Aus für Wattestäbchen, Strohhalme & Co.

EU-Verbot von Einweg-Plastik soll Umwelt entlasten - so sieht es in der Praxis aus

  • Zülal Acar
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Seit 3. Juli ist der Verkauf von Wegwerfprodukten aus Kunststoff EU-weit verboten. Doch in der Praxis hakt es noch an einigen Stellen.

Brüssel - Die Menschheit und mit ihr die Erde haben ein Plastikproblem. Und das ist gewaltig: Plastik macht immerhin drei Viertel des weltweiten Ozeanmülls aus. Wie WWF berichtet, sind das jährlich 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Kunststoff, die in die Meere geschwemmt werden. Seit der Pandemie hat sich der Verbrauch sogar noch gesteigert: Das Geschäft von Essenslieferdiensten boomt, weshalb auch mehr Verpackungen benötigt werden.

Höchste Zeit also, dass sich etwas ändert. Die EU hat deshalb beschlossen, dass seit 3. Juli keine Wegwerfprodukte aus Kunststoff mehr verkauft werden dürfen. Wattestäbchen, Strohhalme, Plastikbesteck und Co. müssen von Herstellern ersetzt werden.

Plastikbesteck-Verbot: Hersteller umgehen Regeln

Das Aus für Plastikbesteck soll die Umwelt entlasten. So sieht es in der Praxis aus.

Es gibt unzählige Beispiele, die verdeutlichen, wie viel unnötiger Verpackungsmüll* im Alltag zum Einsatz kommt. Eigentlich soll das kürzlich in Kraft getretene EU-Verbot den Planeten entlasten, doch in der Praxis hakt es anscheinend noch bei der Umsetzung, wie in ein Video aus der Redaktion von Merkur.de* zeigt.

Darin wird als Beispiel ein Fertig-Salat aus dem Supermarkt exerziert. Wie sich zeigt, ist dieser mehrfach von Kunststoff umgeben: Plastikschale, Plastik-Deckel, Plastik-Dressing-Tüte - selbst die einzelnen Salat-Zutaten sind penibel genau via Kunststoff-Schälchen voneinander getrennt. Grotesker Tiefpunkt des Plastik-Rauschs stellt jedoch die beigelegte Gabel dar. Da das Besteck laut Gesetz nämlich nicht mehr aus Plastik bestehen darf, wurde diese aus Holz gefertigt.

Das Verbot gilt jedoch nur für die Gabel selbst - nicht aber für deren Verpackung. Der Hersteller hielt es daher anscheinend für eine gute Idee, die Regeln zu umgehen, und zu altbewährten Mitteln zurückzugreifen. Die Holzgabel schweißte er daher ganz legal in Kunststoff ein. Absurd, denn somit entspricht sie zwar den geltenden Richtlinien, weil sie kein Wegwerfprodukt aus Plastik ist. Sie erzeugt allerdings trotzdem den Plastik-Müll, der durch die EU-Regeln doch eigentlich vermieden werden soll.

Viele Ausnahmen beim Einwegplastik-Verbot

Vom Einwegplastik-Verbot sind jedoch auch einige Produkte ausgenommen. Dazu zählen Tampons, Binden, Feuchttücher oder Zigarettenfilter. Zudem müssen alle weiteren Produkte mit einem Warnhinweis für Wegwerfplastik („Produkt mit Kunststoff“) versehen werden, für die es noch keine umweltfreundliche Alternative gibt. Auch Einweg-Getränkebecher, die etwa für Kaffee to go genutzt werden, sind vom neuen Verbot ausgenommen. Obwohl laut Bundesumweltministerium pro Stunde rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke in Deutschland verbraucht werden. *FNP und Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.Media.

Rubriklistenbild: © Screenshot Video merkur.de

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