Onlinehändler Amazon soll die Verantwortung für gefährdende Produkte übernehmen und Rückrufe durchführen - dieser Ansicht ist eine US-Behörde./Pakete liegen in einem Logistikzentrum des Versandhändlers Amazon in einem Lkw.
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Onlinehändler Amazon soll die Verantwortung für gefährdende Produkte übernehmen und Rückrufe durchführen - dieser Ansicht ist eine US-Behörde.

Verbraucherschutz

Riskante Fehlfunktionen: US-Behörde verklagt Amazon wegen gefährlicher Produkte

  • Jennifer Greve
    VonJennifer Greve
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Manche Produkte des Onlinehändlers Amazon können eine Gefahr für den Verbraucher darstellen. Aus diesem Grund hat eine US-Behörde jetzt Klage eingereicht.

Seattle - Der US-Verbraucherschutz CPSC (Consumer Product Safety Commission) hat den Onlinehändler Amazon verklagt. Amazon soll hunderttausende gefährliche Produkte auf seiner Plattform vertrieben haben. Die Klage von CPSC zielt darauf ab, den Onlinehändler zu Rückrufen zu verpflichten.

Rückrufe sind in Deutschland gang und gäbe. Aus Gründen des Verbraucherschutzes müssen Hersteller über gefährliche Defekte oder mangelhafte Produkte informieren und betroffene Produkte unter Umständen auch zurückrufen und zurücknehmen. Händler sind nicht in derselben Weise verpflichtet. Dennoch dürfen sie solche Produkte nicht wissentlich verkaufen - etwas das Amazon in den USA getan haben soll.

Verbraucherschutz: US-Behörde will Amazon zu Rückrufen verpflichten

Der CPSC ist der Ansicht, dass Amazon den Verkauf von Produkten mit ernsthaftem Verletzungs- und Todesrisiko zugelassen habe. Das Unternehmen müsse nun rechtlich zur Verantwortung gezogen und dazu verpflichtet werden, Rückrufe für betroffene Produkte durchzuführen und eine volle Rückerstattung für sie anzubieten. Als Beispiele nannte der US-Verbraucherschutz folgende Produkte mit riskanten Fehlfunktionen:

  • 24.000 nicht-auslösende Kohlenmonoxid-Detektoren
  • 400.000 Haartrockner ohne die nötigen Schutzvorrichtungen gegen Stromschläge
  • „Zahlreiche“ nicht-feuerfeste Kindernachtwäsche

US-Behörde: Maßnahmen von Amazon zu gefährlichen Produkten reicht nicht aus

Der CPSC-Vorsitzende Robert Adler sprach davon, dass sich die Aufsichtsbehörde aktiv mit solchen Themen beschäftigen müsse: „Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie wir mit diesen riesigen Plattformen von Drittanbietern effizienter umgehen und die amerikanischen Verbraucher, die sich auf sie verlassen, am besten schützen können“, sagte Adler.

In einer internen Abstimmung stimmte der CPSC für eine offizielle Beschwerde. Adler fügte hinzu, dass Amazon zwar teilweise Maßnahmen ergriffen habe, diese aber nicht ausreichen würden. Amazon sei gesetzlich dazu verpflichtet, Verbraucher gefährdende Produkte zurückzurufen - so wie es auch in Deutschland der Fall ist.

Amazon soll Verbraucherschutz ernster nehmen und „rechtlich verantwortlich“ sein

Auf der Internetseite von Amazon informiert das Unternehmen über Produktsicherheit und -rückrufe. Laut eigener Aussage kann es dazu kommen, dass der Onlinehändler gefährdende Produkte aus seinen Produktlisten entfernt. Dann werden auch betroffene Kunden informiert, Informationen von den Herstellern eingeholt und weitere Schritte ergriffen. Letzteres könne in Form von Warnhinweisen auf den Produktseiten vonstattengehen.

Laut CPSC-Sprecher Joe Martyak wollte Amazon nicht, „dass dies als Rückruf bezeichnet wird, und sie wollten nicht als rechtlich verantwortlich für diese Produkte angesehen werden.“ Darüber informiert das US-Magazin Bloomberg. Martyak fügte hinzu, dass dies das Problem sei. Denn aus Sicht der US-Verbraucherschutzbehörde ist Amazon in der Verantwortung. (jey/reuters)

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