Ein falsches Gewiss mit der metallenen Kiefersperre, die an zwei Backenzähnen montiert ist.
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Eine Kiefersperre soll kurzfristig dabei helfen, Gewicht zu verlieren.

Unethisch?

„Foltergerät“ - Magnetische Kiefersperre gegen Fettleibigkeit erntet Shitstorm

  • Claire Weiss
    VonClaire Weiss
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Die University of Otago stellt eine Abnehmvorrichtung vor und preist diese als bahnbrechend an. Doch Twitter-Nutzer sind außer sich.

Was eine sensationelle Entdeckung sein sollte, löst im Netz einen wahren Shitstorm aus. Forscher aus Otago und Großbritannien haben eine Vorrichtung zur Gewichtsabnahme entwickelt und präsentieren diese auf Twitter. Die „Weltneuheit“ soll dabei helfen, „die globale Adipositas-Epidemie zu bekämpfen“. Das metallische Gerät wird oben und unten jeweils an einem Backenzahn befestigt. Durch Magnete wird der Kiefer dann „gesperrt“. Der Mund lässt sich lediglich noch zwei Millimeter öffnen - feste Lebensmittel zu sich zu nehmen ist also unmöglich. Der Träger dieser Vorrichtung ist also gezwungen, sich von Flüssigkeiten zu ernähren. Im Netz wird die magnetische Kiefersperre heftig diskutiert und von vielen als „mittelalterliche Foltermethode“ bezeichnet.

University of Otago preist magnetische Kiefersperre als „Weltneuheit“ an

Der „DentalSlim Diet Control“ - so wurde die Vorrichtung benannt - soll einige Vorteile mit sich bringen. So ist die Kiefersperre anders als ein Magenband oder eine Magenverkleinerung nicht mit einer Operation verbunden und nicht für immer. Die Teilnehmer einer Studie verloren in zwei Wochen durchschnittlich 6,36 kg, heißt es. In dieser Zeit nahmen die Probanden lediglich Flüssignahrung zu sich.

Die Vorrichtung schränke weder das Sprechen noch die Atmung ein. Doch zahlreiche Twitter-Nutzer kritisieren, dass die Kiefersperre durchaus gefährlich werden könnte. Sollte sich der Träger nämlich plötzlich übergeben müssen, könnte er an seinem eigenen Erbrochenen ersticken. Der „DentalSlim Diet Control“ könne in solchen Notfällen laut Professor Paul Brunton jedoch vom Träger gelöst werden.

Twitter-User zerreißen die Kiefersperre im Netz

Das ist aber nicht das einzige, was Twitter-User kritisieren. „Die Tatsache, dass Professor Paul Brunton als erstes Symptom der Fettleibigkeit ‚Peinlichkeit‘ auflistet, ist für mich Beweis genug, dass er nicht nur sein Thema kläglich missversteht, sondern auch, dass es ihm in erster Linie um Ästhetik geht, nicht um Gesundheit“, beschwert sich eine Nutzerin. Die Abnehmerfolge seien zudem nur kurzfristig. Denn sobald die Vorrichtung entfernt wird, ist es wahrscheinlich, dass Patienten in alte Muster zurückfallen.

In den 80er Jahren gab es bereits ähnliche Methoden, den Kiefer durch Drähte zu versperren. In der Studie heißt es dazu: „Erbrechen brachte die Gefahr des Erstickens mit sich und nach 9 bis 12 Monaten entwickelten die Patienten Zahnfleischerkrankungen. In einigen Fällen gab es anhaltende Probleme mit der Einschränkung der Kieferbewegung und einige entwickelten akute psychiatrische Zustände.“

Deshalb soll die Vorrichtung auch lediglich zwei bis drei Wochen am Stück getragen werden. Nach einer Pause können Patienten sich den „DentalSlim Diet Control“ dann wieder einsetzen lassen, um mit der Behandlung fortzufahren. „Es ist ein hartes Stück Arbeit. Patienten, die das wirklich wollen, müssen engagiert sein“, gibt Professor Paul Brunton zu.

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