Deutschland braucht mehr als 160 Millionen Dosen

Corona-Impfung in Deutschland: Details zu Spahn-Plan durchgesickert

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Das Corona-Jahr 2020 könnte mit den ersten Impfungen gegen das heimtückische Virus enden. Nun sind wichtige Details zum genauen Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn durchgesickert.

  • Seit einem Dreivierteljahr setzt das neuartige Coronavirus der Weltbevölkerung zu.
  • Nun gibt es die ersten Impfstoffe, die Abhilfe schaffen sollen.
  • In Deutschland wird an einem klaren Impf-Plan gearbeitet - Details kommen bereits an Tageslicht.

München - Monatelang wurde nach einem Impfstoff geforscht, der vor dem Coronavirus Sars-CoV-2* schützt. Mittlerweile gibt es Licht am Ende des Tunnels. Zwei sehr vielversprechende Varianten haben nach erfolgreich durchlaufenen Testphasen die Zulassung erhalten: Der Wirkstoff vom Mainzer Pharmaunternehmen Biontech* und dessen US-Partner Pfizer hat eine Schutzwirkung von herausragenden 90 Prozent, der des US-Konzerns Moderna überbietet dieses Resultat mit 94,5 Prozent sogar noch.

Wie seit Anbeginn der Corona-Pandemie gilt auch nun: bloß keine Zeit verlieren! Deshalb arbeitet das Gesundheitsministerium fieberhaft an einem umfassenden Impfplan. Immerhin sollen schon im Dezember erste Dosen parat sein - für viele Bürger wohl das schönste Weihnachtsgeschenk*. Entsprechend wäre mit einem Ansturm auf das Medikament zu rechnen - doch alles soll in geregelten Bahnen ablaufen.

Vorbildlich: Gesundheitsminister Jens Spahn tritt öffentlich nur noch mit Mund-Nasen-Schutz auf.

Impfstoff gegen Coronavirus: 60 Standorte für Verabreichung sind geplant

Wie, das will die Bild erfahren haben, die von einem 24-seitigen Papier aus dem Haus um Gesundheitsminister Jens Spahn berichtet (Artikel hinter einer Bezahlschranke). Das Blatt habe einen Entwurf vom 11. November einsehen können, der auch unter den Ministerpräsidenten diskutiert werden soll. Insgesamt seien bundesweit 60 Standorte für Impfzentren geplant, jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt solle über zumindest eines verfügen.

Priorität hätten dabei die Risikogruppen, zu denen Spahn zufolge 40 Prozent der Bundesbürger zählen. Danach kommt das medizinische Personal in den Genuss der Impfung, noch vor weiteren wichtigen Berufsgruppen wie Polizisten, Lehrer oder Erzieher. Anschließend sei die übrige Bevölkerung an der Reihe. Es heißt, Europa habe sich mehr als eine Milliarde Impfdosen gesichert - von vier verschiedenen Konzernen.

Impfstoff gegen Coronavirus: Drei Phasen der Bereitstellung in Deutschland

Der Spahn-Plan verfolgt für Deutschland das Ziel, bereits im Jahr 2021 „eine hohe Durchimpfungsrate“ zu erreichen. Was auch immer das genau heißen mag. Es werde in drei Impfphasen unterschieden. In 1a und 1b - wenn „wenig“ bzw. „mehr“ Impfstoff zur Verfügung steht - sollen die Menschen in Impfzentren immunologisiert werden. In Phase 2 sei dann der „Impfstoff großflächig verfügbar“ - für diese Zeit sollen „ärztliche Einrichtungen, niedergelassene Ärzte, Betriebsärzte“ genannt werden.

Der Fokus des Papiers liegt auf der Ausstattung der Impfzentren und dem genauen Vorgehen. Empfohlen werde hierfür auch die Nutzung von Turn-, Messe- und Konzerthallen sowie Kirchen. Ein Nachteil von temporären Unterkünften wie Zelten oder Baucontainern sei, dass in der Winterzeit in allen Impfräumen eine Heizmöglichkeit gewährleistet werden müsste. Dennoch werden auch die sogenannten „mobil aufbaubaren Strukturen“ als Möglichkeiten in Erwägung gezogen.

Impfstoff gegen Coronavirus: Es soll Einbahnstraßen in den Zentren geben

Als Voraussetzung für die Impfzentren werde festgelegt, dass diese gut erreichbar, gesichert und mit abschließbaren Räumen ausgestattet sein sollen. Hier werden als Beispiel „Materiallager mit Ultratiefkühl-Möglichkeit für Impfstoffe“ genannt. Die Zentren sollen über Check-In und Check-Out verfügen, so dass Einbahnstraßen mit festgelegten Stationen gewährleistet würden.

Schon vor dem Eingang werde „geschultes Sicherheitspersonal“ jeden Impfkandidaten auf Erkältungssymptome überprüfen. Gegebenenfalls könne mit einem Stirnthermometer Fieber gemessen werden. Personen mit Corona-Symptomen* werde der Zutritt verwehrt. Außerdem gelte generell: Ohne Termin komme niemand in die Zentren. Wegen Niederschlag oder Kälte müsste gewährleistet werden, dass die Warteschlangen „wettergeschützt“ seien.

Impfstoff gegen Coronavirus: Ein Arzt kann am Tag bis zu 96 Menschen impfen

Die Zentren selbst sollen mit „Corona-gerechten Wartezimmern“ ausgestattet sein, alle Räume müssten beheizt werden. Der komplette Ablauf einer Impfung sei streng festgelegt. Zudem gebe es klare Regelungen auch bei der Logistik in den Zentren, der Lagerung der Impfstoffe sowie den medizinischen Prozessen. Pro Impfung wird ein Zeitaufwand von 15 Minuten veranschlagt - davon gehen je fünf Minuten für Registrierung und Beratung ab. So könne ein Arzt am Tag bis zu 96 Personen impfen.

Nach der Impfung werde es eine Zeit der „Beobachtung des allgemeinen Gesundheitsstatus“ geben, um mögliche Nebenwirkungen festzustellen. Zu einem späteren Zeitpunkt folge dann eine zweite Impfung, wobei allerdings noch kein genauer Abstand festzustehen scheint. In jedem Fall braucht damit allein Deutschland mehr als 160 Millionen Spritzen.

Zeit für den Impfplan: Mehrere Pharmakonzerne melden bei der Forschung nach einem Wirkstoff gegen Sars-CoV-2 Erfolge.

Impfstoff gegen Coronavirus: Auch Bundeswehr-Soldaten und Studenten sollen helfen

Grundsätzlich werde mit Engpässen bei medizinischem Personal gerechnet. Angefragt werden deshalb etwa niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser, Ordnungs- und andere Ämter sowie Bundeswehr, Sanitätsdienste, Studenten aus Gesundheitsberufen und Logistik (für die Kontaktnachverfolgung) sowie Hilfsorganisationen wie Arbeiter-Samariter-Bund oder das Deutsche Rote Kreuz.

Geplant sei auch die Arbeit mit mobilen Teams, die Pflegebedürftige und Personen, die nicht alleine ins Impfzentrum kommen können, aufsuchen. Hierzu werden demnach auch Flüchtlinge, Obdachlose oder Menschen mit Suchterkrankungen gezählt. Zudem könnten Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen, Polizisten und Feuerwehrkräfte in Kohorten geimpft werden - so müsste hier nicht jeder einzeln ins Impfzentrum fahren. Zu den mobilen Teams sollen neben „Mini-Teams“ auch „Impf-Busse“ zählen, zudem seien sie an die Impfzentren angebunden. (mg) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Hans Pennink/dpa

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