwerden

Wiederherstellung der Schulterfunktion und Schmerzreduktion

Priv.-Doz. Dr. Olaf Lorbach leitet den neu gegründeten Bereich für Schulterchirurgie an der Schön Klinik Lorsch. Im Interview zeigt er Ursachen für Schulterbeschwerden und Therapiemaßnahmen auf.

Herr Dr. Lorbach, Sie leiten in der Schön Klinik den neu gegründeten Bereich für Schulterchirurgie. Haben zunehmend mehr Menschen Schulterschmerzen? 

Die Menschen werden auf der einen Seite immer älter, haben auf der anderen Seite aber immer höhere Ansprüche an die Funktion ihrer Schulter. 

Viele Schulterprobleme können wir heute lösen, die man früher akzeptieren musste.

Wann sollte ich bei Schulterbeschwerden zum Arzt gehen? 

Wenn ein klares Ereignis für die Beschwerden vorliegt, z. B. ein Sturz oder Sportunfall, sollte zeitnah eine höhergradige Verletzung ausgeschlossen werden. 

Kommen die Schulterbeschwerden langsam und dauern über Wochen, sollte je nach Ausmaß der Schmerzen ebenfalls eine ärztliche Vorstellung erfolgen. Denn viele funktionelle Beschwerden lassen sich im Anfangsstadium mit einer entsprechenden konservativen Therapie beheben, bevor ein chronisches Problem entsteht. 

Welche Rolle spielt das Alter? 

Häufig stehen beim jüngeren Patienten Sportverletzungen wie ein ausgekugeltes Gelenk, Verletzungen der Bizepssehne oder des Schultereckgelenkes im Vordergrund. Zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr stehen degenerative Schäden der Rotatorenmanschette, der Bizepssehne oder aber auch der Verschleiß des Schultergelenkes (Arthrose) im Vordergrund.

Was verbirgt sich hinter der Diagnose „Frozen Shoulder“? 

Bei der „Frozen Shoulder“ kommt es zu einer Reizung bzw. Entzündung der Gelenkkapsel. Die Ursachen sind häufig nicht eindeutig zuordenbar. 

Möglicherweise haben hormonelle Ursachen oder Stoffwechselstörungen einen Einfluss. Ein Ignorieren der Schulterbeschwerden oder eine falsche Behandlung kann im weiteren Verlauf eine sekundäre „Frozen Shoulder“ auslösen. 

Was ist eine Kalkschulter? 

Bei der Kalkschulter kommt es aus ungeklärter Ursache zu einer Umwandlung von Gewebe und Bildung eines Kalk­depots. Die Konsistenz des Kalkes kann dabei flüssig, zahnpastaartig oder wie Kreide hart und bröckelig sein. 

In vielen Fällen bleibt eine solche Verkalkung symptomlos und löst sich irgendwann auf. Je nach Größe und Konsistenz kann es jedoch zu einer mechanischen Irritation des Schleimbeutels kommen mit zum Teil sehr ausgeprägten Beschwerden. 

Konservative und operative Therapien bei Schulterschmerzen

Wann sind nicht operative Therapien sinnvoll und wann reichen sie nicht aus? 

Ziel einer Behandlung ist die Wiederherstellung der Schulterfunktion und die Reduktion der Schmerzen. In vielen Fällen ist dies durch eine konservative Therapie möglich. 

Neben medikamentösen Therapien können Injektionen sehr effektiv sein. Die Physiotherapie stellt eine weitere wichtige Säule in der konservativen Therapie dar. Zudem gibt es weitere schmerzlindernde Verfahren, wie Akupunktur oder Stoßwellentherapie, die von kooperierenden Kollegen oder in unserem medizinischen Versorgungszentrum angeboten werden. Wenn die Indikation stimmt, sind diese Verfahren sehr effektiv. 

Liegt allerdings ein struktureller Schaden, wie z. B. ein kompletter Sehnenriss vor, können diese Verfahren nur die Symptome lindern, jedoch nicht den Schaden in der Schulter beheben. In diesen Fällen kann die Sehne nur durch ein operatives Verfahren wieder am Knochen befestigt werden.

In welchen Fällen ist der Einsatz einer Schulterprothese sinnvoll? 

Eine Schulterprothese ist dann sinnvoll, wenn der Patient unter einer fortgeschrittenen aktivierten Arthrose des Schultergelenkes mit entsprechender Funktionseinschränkung und Beschwerden leidet und die konservativen Therapiemaßnahmen ohne Erfolg ausgeschöpft sind.

Welcher Sport ist für Menschen mit künstlichem Schultergelenk geeignet und welcher sollte besser gemieden werden? 

Moderate sportliche Belastung mit geringen Gewichten, Fahrrad fahren oder schwimmen ist in der Regel kein Problem. Die Prothese ist aber nicht für Schwerstbelastungen geeignet. 

Mit einer Schulterprothese Schmerzfreiheit erreichen

Hält das künstliche Schultergelenk für den Rest meines Lebens? 

Eine Schulterprothese kann sich im Laufe der Zeit auslockern oder der hochvernetze Kunststoff reibt sich ab. Schulterprothesen halten im Schnitt zehn bis fünzahen Jahre. Je jünger und aktiver ein Patient ist, desto eher kann sich die Prothese lockern. Ein operativer Wechsel ist in den allermeisten Fällen möglich, allerdings steigt die Größe und Komplexität der Operation. 

Wie bewerten Sie als Schulterspezialist das künstliche Gelenk im Vergleich zum natürlichen Gelenk?

Grundsätzlich gilt: Der Gelenkersatz ist niemals so gut wie die Natur. Im besten Fall aber so gut, dass man dem Patienten wieder eine ausreichende Funktion und vor allem eine Schmerzarmut oder Schmerzfreiheit zurückgeben kann. 

Ein älterer Patient hat sicher eine gute Chance, dass man sein Problem damit auf Dauer auf ein Niveau bringen kann, mit dem er gut zurecht kommt. Die Zufriedenheit der Patienten nach Implantation einer Schulterprothese ist sehr hoch. Nicht selten berichten Patienten in den Kontrolluntersuchungen, dass sie viel früher zu einer OP gekommen wären, wenn sie gewusst hätten, wie gut ihre Schulter wieder wird.

Wie lange dauert die Reha und was erwartet die Patienten? 

Nach etwa sechs Tagen stationärer Behandlung machen die Patienten in den ersten 6 Wochen nach der OP bereits regelmäßig Physiotherapie. Eine weitere Rehabilitation mit Bewegungsübungen erfolgt häufig nach 6 Wochen, wenn die angenähten Sehnen stabil angewachsen sind.

Priv.-Doz. Dr. Olaf Lorbach
Schön Klinik Lorsch 
Wilhelm-Leuschner-Straße 10 
64653 Lorsch 
Telefon +49 6251 944 402 1 
www.schoen-klinik.de/schulter-lorsch

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