+
Dr. Christian Friedrich

Die Schulterprothese bei Schultergelenkverschleiß

Wann passt welche Art von künstlichem Gelenk?

Schulterschmerzen haben unterschiedliche Ursachen: ein Einengungssyndrom unter dem Schulterdach, Kalkablagerungen in der Muskulatur, Risse der schultergelenksführenden Muskel- und Bandstrukturen, Schultergelenkverschleiß oder Omarthrose sind nur einige der Ursachen. Dr. Christian Friedrich über Möglichkeiten von künstlichen Schultergelenken.

Herr Dr. Friedrich, welche Ursachen für das Entstehen eines Schulterschmerzes gibt es eigentlich?

Schmerzen im Schultergelenk können im Allgemeinen durch einen altersgemäßen Verschleiß infolge jeglicher Art von Ursache oder/und durch ein Unfallgeschehen bedingt sein, jedoch können auch bestimmte für das Schultergelenk ungünstige Bewegungsmuster zu Beschwerden führen, wie z. B. das Innehalten des Armes über Kopf. 

Hierbei sind dann häufig Veränderungen an dem Sehnen- wie Muskelgewebe (hier insbesondere vonseiten der sogenannten Rotatorenmanschette), dem Schleimbeutel, der Pfannenlippe und letztendlich dem Knorpelgewebe in aller Regel nachweisbar.

Inwiefern zögern die Patienten zu lange, bevor sie sich ein künstliches Schultergelenk einsetzen lassen?

Schmerzen im Schultergelenk werden von den Patientinnen bzw. Patienten in der Tat länger toleriert und auch akzeptiert, als dies bei Arthrose-Beschwerden in dem Hüft- oder Kniegelenk zu beobachten ist: Wenn ich nicht mehr richtig laufen kann, ist meine Mobilität und somit meine Teilhabe am täglichen Leben in zunehmendem Maße eingeschränkt. 

Dies wiederum führt dazu, dass ich mich eher in ärztliche Behandlung begebe und einem operativen Eingriff unterziehe. Eine schmerzhafte Herabsetzung der Beweglichkeit im Schultergelenk hingegen schränkt insbesondere die beiden zuvor angesprochenen Dinge nicht selten erst verzögert ein, infolge dessen die Patientinnen bzw. Patienten daher verspätet einem Eingriff im Sinne eines künstlichen Gelenkes zustimmen.

Warum und wann benötige ich eine Schulterprothese? 

Das Schultergelenk unterliegt im Laufe unseres Lebens einem gewissen Verschleiß. Ursachen hierfür können rheumatische Gelenkerkrankungen, längerfristige Einnahme von Cortison, Durchblutungsstörungen mit Ausbildung eines Gewebsunterganges (Nekrosen), Gelenkinstabilitäten, Auskugelungen (Luxationen), Verletzungen an der Rotatorenmanschette, Knochenbrüche u.a. sein.

Schulterprothesen: so spät wie möglich, so früh wie nötig.

Hinsichtlich des Zeitpunktes für den Einbau einer Schulterprothese gilt für mich als Operateur die Devise: wird die Lebensqualität von der Patientin bzw. dem Patienten als dermaßen erniedrigt angegeben, dass ein „Weitermachen wie bisher“ nicht toleriert wird, erscheint der Einbau eines künstlichen Gelenkes notwendig, jedoch nur, wenn das Ergebnis der vorab durchgeführten körperlichen Untersuchung und Bildgebung mit den Schmerzen in Einklang zu bringen ist. Kurzum: so spät wie möglich, so früh wie nötig.

Wann ist eine Teilprothese sinnvoll und wann ein komplett künstliches Schultergelenk?

Es gibt verschiedene Arten von Schulterprothesen

Grob gefasst gibt es die folgenden Arten von Schulterprothesen: Zum einen die Hemi-Endoprothese, bei der lediglich die Halbkugel des Oberarmkopfes ersetzt wird, entweder ohne einen Stil in dem Oberarmknochenschaft (Kappenprothese) oder aber mit einem Stil. Dann ist die Total-Endoprothese anzuführen: Hier wird die Gelenkfläche des Oberarmkopfes und die der Gelenkpfanne erneuert. #

Bei der sogenannten inversen (umgekehrten) Endoprothese werden die Gelenkpartner (Kopf, Pfanne) getauscht, somit umgekehrt.

Welcher Prothesentyp zum Einsatz kommt, mache ich davon abhängig, welche Art von Gewebeschädigung in welchem Ausmaß bei der Patientin bzw. dem Patienten vorliegt. Dazu ist es sehr wichtig, vor dem operativen Eingriff alle Erkenntnisse aus der Vorgeschichte sowie der erfolgten körperlichen Untersuchung und Bildgebung in die Planung einfließen zu lassen. So macht es beispielsweise keinen Sinn, eine Kappenprothese bei vollständig gerissener Sehnenplatte (Rotatorenmanschette) einzubauen. An Operationszeiten werden zwischen 30 und 60 Minuten benötigt, abhängig zu machen von der Gewebeschädigung und dem Prothesentyp.

Kann es passieren, dass die Operation anders verläuft als vorgesehen, trotz all Ihrer langjährigen Erfahrung?

Prinzipiell können im Rahmen eines jeden noch so kleinen wie großen operativen Eingriffes durchaus unvorhergesehene Dinge auftreten. Bei guter Vorbereitung vor dem geplanten Eingriff kann dieses Risiko allerdings auf ein Minimum reduziert werden. 

Sollte sich die Knochensubstanz zum Beispiel während des Eingriffes wider Erwarten als schlechter darstellen als zuvor angenommen, so kann während der Operation selbstverständlich von einer zementfreien auf eine zementierte Verankerung der Prothesenkomponente(n) gewechselt werden, was im Rahmen des Aufklärungsgespräches auch angesprochen wird. 

Insgesamt ist festzuhalten, dass ich – bei aller Erfahrung und hoher Anzahl an bereits durchgeführten Schulterprothesen – zudem die Möglichkeit habe, bei den einzelnen Prothesentypen sehr hochwertige Implantate einbauen zu können, unabhängig vom Versicherungstyp (gesetzlich, privat) der Patientin bzw. des Patienten.

Dr. Christian Friedrich
OrthoTeam RheinMain - Zentrum für Orthopädie und Chirurgie
Niederlassung: Marktplatz 2, 61118 Bad Vilbel
Innerer Ring 6, 63486 Bruchköbel · Nußallee 7e, 63450 Hanau
Endoprothetik Hotline (0 61 01) 6 59 99 25
bv@orthoteam-rheinmain.de
www.orthoteam-rheinmain.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare