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Alle Handys in Deutschland klingeln am 8. Dezember - Das steckt dahinter

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Von: Clara Veiga Pinto, Diana Rissmann, Kilian Bäuml, Sarah Neumeyer

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Am 8. Dezember sollen in Deutschland alle Handys auf einmal klingeln oder eine Benachrichtigung bekommen – der Grund dafür ist sehr wichtig.

Kassel – Im Dezember ist Großes geplant. Alle in Deutschland registrierten Handys sollen auf einmal eine Benachrichtigung erhalten. Dahinter steckt ein Test: Festgestellt werden soll, wie gut die deutsche Bevölkerung im Notfall erreichbar ist.

Damit das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Bevölkerung bestmöglich erreicht, werden dafür dieses Jahr gleich mehrere Wege der Kommunikation ausprobiert. Auch eine neue Technik soll zum Einsatz kommen, die eine SMS mit Warnton an alle Handy versendet.

Handy klingelt am 8. Dezember: Warntag in Deutschland soll Notfall proben

Das ganze nennt sich Warntag und fand in einer ähnlichen Form schon einmal statt. Am 10. September 2020 wurde das erste Mal seit der deutschen Wiedervereinigung versucht, möglichst die ganze Bevölkerung mithilfe von Sirenen zu erreichen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Vielerorts war nur ein leises Surren oder gar keine Sirenen zu hören. „Wir müssen uns für die Zukunft besser für Krisenlagen wie Wetterextreme, Waldbrände oder Hochwasser wappnen“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser.

Zwei Jahre später setzt man auf Technologie und versucht sich den neuen täglichen Begleiter der Menschen zunutze zu machen – das Handy. Zum Einsatz soll auch eine neue Technik in allen 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten in Deutschland kommen: Cell Broadcast. Aktuell arbeitet das BKK gemeinsam mit den Mobilfunknetzbetreibern unter Hochdruck an der Einführung dieses neuen Warnkanals. Für ihn soll der 08. Dezember ein erster Testlauf sein.

Warntag am 8. Dezember: Nachricht und Alarm-Ton sollen übers Handy kommen

Künftig will das BKK ganz auf diese Technik setzen. Mit Cell Broadcast können Nachrichten an alle Nutzer einer Funkzelle gesendet werden. „Mit dem bundesweiten Warntag 2022 wird auch eine intensive Testphase für Cell Broadcast eingeleitet“, sagte BKK-Präsident Ralph Tiesler.

Im Gegensatz zu anderen Warnsystemen wie NINA oder Katwarn muss man keine App haben, um alarmiert zu werden. Mit dem Eintreffen des Warntextes ertönt ein lautes Tonsignal. Man muss auch keine Mitteilungs-App für das Lesen von SMS öffnen, da der Warntext ohne Zusatzanwendung auf dem Bildschirm erscheint. Aber auch Social Media und die Warn-Apps sollen am 8. Dezember Warn-Nachrichten versenden, berichtet das BKK. Medien wie Fernsehen und Radio sollen ebenfalls genutzt werden.

Cell Broadcasting
Beim Cell Broadcasting erhalten Handynutzer eine Mitteilung, die aussieht wie eine SMS. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Handys in Deutschland erhalten Warn-Ton am 8. Dezember

Anlass für die Einführung von Cell Broadcast in Deutschland waren die heftigen Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Juli 2021, bei denen es Dutzende Tote gab. Die Flutkatastrophe zeigte, dass die Warn-Apps und klassischen Sirenen nicht ausreichten, um die Bevölkerung flächendeckend vor der Gefahr zu warnen. In anderen EU-Staaten ist Cell Broadcast bereits im Einsatz.

Warntag in Deutschland: Handy klingelt am 8. Dezember

Damit die Menschen in Deutschland die Warnhinweise empfangen können, muss ein Handy oder Smartphone, das mit Cell Broadcast kompatibel ist, eingeschaltet und empfangsbereit sein. Außerdem empfangen nur Geräte mit neueren Betriebssystemen die Nachricht: Das iPhone von Apple mit den Betriebssystem-Versionen iOS 16, 15.7.1 und 15.6.1. und bei Android-Geräten ab Version 11.

Doch nicht nur die Handys werden am Warntag klingeln. Landkreise und Kommunen können außerdem entscheiden, ob sie zusätzlich noch die Sirenen oder andere Lautsprecherdurchsagen als Warnmittel anwenden. Auf denselben Wegen, die für die Probe-Warnung genutzt werden, soll auch eine Entwarnung kurze Zeit später erfolgen.

Dieses Jahr am 8. Dezember – danach soll der Warntag jedes Jahr im September stattfinden

Zukünftig soll jedes Jahr ein Warntag stattfinden, um die Akzeptanz und das Wissen der Bevölkerung in Notlagen zu verbessern. Dadurch soll sich die Selbstschutzfähigkeit im Katastrophenfall, wie beispielsweise bei Hochwasser, erhöhen. Stattfinden soll er jedes Jahr am zweiten Sonntag im September.

Zuständig für die Vorbereitung des Warntages soll auf Bundesebene das BKK sein, das auf Länderebene mit den Innenministerien und Kommunen zusammenarbeitet, die für den Katastrophenschutz zuständig sind. Zukünftig könnten Kommunikationsmittel wie die Warn-App NINA auch zur Informationsübertragung des Gesundheitsministeriums genutzt werden, beispielsweise im Corona-Pandemie-Geschehen. (Kilian Bäuml)

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