Im Herbst ist die große Zeit der Pilzsammler. Doch bei der Bestimmung von Pilzen ist Vorsicht geboten. (Symbolbild)
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Im Herbst ist die große Zeit der Pilzsammler. Doch bei der Bestimmung von Pilzen ist Vorsicht geboten. (Symbolbild)

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Pilze im Herbst sammeln: Ungeübten drohen Gefahren – Besonders ein Pilz ist lebensgefährlich

  • Sebastian Richter
    VonSebastian Richter
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Die Pilzsaison hat begonnen. Viele Liebhaber suchen sich ihre Mahlzeiten auch in Hessen gerne selbst im Wald. Doch vor allem bei einer Art ist Vorsicht geboten.

Frankfurt/Hessen – Im Herbst ziehen wieder viele Sammler auf der Suche nach Pilzen in den Wald. Denn in dieser Jahreszeit sind dort die meisten Arten zu sehen. Nach einem langen erlebnisreichen Tag schmeckt das Abendessen zudem besonders gut, wenn man einen Teil der Zutaten selbst aus dem Boden gezogen hat. Doch gerade ungeübten Pilz-Sammlern drohen auch Gefahren.

In Mitteleuropa gibt es etwa 10.000 Großpilze, davon sind aber nur 200 Arten essbar, sagt Dietmar Krüger, Pilz-Experte aus Hessen von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). Etwa 150 Pilzarten sind giftig und der Verzehr von zehn Pilzarten kann sogar tödlich enden. Also ist die richtige Bestimmung der Pilze wichtig, um böse Überraschungen zu vermeiden. Hut, Lamellen, Stiel, Farbe und Fruchtlager müssen begutachtet werden.

Pilzesammeln im Herbst: Vorsicht bei der Bestimmung der Art - Experte aus Hessen klärt auf

Eine genaue Bestimmung der verschiedenen Pilzarten ist jedoch nicht immer leicht, denn: Nicht alles, was gut riecht, ist essbar und nicht alles, was stinkt, ist giftig, sagt Krüger. Außerdem ähneln sich manche Pilze stark: Vorsicht ist geboten! So kann beispielsweise der potenziell tödliche Gift-Häubling leicht mit dem genießbaren Stockschwämmchen verwechselt werden.

Gerade bei einer Pilzart muss man sehr genau auf die Bestimmung achten: Beim Knollenblätterpilz. Die gelbe Variante ist – ausreichend erhitzt – nicht giftig. Doch der grüne Knollenblätterpilz kann durchaus tödlich sein. „Der schmeckt erst gut, dann kommen extreme Magenkrämpfe und dann fängt er an, Organe zu zersetzen“, so Krüger. Diese Pilzart ist in Deutschland für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. So auch 2020 in Hessen. Damals starb ein Kind aus Frankfurt an einer Vergiftung nach dem Verzehr des Grünen Knollenblätterpilz.

Pilzesammeln in Hessen: Grüner Knollenblätterpilz kann tödlich sein

Zwischen den Jahren 2000 und 2018 wurden in Deutschland 4.400 stationäre Behandlungen und 22 Todesfälle registriert, die auf Pilzvergiftungen zurückzuführen sind, berichtet aerzteblatt.de. Ganze 90 Prozent der Todesfälle sind auf den grünen Knollenblätterpilz zurückzuführen.

Doch wie geht man auf Nummer sicher und vermeidet eine Pilzvergiftung? Nach einer sorgfältigen Bestimmung mit dem Pilzführer ist man schon einen Schritt weiter. Allerdings sind die Angaben in Pilzbüchern manchmal widersprüchlich. Deswegen hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie eine sogenannte Positivliste der Speisepilze erarbeitet, die alle Arten umfasst, die als essbar gelten. Im Zweifelsfall sollte zunächst eine kleine Menge Pilze verzehrt und abgewartet werden, ob Beschwerden auftreten.

  • Sollte es tatsächlich zum Schlimmsten Fall und einer Pilzvergiftung kommen, gibt die DGfM einige Tipps.
  • 1. Schnell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Je nach Situation sollte man zum Hausarzt gehen, eine der Gift-Notruf-Zentralen kontaktieren oder sofort ins nächste Krankenhaus fahren.
  • 2. Die Pilzreste sichern, um später die Ursache besser bestimmen zu können. Dazu können Reste des Sammelguts, vom Pilzeputzen, der Mahlzeit und eventuell sogar Erbrochenes zählen.
  • 3. Verwenden sie keine Hausmittel. Bei eine Pilzvergiftung gibt es keine vernünftigen Hausmittel, die wirklich helfen knnen. So ist Milchtrinken immer falsch, auch Salzwasser – um ein Erbrechen zu fördern – oder Kohletabletten – um Durchfälle zu lindern – können schwere Nachteile mit sich bringen. Falls der Verdacht auf eine schwerwiegende Vergiftung vorliegt und ein Krankenhaus zu weit entfernt ist, kann Medizinialkohle helfen. Falls die icht vorhanden sein sollte, und der Verzehr maximal 5-6 Stunden zurückliegt, kann man ein erbrechen durch „Finger in den Hals stecken“ erzwingen.

Hessen: Nur Pilze verzehren, die sicher bestimmt wurden

Im besten Fall sollten laut DGfM nur Pilze gesammelt werden, die man sicher kennt. Außerdem sollten keine Pilze verzehrt werden, die man erstmals bestimmt. „Erst wenn Sie sich nach wiederholter Bestimmung der Kenntnis sicher sind, können Sie an die Bratpfanne denken“, schreibt die Gesellschaft auf ihrer Website. (spr)

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