Nervige Plagen

„Mücken werden gebraucht“: Experte erklärt, warum die Insekten so wichtig sind

  • Tobias Utz
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Mückenstiche sind im Sommer eine nervige Angelegenheit. Doch die Insekten haben einen hohen Stellenwert im Ökosystem und dürfen deshalb nicht bekämpft werden.

Frankfurt – Die Sommerzeit bringt Mückenplagen mit sich. Die Insekten treten meist in Schwärmen auf und werden von Verbrauchern oftmals als nervige Plagegeister wahrgenommen. Die Mücken besitzen jedoch eine große Bedeutung für die Umwelt. Der Fachmann Karl Graeser aus Hessen erklärt, warum die Insekten wichtig für das Ökosystem sind.

„Stechmücken werden gebraucht“, erklärt* der Biologe der Fuldaer Zeitung. Das begründet Graeser damit, dass Mücken vor allem als Futter für andere Tierarten dienen. Bereits die Larven werden zum Beispiel von Fischen und Amphibien gefressen. Sind die Mücken geschlüpft, gehören sie zur Beute von Fledermäusen oder Vögeln, so der Experte. Deshalb dürfe man die Stechmücken nicht aktiv bekämpfen, warnt er. „Würden Mücken aus dem Ökosystem verschwinden, so hätte dies für eine Vielzahl von anderen Tieren gravierende Folgen“, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Statt beispielsweise auf Pflanzen zu setzen, welche die Mücken vertreiben, sei es sinnvoller sich durch Mückengitter vor den Insekten zu schützen.

Mücken in Deutschland: „Da wird viel Unsinn betrieben“

Der Nabu warnt ebenfalls vor dem Aufstellen von elektronischen Insektenfallen auf Terrassen und Balkonen. Nicht nur Mücken, sondern auch viele andere Insekten, würden durch diese Fallen verenden, so der Nabu. Viele davon stünden auf der roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz. „Da wird viel Unsinn betrieben“, sagt Graeser – und verweist auf nächtliche Beleuchtungen in Wohngebieten, beispielsweise mit Licht geflutete Gärten.

Mücken werden meist als nervige Plagegeister wahrgenommen. (Symbolfoto)

Experten sprechen übrigens nicht von einer Mückenplage in Deutschland. „Im Grunde haben wir jetzt wieder ein ganz normales Mückenjahr“, betont Doreen Werner im Gespräch mit der FZ. Werner ist Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Auch wenn vielen Verbrauchern beim Aufenthalt im Freien das Mückenaufkommen, wie eine Plage vorkommen mag, sei das nicht der Fall, so die Expertin. Dieses Phänomen würden eher auftreten, da in die vergangenen beiden Jahre trockener und wärmer als die Jahre zuvor gewesen seien. Trockenheit und Wärme begünstigten eine schwache Vermehrung der Mücken. Das sei 2021 anders, vor allem im April und Mai seien die Bedingungen gut gewesen, so Werner. Insbesondere die Werte im Bereich Niederschlag seien für eine florierende Ausbreitung diverser Arten, wie der Wald- und Wiesenmücke, verantwortlich.

Ungeachtet der Einschätzung, dass in Deutschland keine Plage vorherscht, stechen Mücken weiterhin zu. Allerdings suchen sich die Insekten ihre „Opfer“ sehr gezielt aus. (tu) *fuldaer-zeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Stephen Dalton/Imago Images

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