Spritzen liegen auf einem Tisch.
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In Marburg forschen Wissenschaftler zur Wirksamkeit der Corona-Impfung. (Symbolbild)

Forschung

Corona-Studie: Professor erwartet Drittimpfung für Risikogruppe

  • VonSebastian Schmidt
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Ist eine Drittimpfung gegen das Coronavirus wirklich notwendig? Für wen und wann? Ein Marburger Professor erwartet sie nun für eine bestimmte Risikogruppe.

Marburg – Wird nach der Zweit- auch die Drittimpfung gegen das Coronavirus nötig? Noch scheint nicht klar, ob und wann und bei welchen Impfstoffen eine weitere Dosis zu empfehlen ist. Die Forschung dazu läuft jedoch – auch in Hessen. Nach einer vorläufigen Studie an der Philipps-Universität Marburg kommt der Leiter des dortigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Professor Michael Lohoff, zu dem Ergebnis, dass es vor allem für ältere Menschen bald eine weitere Impfempfehlung gegen das Corona geben wird. Das berichtet die Oberhessische Presse (OP).

Marburger Studie zur Drittimpfung untersucht Menge an Antikörpern

Lohoff und Privatdozent Christian Keller, Oberarzt am Institut für Virologie, führten eine eigene Corona-Studie durch. Sie verglichen laut OP das Blut von drei Gruppen miteinander:

  • alte Geimpfte
  • alte Genesene
  • junge Geimpfte

Dabei untersuchten die Wissenschaftler unter anderem, wie viele Antikörper gegen das Coronavirus die Probanden hatten und ob sie das Virus auch tatsächlich bekämpfen. Antikörper spielen nämlich eine wichtige Aufgabe im Kampf gegen Corona*, sie markieren Zellen und geben sie für das Immunsystem zum „Fressen“ frei. Auch die Anzahl an T-Zellen, die das Coronavirus bekämpfen wurde untersucht.

Lohoff hält es laut OP vor dem Hintergrund der vorläufigen Ergebnisse für hochwahrscheinlich, dass vor allem ältere Menschen eine dritte Corona-Impfung schon bald bekommen sollten.

Marburger Studie zur Drittimpfung: Einige Länder machen sie bereits

Mit dieser Meinung steht der Marburger Professor nicht alleine da. Auch Biontech, einer der Hersteller eines Corona-Impfstoffes, rät zur baldigen Impfauffrischung. Laut dem Pharmaunternehmen nehme die Wirksamkeit des Impfschutzes mit der Zeit ab, und gerade vor dem Hintergrund der Delta-Variante werde zu einer dritten Impfung geraten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden vier Länder diesem Rat bereits Folgen, unter anderem Israel und Frankreich würden Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine Auffrischungsimpfung geben.

Marburger Studie zur Drittimpfung: Andere Experten raten zur Zurückhaltung

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) und die WHO bremsen aber Erwartungen an eine Dritte Impfung laut Tagesschau. Laut EMA sei es nach wie vor nicht klar, dass eine dritte Corona-Impfung tatsächlich gebraucht werde. Die Behörde gehe weiterhin davon aus, dass die momentane Impfpraxis funktioniere und ausreichen Schutz biete. Für eine andere Entscheidung gebe es keine ausreichende Daten, so EMA und WHO.

Sollte doch eine dritte Corona-Impfung notwendig sein, stellt sich die Frage, wann und wo diese verabreicht werden sollen. Hessen hält zur Zeit weiter an seinem Plan fest, die Impfzentren bis September abzubauen. Eine mögliche Drittimpfung wird in dem Bundesland dann von den Hausärzten durchgeführt werden.

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