Riesenzecke und Ixodes inopinatus

Exotische Zecken breiten sich in Deutschland aus: Gefahr neuer Krankheiten

  • Svenja Wallocha
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In Deutschland machen sich neue tropische Zecken breit. Die kleinen Tiere können hierzulande unbekannte Krankheitserreger mitbringen.

Frankfurt – Mit besserem Wetter im Sommer geht es für viele wieder raus ins Grüne – doch dort lauern Zecken. Das Gefährliche an den kleinen Tierchen ist, dass sie Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen können. Die in Deutschland häufigste Zeckenart ist laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) der Gemeine Holzbock. Zum Problem werden aber auch immer mehr exotische Zeckenarten. Denn die haben neue schwerwiegende Krankheiten im Gepäck.

Die Rede ist von der Hyalomma-Zecke oder auch tropischen Riesenzecke und der Ixodes inopinatus, die wohl aus dem Mittelmeerraum zu uns eingewandert ist. Die Riesenzecke ist, wie ihr Name schon sagt, etwa doppelt so groß wie der gemeine Holzbock und kann sich bis zu vier Wochen an ihrem Wirt festsaugen. Außerdem geht sie regelrecht auf die Jagd. Sie krabbelt aktiv und schnell auf ihren Wirt zu. Normalerweise kommt die Gattung in Teilen Asiens und Afrikas vor. Nach Deutschland gelangte sie vermutlich mit Zugvögeln.

Tropische Zecken auf dem Vormarsch: Fleckfieber-Fall in Deutschland

Seit dem Jahr 2007 findet man diese Zeckengattung immer mal wieder in einigen Regionen von Deutschland. Hyalomma-Zecken können laut RKI gefährliche Krankheitserreger in sich tragen, neben dem Zecken-Fleckfieber auch das Krim-Kongo-Virus. Es kann das tödliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber verursachen.

Die Hyalomma um einiges Größer als der in Deutschland bekannte „Gemeine Holzbock“.

Den ersten Fleckfieber-Fall in Deutschland durch diese Zeckenart ist im Jahr 2019 bekannt geworden. Damals war ein Mann aus Nordrhein-Westfalen nach einem Stich erkrankt. Er konnte jedoch erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

Zecken: Überträger von gefährlichen Krankheiten – Verbreitung durch Klimawandel?

Die Ixodes inopinatus ist dagegen zwar klein, jedoch nicht zu unterschätzen. Sie wurde im Jahr 2016 in Deutschland entdeckt und steht unter Verdacht, FSME-Überträger zu sein. Wenn der Winter mild genug ist, ist diese Zeckenart auch ganzjährig aktiv. Sie lässt sich also auch von kälteren Temperaturen nicht abschrecken.

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Doch warum kommen diese Zeckenarten, die üblicherweise nur in viel wärmeren Regionen der Welt verbreitet sind, nun auch in Deutschland vor? Forscher sehen den fortschreitenden Klimawandel als Grund. Mit ihm steige die Wahrscheinlichkeit, dass neue Zeckenarten langfristig nach Deutschland einwandern, erklärt auch die Zeckenforscherin Prof. Ute Mackenstedt in einem RND-Beitrag. Und die könnten dann eben auch hier noch nicht verbreitete Krankheitserreger mitbringen.

Zecken: Verbreitung bei milden Temperaturen – RKI weitet Risikogebiete aus

Doch generell sind alle Zecken gefährliche Tiere. Denn auch FSME und Borreliose sind ernstzunehmende Krankheiten. Die meisten FSME-Infizierten bleiben zwar beschwerdefrei. Aber in schweren Fällen kann diese Viruserkrankung zu einer Gehirnentzündung führen und das Rückenmark schädigen. Gegen FSME existiert eine Impfung, nicht jedoch gegen Borreliose. In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Gebiete, in denen ein besonders hohes Infektions-Risiko besteht. Wegen Corona und den milden Temperaturen haben Zecken derzeit ideale Bedingungen. Denn viele zieht es ins Grüne. So schützen Sie sich:

  • Geschlossene Schuhe tragen
  • Lange Hosen und langärmliche Oberteile tragen
  • Antizeckenspray verwenden
  • Sich auf festen Wegen aufhalten, nicht im kniehohen Gras
  • Nach Spaziergängen Haut absuchen
  • Zeckenzange in der Tasche haben

Zecken kommen vor allem in Wäldern und an Waldrändern sowie im hohen Gras vor. Aber auch in Gärten und städtische Parks sind sie zu finden. Schützen kann man sich vor den Tieren mit langer und dicker Kleidung. Nach dem Spaziergang sollte der Körper zudem gründlich nach Zecken abgesucht werden. Findet sich eine Zecke, gilt es, sie sofort zu entfernen und die Stelle zu beobachten. Zeigt sich eine Rötung, die immer größer wird, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. (Svenja Wallocha) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Andrea Schnartendorff/dpa

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