Schul-Motto: „Maske auf und durch“

Corona: Neue Lauterbach-Warnung - gefährden Behörden die Gesundheit von Kindern?

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor einem Fehler in der Corona-Politik. Ausgerechnet die Schule könne im Herbst und Winter zum „Superspreading-Event“ werden.

Düsseldorf - Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland steigt weiter an und auch die Zahl der innerdeutschen Risikogebiete nimmt zu. Viele Experten fürchten einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit und erwarten einen heftigen Corona-Winter. So auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er warnt insbesondere vor dem Präsenzunterricht an Schulen, der möglicherweise zu einem „Superspreading-Event“ werden könnte.

Corona: Lauterbach warnt vor Präsenzunterricht an Schulen

Lauterbach, der selbst Epidemiologe ist, warnte zuletzt davor, „quasi ganz Deutschland“ könne Risikogebiet werden. In einem Gespräch mit der Rheinischen Post plädiert er nun dafür, mehr Kraft für die Bekämpfung der Ursachen der steigenden Corona-Zahlen aufzuwenden. Dabei kritisierte der SPD-Politiker insbesondere das Vorgehen an Schulen.

„Die Schulen folgen wegen fehlender Konzepte der Kultusministerien dem Motto: ‚Maske auf und durch‘“, erklärte Lauterbach. „So gefährden die zuständigen Behörden unter Umständen die Gesundheit der Schüler, Lehrer und Eltern und riskieren immer weiter steigende Infektionszahlen, weil Schüler das Virus genauso wie Erwachsene weitergeben können“, mahnte der Gesundheitsexperte weiter. Der Präsenzunterricht könne so zum „Superspreading-Event“ im Herbst und Winter werden, führte der SPD-Politiker weiter aus.

Corona: Experte Lauterbach fordert entschlackten Lehrplan für das aktuelle Schuljahr

Lauterbach schlug vor, den Unterricht an allen Schulen für einen Teil der Schüler morgens und für den anderen Teil mittags beginnen zu lassen. „Dafür braucht es einen entschlackten Lehrplan für das laufende Schuljahr, in dem manche Fächer ausnahmsweise nicht unterrichtet werden müssen oder nur noch virtuell“, erklärte der Experte. So könne man überfüllte Klassenräume und Stoßzeiten an den Schulen verhindern. Zudem würde das Risiko für Ansteckungen* beispielsweise in Bussen und Bahnen gesenkt.

Lauterbach: „Es ist nicht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr Kinder und Jugendliche impfen können“

Auch zum Thema Impfstoff* äußerte sich der Epidemiologe. Erwartungen, wonach junge Menschen zum selben Zeitpunkt wie Erwachsene gegen das Coronavirus* geimpft werden könnten, dämpfte Lauterbach deutlich. „Es ist nicht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr Kinder und Jugendliche impfen können“, berichtete der SPD-Politiker. Kinder und Jugendliche seien nicht Teil laufender Studien*. Daher könne ein möglicher Impfstoff für junge Menschen nicht zugelassen werden, erklärte Lauterbach.

Der Druck auf die Schulen, ihre Unterrichtspraxis radikal umzustellen, sei dadurch erhöht. Lauterbach sagte voraus: „Mit Corona müssen die Schulen das ganze Schuljahr 2020/2021 kämpfen.“ Ein weiteres Problem sieht der Gesundheitsexperte, mit Blick auf die anstehenden Herbstferien, im uneinheitlichen Umgang der Bundesländer mit Reisenden aus innerdeutschen Risikogebieten. Er halte die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Länder für „unverständlich und nicht praktikabel“.

Lauterbach erklärte, er erwarte ein absurdes Chaos, weil die Zahlen an immer mehr Orten steigen werden und sich zum Teil nur wenig unterscheiden werden. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

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