Im Hintergrund die Logos von Apple und Facebook, im Vordergrund Mark Zuckerberg mit erschrockenem Gesichtsausdruck.
+
Apple droht, Facebook vom App Store zu nehmen. Das Unternehmen soll Missstände auf seiner Plattform bewusst ignoriert haben.

Heftige Vorwürfe

Apple droht, Facebook wegen Menschenhandels aus dem App Store zu schmeißen

  • Zülal Acar
    VonZülal Acar
    schließen

Apple droht, Facebook aus dem App Store zu nehmen. Das Unternehmen soll Missstände auf seiner Plattform bewusst ignoriert haben.

Silicon Valley - Die Vorwürfe gegen Facebook wiegen schwer: Das Internet-Unternehmen soll gewusst haben, dass die Plattform für Menschenhandel und Sklaverei missbraucht wurde - doch unternommen habe es nichts. Das Wall Street Journal veröffentlichte jüngst Auswertungen interner Dokumente des Social-Media-Giganten - darunter etwa Präsentationen sowie Ausschnitte aus firmeneigenen Chat-Channels. 

„Wir zeigen, dass es sich nicht um einzelne Fälle von Versagen handelt, von denen das Unternehmen überrascht wurde“, wird Chefautor Jeff Horwitz von Deutschlandfunk zitiert. „Vielmehr liegt hier eine breite Akzeptanz vor. Facebook kümmert das wenig. Es wird erst aktiv, wenn ein Fall für öffentliche Aufmerksamkeit sorgt.“

Dokument: Facebook wusste von Menschenhändler-Markt

Das sechsköpfige Investigativ-Team stellte bei seiner Analyse der Dokumente fest, dass Facebook von Nutzern aus dem Mittleren Osten als Marktplatz für Menschenhandel genutzt wurde. Beispielsweise soll mit Arbeitskräften gegen deren Willen gehandelt worden sein. Viele Opfer wurden zur Hausknechtschaft gezwungen und versklavt. Die Menschenhändler sollen sich als Arbeitsagenturen ausgegeben haben, hieß es in dem Bericht vom Wall Street Journal. 

Bereits 2019 hatte die BBC über diese Fälle berichtet. Laut den internen Dokumenten soll Facebook jedoch bereits vorher von den Menschenhändlern gewusst haben. Man habe eine Maschine geschaffen, die man nicht mehr kontrollieren könne, wird ein Facebook-Manager vom „Wall Street Journal“ aus einem geleakten Protokoll zitiert.

Rache-Pornografie: Facebook schützt Prominente

Die Journalisten fanden außerdem heraus, dass Facebook das Fehlverhalten und Vergehen zahlreicher Prominenter auf der Plattform nicht nur toleriert, sondern sie sogar geschützt haben soll. Weltweit befinden sich laut Deutschlandfunk 5,8 Millionen Personen auf einer speziellen Ausnahmeliste, die intern als „Cross Check“ bezeichnet wird.

Als Beispiel hierfür wird der brasilianische Fußballer Neymar genannt. Er soll nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen sich Nacktfotos einer Frau auf dem zu Facebook gehörenden Onlinedienst Instagram veröffentlicht haben. „Mehr als 56 Millionen Menschen haben die Nacktfotos der Frau gesehen“, so Jeff Horwitz.

Obwohl in den Richtlinien der Social-Media-Plattform ein striktes Verbot für derartige Rache-Pornografie formuliert ist, soll Facebook nichts gegen die Veröffentlichungen Neymars unternommen haben, die laut eigenen Community-Regeln zumindest eine Konto-Löschung hätten nach sich ziehen müssen.

Drohung von Apple zeigt Wirkung

Nachdem Apple aufgrund der Enthüllungen damit gedroht hatte, Facebook aus dem App Store zu löschen, habe das Unternehmen von Zuckerberg nun reagiert. „Facebook hat mehr als 100.000 Inhalte innerhalb weniger Tage gelöscht. Ich halte das für bemerkenswert, dass das Unternehmen erst aktiv wird, wenn sein Geschäftsmodell bedroht wird“, wird Jeff Horwitz von Deutschlandfunk zitiert. *FNP ist ein Angebot von IPPEN.Media.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare