Pandemie

Corona-Impfung: Wer demnächst eine dritte Dosis braucht – und wer nicht

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
    schließen

Die Inzidenzen in Hessen steigen. Ist eine dritte Impfung sinnvoll im Kampf gegen die Corona-Pandemie?

Frankfurt ‒ Die Corona*-Pandemie ist noch nicht überwunden. Seit einigen Wochen steigen die Fallzahlen in Hessen* und Deutschland wieder rapide an. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Hessen am Dienstag (31.08.2021) durchschnittlich bei 76,1. Zu Beginn des Monats, am 1. August, lag der Wert landesweit noch bei 18,6. Den Tiefstwert in diesem Sommer erreichte die Inzidenz am 30. Juni mit 7,6. Die Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind sich sicher: Die vierte Welle hat begonnen. Die Schutzimpfung gegen das Virus ist Wissenschaftlern zufolge immer noch das beste Mittel, um diese Welle möglichst glimpflich hinter sich zu bringen.

Virologe Martin Stürmer aus Frankfurt* erklärte im Interview mit dem Hessischen Rundfunk, dass die Zahlen vor allem deshalb steigen, weil das Virus primär diejenigen befalle, die nicht geimpft seien: „Das Virus sucht sich jetzt den Weg des geringsten Widerstandes“. Insgesamt sind in Hessen aktuell fast 65 % der Bevölkerung vollständig geimpft (Stand 31. August).

Während in Hessen gerade knapp 58 Prozent der Menschen vollständig geimpft sind, wird bereits über eine dritte Corona-Impfdosis diskutiert. Ein Experte erklärt, für wen das infrage kommt.

Corona in Hessen: Vor allem junge Menschen von Infektionen betroffen

Von der Ausbreitung des Coronavirus in den letzten Wochen sind daher vor allem junge Menschen betroffen, die sich bisher nicht impfen lassen konnten oder wollten. Gleichzeitig wächst auch die Sorge, dass Covid-19 auch Risikopatienten wieder stärker befällt, da es Anzeichen dafür gibt, dass der Impfschutz nach einiger Zeit nachlässt. Deshalb wächst nun die Debatte um eine dritte Corona-Impfung - und wer sie bekommen sollte.

Dritte Corona-Impfung: Bayern prescht bei Auffrischung nach vorne

Bayern hat als Vorreiter in Deutschland bereits am 16. August begonnen, Drittimpfungen zu verabreichen. Vor allem Menschen, die bei einer Coronavirus-Infektion ein höheres Risiko haben, schwer zu erkranken. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich Anfang August eigentlich darauf verständigt, dass eine dritte Impfdosis erst ab September verabreicht werden soll. Obwohl alle in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffe nach Einschätzung der Wissenschaftler einen sehr hohen Schutz gegen das Corona-Virus Sars-CoV-2 bieten, ist nach wie vor unklar, wie lange dieser Schutz tatsächlich anhält.

Um sie vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen, haben die Gesundheitsminister festgelegt, dass zunächst vor allem älteren Menschen ab 80 Jahren, Pflegebedürftige und Menschen mit Immunschwäche eine dritte Corona-Impfung erhalten sollen. Auch, weil diese Gruppen zu Beginn der Impfkampagne in Deutschland zuerst dran waren und ihre Zweitimpfung daher schon einige Monate zurückliegt. Die Auffrischung soll demnach frühestens sechs Monate nach der erstmaligen Herstellung des vollständigen Impfschutzes – vierzehn Tage nach der Zweitimpfung – erfolgen. Angewendet werden nur die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Auch bei Personen, die den vollständigen Impfschutz zunächst durch einen Vektor-Impfstoff, wie beispielsweise Astrazeneca erhalten haben.

Corona-Impfung: Wer sollte eine dritte Impfdosis von Biontech oder Moderna erhalten?

Auch Bayern hält sich bei seiner Auffrischungskampagne an die Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach sollen alte Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder einer Behinderung, Krebs- und Rheumapatienten, Patienten nach einer Organtransplantation und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen dort nun zum dritten Mal geimpft werden. Bei jüngeren und und vor allem gesunden Menschen gehen Fachleute derzeit allerdings davon aus, dass der Impfschutz durch zwei Dosen, beziehungsweise einer beim Impfstoff von Johnson&Johnson, vorerst ausreicht, um sie vor einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 zu schützen.

Ähnlich sieht es auch der Frankfurter Virologe Stürmer. Im Interview mit dem HR erklärt er, dass diejenigen die zuerst geimpft wurden wohl bald eine Auffrischung brauchen werden, um beispielsweise auch gegen aggressive Mutationen wie die Delta-Variante geschützt zu sein. „Das ist aber auch erst mal die einzige Gruppe, für die ich die dritte Impfung auch wirklich empfehlen würde. Für alle anderen Menschen würde ich sagen, wir warten, bis die Wissenschaft eindeutige Zahlen hat, wann wer wie und wo nachgeimpft werden müsste“, erklärte der Fachmann.

Dritte Corona-Impfung in Hessen: Forderungen nach Auffrischung bei Erziehern werden laut

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bislang noch keine Empfehlung für die sogenannte „Booster-Impfung“ ausgesprochen. Stiko-Chef Mertens hatte bereits Anfang August betont, dass sich das Gremium intensiv mit der Frage Auffrischungsimpfung gegen Corona beschäftige. Die Datengrundlage reiche allerdings noch nicht aus, um eine klare Empfehlung auszusprechen. Das RKI hingegen empfiehlt die „Booster-Impfungen“ bereits seit Ende Juni für Ältere und Risikogruppen. Man müsse für den Herbst gut vorbereitet sein, teilte das Institut mit.

Neben den Risikogruppen werden auch bereits wieder Forderungen nach einer Auffrischungsimpfung für besonders gefährdete Berufsgruppen laut. So fordert beispielsweise die Gewerkschaft für Erziehung und Wissen, dass Erziehende in Kitas im Herbst eine Drittimpfung erhalten sollen. (iwe) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare