Kein fließendes Wasser, kein Strom: Nach dem verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz und NRW haben die Opfer der Flutkatastrophe mit der teils vollkommen verstörten Infrastruktur zu kämpfen. Unterstützt werden sie vom Technischen Hilfswerk (THW) - doch Querdenker attackieren die Einsatzkräfte.
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Kein fließendes Wasser, kein Strom: Nach dem verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz und NRW haben die Opfer der Flutkatastrophe mit der teils vollkommen verstörten Infrastruktur zu kämpfen. Unterstützt werden sie vom Technischen Hilfswerk (THW) - doch Querdenker attackieren die Einsatzkräfte.

Hochwasser-Katastrophe in Deutschland

Flutgebiete: Querdenker stiften Unruhe - Ehrenamtliche des THW mit Müll beworfen und beschimpft

  • Diana Rissmann
    VonDiana Rissmann
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THW-Mitarbeiter werden in den Hochwasser-Gebieten in NRW und Rheinland-Pfalz attackiert - vornehmlich wohl aus der „Querdenker“-Szene.

Kassel - Es sind Szenen, die unvorstellbar klingen: Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) haben in den Hochwassergebieten aktuell nicht nur mit Schlamm und Schutt zu kämpfen, sondern auch mit Angriffen und Beleidigungen. „Wenn sie mit Einsatzfahrzeugen unterwegs sind, werden sie mit Müll beschmissen“, sagte THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“ am Samstag.

„Das geht dann so weit, dass unsere Helferinnen und Helfer beschimpft werden“. An einigen Einsatzorten seien THW-Mitarbeiter im Einsatz Menschen gefilmt worden, die sich nicht als Pressevertreter zu erkennen gegeben hätten.

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Zum Schutz hätten THW-Einsatzkräfte zum Teil ihr Namensschild entfernt, sagte Lackner RTL/ntv weiter. „Das ist sehr, sehr bedauerlich und belastet unsere Einsatzkräfte.“ Bislang haben die Helfer wegen der Vorfälle aber noch keinen Einsatz abgebrochen. „Ich bin unseren Einsatzkräften unendlich dankbar, dass sie recht unerschrocken weitermachen“, so Lackner gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Psychisch sei die Situation für die vielen Ehrenamtlichen in den Hochwasser-Gebieten allerdings äußerst belastend.

Hochwasser-Katastrophe in Deutschland: Querdenker attackieren Einsatzkräfte des THW

Hinter den Angriffen würden einige wenige frustrierte Hochwasser-Opfer, vor allem aber Menschen aus der Querdenker- und der sogenannten Prepper-Szene stecken, die sich als Betroffene ausgäben und bewusst Stimmung machten, beklagte Lackner gegenüber der Presseagentur AFP. Prepper sind Menschen, die sich mit allerlei Vorrat und Ausrüstung für etwaige Katastrophen ausrüsten.

Video: THW sieht kaum noch Chancen für Vermisste nach Hochwasser-Katastrophe

Die Zahl der Toten wird aktuell mit mindestens 170 angegeben. Aus Rheinland-Pfalz wurden bis Dienstag (20.07.2021) 122 und aus Nordrhein-Westfalen 48 Unwetter-Tote bestätigt. Doch zahlreiche Menschen werden noch vermisst - allein im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz wird derzeit noch nach etwa 155 Menschen gesucht.

Nach Hochwasser-Katastrophe: THW bereitet sich auf langen Einsatz vor

Auch die Suche nach den Vermissten gehört zur Aufgabe des THW: „Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller“, sagte Lackner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten.“

Laut der THW-Vizepräsidentin haben derzeit rund 30.000 Menschen in den Hochwasser-Gebieten kein Trinkwasser, keinen Strom oder müssen sogar auf beides verzichten. Das THW bereitet sich demnach auf einen längeren Einsatz vor. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir noch einige Wochen vor Ort sein werden.“

Ebenfalls für Ärger in den Flutgebieten sorgen aktuell Betrüger: Fake-Elektriker versuchen Hochwasser-Opfer mit horrenden Rechnungen abzuzocken. Für Aufsehen sorgte auch ein Video aus dem Flutgebiet: Zu sehen ist eine RTL-Reporterin, die sich vor dem Dreh absichtlich mit Schlamm beschmierte. (dir mit AFP) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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