Wandel zur Kinderkrankheit?

Studie zu Corona: Warum in Zukunft besonders Kinder vom Virus betroffen sein könnten

  • Matthis Pechtold
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Viele Fachleute sind sich sicher: Das Coronavirus wird bleiben. Eine neue Studie prognostiziert, dass sich Covid-19 langfristig zu einer Kinderkrankheit entwickelt.

Frankfurt – Immer mehr Experten schätzen, dass Sars-CoV-2 endemisch, also heimisch werden wird. Mit einer Art ewigen Pandemie wäre das jedoch nicht gleichzusetzen: Denn je mehr Menschen sich gegen Corona* impfen lassen oder nach Infektion einen Immunschutz aufgebaut haben, desto besser schützt uns die sogenannte Grundimmunität. Dann werden es vor allem saisonale Schwankungen ein, während der sich das Virus phasenweise schneller oder langsamer verbreitet. Einer wissenschaftlichen Modellprognose zufolge könnte Corona dann eine Bevölkerungsgruppe besonders betreffen: Kinder.

Wissenschaftler um Ottar Bjornstad von der Pennsylvania State University und Ruiyun Li von der Universität Oslo haben berechnet, wie sich das Infektionsgeschehen verlagern könnte, wenn die meisten Menschen zumindest zeitweise gegen das Virus immun sind. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in einem bereits publizierten Fachaufsatz. Demnach werden es dann in erster Linie Kinder sein, die sich mit Corona infizieren – solange es für sie keinen geeigneten Impfstoff gibt. Hierzulande können sich Minderjährige erst ab dem 12. Lebensjahr impfen lassen*, zugelassen dafür sind die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Da eine Covid-19-Erkrankung bei Kindern in den meisten Fällen harmlos verläuft, würde diese Verlagerung insgesamt eine Entlastung bedeuten. „Es gibt klare Anzeichen für einen mit dem Alter zunehmenden Schweregrad und eine höhere Sterblichkeit“, heißt es seitens des leitenden Autors Bjornstad laut dem Spiegel.

Neue Studie zum Coronavirus: Langfristig könnten sich in erster Linie Kinder infizieren

Dass die modellierte Entwicklung realistisch ist, machen die Fachleute an der Karriere anderer, ehemals gefährlicher Erreger fest. So würden Genanalysen nahelegen, dass das Coronavirus HCoV-OC43, das Ende des 19. Jahrhunderts für eine Grippe-Epidemie in Asien und Russland gesorgt hat, heute ein mildes Erkältungsvirus ist – das hauptsächlich Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Monaten betreffe.

Haben die meisten Erwachsenen eine Grundimmunität gegen Corona entwickelt, könnten sie von Covid-19 in Zukunft am ehesten betroffen sein: Kinder.

»Bei vielen infektiösen Atemwegserkrankungen steigt die Prävalenz in der Bevölkerung während einer neuen Epidemie sprunghaft an, geht dann aber in einem abnehmenden Wellenmuster zurück, wenn sich die Infektion auf ein endemisches Gleichgewicht zubewegt«, sagt Erstautorin Li dem Spiegel zufolge.

Diese Entwicklung setzt aber nicht nur voraus, dass sich in näherer Zukunft weitere Menschen gegen das Virus impfen lassen oder durch eine Infektion Immunschutz aufbauen, sondern auch, dass dieser Schutz von Dauer ist. Studienergebnisse würden aber eher darauf hindeuten, dass zumindest eine Infektion nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum vor einer erneuten Erkrankung schützt. In Deutschland beispielsweise gelten Menschen bis zum sechsten Monat nach der Infektion als genesen. Wie lange Impfstoffe schützen, ist noch nicht ausreichend erforscht, ebenso der Effekt von Auffrischungsimpfungen.

Covid-19 als Kinderkrankheit? Prognose mit einigen Voraussetzungen

Offen ist außerdem, wie das Virus selbst weiter mutiert. „Wir kennen ihn noch nicht gut genug, um einschätzen zu können, wie viel Entwicklungspotenzial vielleicht noch vorhanden ist“, erklärt der Epidemiologe André Karch von der Universität Münster gegenüber dem MDR. Wichtig sei jetzt erst mal, überall auf der Welt genügend Impfstoff bereitzustellen, sodass es möglichst wenige Gelegenheiten zur Herausbildung von Varianten gibt. (mp) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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