Ein Elektroauto steht an einer Ladesäule.
+
Ein Elektroauto steht an einer Ladesäule.

Elektromobilität

Erstmals E-Auto-Batterien produziert, die in fünf Minuten aufladen

  • Ines Alberti
    VonInes Alberti
    schließen

E-Autos schrecken noch immer viele Menschen ab. Preis und Batterielaufzeit sind zwei der Gründe. Die Ladezeit soll mit schnell ladenden Batterien bald nicht mehr dazugehören.

Herzliya - Kurz zur Tankstelle fahren, den Zapfhahn ins Auto hängen und nach wenigen Minuten wieder mit vollem Tank unterwegs sein - in Sachen Schnelligkeit beim Tanken können Elektroautos einfach nicht mit Verbrennern mithalten. Jedenfalls bis jetzt. Erstmals wurden nun E-Auto-Batterien entwickelt, die innerhalb von fünf Minuten komplett aufgeladen werden können.

Die neuen Lithium-Ionen-Batterien wurden von der israelischen Firma StoreDot entwickelt und in China produziert, wie die britische Tageszeitung „Guardian“ berichtet. Es ist nicht der erste schnell ladende Akku, der aus dem Hause StoreDot kommt. Bereits in Smartphones, Drohnen und Rollern kommen sie zum Einsatz. Die 1.000 Batterien, die das Unternehmen in China hat herstellen lassen, sollen jetzt Autoherstellern und anderen Firmen vorgeführt werden. Wie der „Guardian“ schreibt, haben unter anderem Daimler und Samsung bereits in das Unternehmen investiert, wodurch 130 Millionen US-Dollar zusammenkamen.

E-Autos: Angst, dass Batterien nicht für lange Strecken reicht

Schnell ladende Batterien könnten ein wichtiger Schritt sein, um E-Autos für Verbraucher attraktiver zu machen. Denn viele Autofahrer fürchten, dass der Akku nicht für lange Strecken geeignet ist und sie unterwegs stundenlang warten müssen, bis die Batterie wieder voll ist. Vorausgesetzt, die Infrastruktur gibt überhaupt eine Ladesäule her. Denn in Frankfurt zum Beispiel sind Ladestationen für E-Autos* Mangelware (fnp.de berichtete). Vor diesem Hintergrund könnte ein voller Akku innerhalb von fünf Minuten E-Autos zum großen Durchbruch verhelfen.

„Das größte Hindernis für die Einführung von Elektrofahrzeugen sind keine Kosten mehr, sondern Reichweitenangst“, sagte Doron Myersdorf, CEO von StoreDot, dem „Guardian“. „Sie haben entweder Angst, auf der Autobahn stehenzubleiben, oder Sie müssen zwei Stunden lang an einer Ladestation sitzen. Aber wenn die Erfahrung des Fahrers genau wie das Tanken [eines Benzinautos] ist, verschwindet diese ganze Angst. “

Schnell ladende E-Auto-Batterien: Geeignete Steckdosen fehlen

Der Haken an der Sache: Herkömmliche Steckdosen sind nicht auf diese Leistung ausgelegt, sie müssten viel leistungsstärker sein. Mit den derzeit gebräuchlichen Steckdosen soll es erst 2025 möglich sein, die StoreDot-Batterien in fünf Minuten für eine Kapazität von etwa 160 Kilometern aufzuladen. „Der Engpass beim extraschnellen Laden ist nicht mehr der Akku“, sagte Myersdorf. Jetzt müssten die Ladestationen und Netze, die sie versorgen, aufgerüstet werden.

Bei der Batterie von StoreDot handle es sich außerdem nicht mehr um einen Laborprototypen, sondern um „technische Muster aus einer Massenproduktionslinie“, sagte Myersdorf. „Dies zeigt, dass es machbar und kommerziell einsatzbereit ist.“ Batterien wie diese werden in drei Jahren für den Massenmarkt verfügbar sein, schätzt Professor Chao-Yang Wang vom Batterie- und Energiespeichertechnologiezentrum der Pennsylvania State University in den USA gegenüber der Zeitung. „Sie werden nicht teurer sein, tatsächlich ermöglichen sie den Autoherstellern, die Bordbatterie zu verkleinern und gleichzeitig die Reichweitenangst zu beseitigen, wodurch die Fahrzeugbatteriekosten drastisch gesenkt werden.“

Auch Tesla arbeitet an schnell ladender E-Auto-Batterie

StoreDot benutzt für die schnell ladenden Batterien statt Graphit Nanopartikel aus Germanium als Elektrode. Langfristig soll aber mit Silizium gearbeitet werden. Denn in der Variante mit Graphit kommt es vor, dass bei schneller Ladung die Ionen verstopfen und die Batterie kurzschließen können. Das israelische Unternehmen ist nicht das einzige, das gerade an einer Lösung für E-Auto-Batterien arbeitet. Auch Elon Musks Unternehmen Tesla*, Enevate und Sila Nanotechnologies sind bereits in dem Feld unterwegs. (ial) *fnp.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare