„Gefährliche Schönheit“

Giftige Pflanze verbreitet sich in Hessen – besonders gefährdet sind Kinder

  • vonSebastian Richter
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In Hessen verbreitet sich die Herkulesstaude oder auch Riesenbärenklau genannt. Wie man die giftige Pflanze erkennt und was nach Kontakt getan werden muss.

Wiesbaden – Für die meisten scheint er harmlos zu sein: Der Riesenbärenklau, auch bekannt als Herkulesstaude. Doch der Eindruck täuscht, gerade für Kinder kann die hochgiftige Pflanze gefährlich werden. Die eigentlich nicht in Deutschland heimische Pflanze breitet sich immer weiter aus. Mehrere Städte und Gemeinden in Hessen warnen vor der „gefährlichen Schönheit“.

Denn die Pflanze ist alles andere als ungefährlich. Bei Hautkontakt mit dem Riesenbärenklau kann eine Art Verbrennung ausgelöst werden. Alle Pflanzenteile enthalten das Gift Furocumarin, auch in vertrockneten Stängeln und Blüten kann die Substanz noch enthalten sein, wie ein Warnflyer des Umweltamtes Wiesbaden mitteilt.

Dieses Gift löst eine phototoxische Reaktion auf der Haut aus, das bedeutet, Sonnenlicht verstärkt die Wirkung des Toxins. Die entstehenden „Verbrennungen“ können langwierige und schlecht heilende Wunden auslösen.

Der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, wird vielerorts bekämpft. Auch in Hessen breitet sich die giftige Pflanze weiter aus.

Giftiger Riesenbärenklau breitet sich in Hessen aus besonders gefährlich für Kinder

Auch in Hessen breitet sich die Pflanze immer weiter aus. Deshalb versucht auch die Regierung in Wiesbaden dafür zu sorgen, dass die Pflanze nicht überhandnimmt. Gartenbesitzer werden aufgefordert, gegen den Riesenbärenklau vorzugehen. Auch Marburg ruft zur Entfernung der Pflanzen auf.

Das auffälligste Merkmal des Riesenbärenklau ist seine Größe. Die Pflanze kann bis zu vier Meter hoch werden. Die hohlen, purpurfarben gefleckten Stängel können einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimeter erreichen. Die riesigen, eingeschnittenen Blätter erinnern an Rhabarberblätter.

Ab Juni erscheinen weiße Blütendolden an der Pflanze, die bis zu 80 Zentimeter breit werden können. Besonders gefährdet sind spielende Kinder. Denn der dicht wachsende Riesenbärenklau eignet sich geradezu ideal zum Versteckenspielen und die hohlen Stängel bieten sich zum Basteln von Blasrohren an.

Riesenbärenklau breitet sich in Hessen aus: Giftige Staude Gefahr für Menschen und Pflanzen

Aber nicht nur für Menschen stellt die Herkulesstaude oder der Riesenbärenklau eine Gefahr dar: Die Pflanze verfügt über eine sehr effektive Samenproduktion, bei der Blüte gibt sie mehr als 10.000 Samen an die Umgebung ab und verdrängt einheimische Pflanzen. Zudem nimmt der Riesenbärenklau durch seine Größe anderen Pflanzen in ihrem Umfeld das Licht.

Gerade an Gewässerrändern fühlt sich die giftige Pflanze sehr wohl. An Ufern in Hessen verdrängt sie die typischen Gehölze, kann aber selbst mit ihren rübenförmigen Wurzeln den Boden nicht genügend festigen. Eine verstärkte Erosion ist die Folge, der Effekt verstärkt sich im Winter noch. Denn dann stirbt der Riesenbärenklau ab und macht das Gelände noch angreifbarer.

Was also tun, wenn man doch Kontakt mit einem Riesenbärenklau hatte? Das Umweltamt von Wiesbaden gibt einige Tipps zur ersten Hilfe:

  • Erste Hilfe bei Kontakt mit Riesenbärenklau/Herkulesstaude
  • Ist die Haut mit den Pflanzenteilen oder dem Pflanzensaft in Kontakt gekommen, die betroffenen Stellen sofort mit Wasser und Seife reinigen.
  • Anschließend ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen und die Sonne für zwei bis drei Tage meiden.
  • Bei einsetzenden Hautreaktionen sollte ein Arzt aufgesucht werden. 

Giftiger Riesenbärenklau im eigenen Garten? So entfernen Sie die Pflanze gefahrlos

Wenn sich die Pflanze im heimischen Garten angesiedelt hat, sollte man einige Maßnahmen ergreifen. Je früher man den Riesenbärenklau entdeckt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich noch ausbreitet. Nach der Entdeckung muss allerdings schnell gehandelt und die Pflanze so schnell wie möglich entfernen werden, bevor sie sich verbreitet.

Um Hautkontakt zu vermeiden, empfiehlt das Umweltamt Wiesbaden, lange Kleidung und Handschuhe zu tragen. Auch eine Schutz- oder Sonnenbrille wird empfohlen. Zusätzlich muss bei der Entsorgung der Pflanzenteile einiges beachtet werden:

  • Hinweise zum Entfernen von Riesenbärenklau/Herkulesstaude
  • Keine Grünabfälle in der freien Landschaft entsorgen.
  • Blüten- und Fruchtstände möglichst eintüten, damit keine Samen verstreut werden.
  • Blütendolden und Samen nicht auf den Kompost geben, sondern als Restmüll entsorgen.
  • Pflanzen im April oder Mai ausgraben, wurden bereits Massenbestände gebildet, sollte die Pflanze mit einer Folie abgedeckt werden, um eine weitere Verbreitung auszuschließen.

Der Riesenbärenklau kam im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Mitteleuropa. Seitdem verbreitet sie sich ungehemmt und verdrängt viele heimische Pflanzenarten. Die Pflanze wurde im 20. Jahrhundert als Bienenweide eingesetzt, was zusätzlich zur Verbreitung beitrug. (Sebastian Richter)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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