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„Katastrophe“: Viele dm-Produkte dürfen wegen Inhaltsstoff nicht mehr angeboten werden

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Von: Jason Blaschke

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In einigen deutschen Geschäften stehen Kunden derzeit vor leeren Regalen. Aldi, dm und Co. haben mit Lieferengpässen zu kämpfen.
Leere Regale in Drogerien sind nicht bloß die Folge von Lieferengpässen – auch ein neues EU-Gesetz stellt dm, Müller und Co. vor große Herausforderungen. © Robert Michael/dpa

Drogerieketten wie dm oder Müller kämpfen seit Wochen mit leeren Regalen. Grund dafür sind aber keine Corona-Hamsterkäufe, sondern ein neues Verbot.

Karlsruhe – Dass in Filialen der Drogeriekette dm* immer wieder Produkte nicht zu finden sind, ist nicht selten. Der Drogerie-Riese aus Karlsruhe nimmt in regelmäßigen Abständen Produkt-Anpassungen vor, das heißt: Neue Artikel kommen dazu, weniger von Kunden nachgefragte werden aussortiert. Ein normaler Prozess, von dem die Kunden meist wenig mitbekommen. In manchen Fällen kommt es aber vor, dass Produkt-Anpassungen für Aufregung sorgen und in den sozialen Netzwerken ein großes Thema sind, wie BW24* berichtet.

Ein aktuelles Beispiel ist der große Aufruhr wegen eines wichtigen Baby-Produkts von dm*, das nicht mehr im Vor-Ort-Sortiment verfügbar ist. Das sei nicht bloß schade, sondern für sie und ihre Tochter „eine Katastrophe“, textet eine Facebook-Userin und ergänzt, dass ihr Kind ein andere Marken nicht verträgt. Der Wirbel wegen der „Rascal + Friends“-Windeln war dermaßen groß, dass sich dm in der Debatte zu Wort gemeldet und verraten hatte, dass das Produkt online noch verfügbar ist.

Leere Drogerie-Regale bei dm und Co. – Verkaufsverbot für bestimmte Produkte

Diese Geschichte zeigt, dass schon ein einziges fehlendes Produkt für eine Menge Wirbel sorgen kann. Das lässt vermuten, dass es in absehbarer Zeit noch zu mehr solcher Debatten kommen könnte, denn: Ab März könnte eine ganze Reihe von Produkten aus den Regalen verschwinden. Der Hintergrund ist, dass der für einige Kosmetika typische Inhaltsstoff „Lilial“ – in der Fachsprache oft auch Butylphenyl Methylpropional genannt – seit 1. März EU-weit verboten ist und nicht mehr verkauft werden darf.

Namedm-drogerie markt
GründerGötz Werner
Gründung28. August 1973
CEOChristoph Werner
Tochtergesellschaftdm drogerie markt GmbH

In der Kosmetikindustrie wird der Wirkstoff wegen seiner blumigen Note gerne als Duftstoff verwendet, zum Beispiel in Kosmetika, Deos, Parfüms, Seife, Haarsprays oder Waschmitteln. Berichten der Berliner Morgenpost zufolge kommt der Inhaltsstoff sogar auch in Duschgels und Shampoos zum Einsatz. Die Formulierung „kam zum Einsatz“ trifft es aber besser, denn seit 1. März ist mit „Lilial“ in der EU Schluss. Produkte von dm, Müller und Co., die „Lilial“ enthalten, sind für Verbraucher tabu.

Drogerie-Märkte wie dm und Co. müssen „Lilial“-Produkte aus Sortiment nehmen – gefährlicher Stoff

Der synthetische Duftstoff – der vergleichbar mit dem Geruch von Maiglöckchen ist – steht im Verdacht, Allergien auszulösen und das Erbgut zu schädigen. In einer Bewertung von 2019 warnte das Beratergremium der EU-Kommission ausdrücklich vor „Lilial“ und merkte an, dass der Stoff in Form von Haarsprays oder Deos leicht in die Lunge kommen kann. Seit August 2020 wird der Duftstoff in der EU offiziell als „reproduktionstoxisch“ (fruchtbarkeitsgefährdend und fruchtschädigend) eingestuft und ist deshalb im Verkauf verboten. 

Drogerieketten wie dm oder Müller kann das vor eine große Herausforderung stellen, denn alle davon betroffenen Produkte, die im Februar nicht mehr verkauft wurden, müssen spätestens seit 1. März die Regale verlassen haben. Das führt dazu, dass in manchen Drogerien die Regale nicht gefüllt sind. Vom „Lilial“-Verbot betroffene Produkte müssen ersetzt werden. Das ist in Corona-Zeiten alles andere als einfach, denn Lieferengpässe stellen die Märkte noch immer vor große Probleme.

Verkaufsverbot bei dm: EU-Gesetz ist nicht das einzige Problem– auch Ukraine-Krieg hat Auswirkungen

„Bestimmte Markenprodukte können uns wegen Corona seit Monaten nicht mehr regulär geliefert werden. Von einigen Herstellern bekommen wir teilweise bloß noch ein Fünftel der ursprünglichen Menge“, sagt eine Müller-Mitarbeiterin der Berliner Morgenpost. Und im schlimmsten Fall sind Regale einfach leer. Ein Problem für Verbraucher, das sich mit Blick auf den Ukraine-Hintergrund* noch verschärfen könnte, denn mittlerweile reagieren auch die Einzelhändler auf Russlands Aggressionen.

Berichten von Merkur.de* zufolge boykottieren Aldi, Rewe und Co. Produkte aus Russland*, die in Deutschland nicht mehr verkauft werden – darunter bekannte Marken, die Verbraucher sicher vermissen werden. Das heißt: Kunden müssen sich aktuell auf einige Veränderungen einstellen und ihren Konsum gegebenenfalls anpassen. *BW24 und Merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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