In London hat eine Mutter ihren Nachbarn umgebracht, weil dieser ihren Sohn missbraucht hat. Dafür wurde sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. (Symbolbild)
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In London hat eine Mutter ihren Nachbarn umgebracht, weil dieser ihren Sohn missbraucht hat. Dafür wurde sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. (Symbolbild)

Racheakt in London

Mutter tötet pädophilen Nachbarn, der ihren Sohn missbraucht hat

  • Carolin Eberth
    VonCarolin Eberth
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Es war ein Racheakt: In London hat eine Mutter ihren Nachbarn umgebracht, weil dieser ihren Sohn missbraucht hat.

London – Die Britin Sarah Sands (38) hat ihren pädophilen Nachbarn erstochen, nachdem sie herausgefunden hatte, dass sich der Mann an ihrem Sohn Bradley vergangen hatte. 2015 wurde die alleinerziehende Fünffach-Mutter für diese Straftat verurteilt. Nun erinnert sich die verurteilte Totschlägerin an den Abend, als sie den 77-jährigen Mann umgebracht hat, und enthüllt zum ersten Mal ihr Motiv.

„Ich habe getan, was jede Mutter tun würde, weil er das meinem Sohn Bradley, meinem kleinen Jungen, angetan hat“, erklärt die 38-Jährige jüngst im Interview mit der britischen Boulevardzeitung The Sun. Vor sechs Jahren wurde Sarah Sands des Totschlags wegen Kontrollverlusts für schuldig befunden und zu dreieinhalb Jahren hinter Gittern verurteilt.

Mutter tötet pädophilen Nachbarn, der bereits 24 Mal wegen Sexualdelikten verurteilt war

Während ihres Prozesses stellte sich heraus, dass ihr Nachbar bereits 24 Mal wegen Sexualdelikten, die mehr als drei Jahrzehnte zurücklagen, verurteilt worden war. Aber niemand wusste von seiner Vergangenheit, weil er seinen Namen geändert hatte.

Als der Mann dem damals zwölfjährigen Bradley im Februar 2014 einen Job in einem Laden anbot, in dem er ehrenamtlich tätig war, dachte die Mutter, es sei eine gute Möglichkeit für ihren Sohn, Taschengeld zu verdienen. „Ich hatte keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen. Ich dachte, Bradley sei in Sicherheit“, sagt sie der Sun.

London: Schuldgefühle der Mutter führten zum Kontrollverlust

Doch bald verlor der damals 12-Jährige das Interesse an dem Job. Wochen später erfährt seine Mutter, dass ihr Nachbar des Kindesmissbrauchs an zwei weiteren 12-Jährigen beschuldigt worden war. Und dann erinnert sich Sarah Sands an das Gespräch mit ihrem Sohn, als er von seiner Misshandlung erzählte. „Ich fand ihn an den Haaren ziehend, schaukelnd, zitternd und weinend. Er sagte immer wieder: ‚Ich hätte es dir vorher sagen sollen – das hätte ihn davon abhalten können, diese Jungs zu bekommen‘“, sagte Mutter Sarah Sands. „Die Schuldgefühle, ihn nicht beschützt zu haben, überwältigten mich.“

Als Sands herausgefunden hatte, dass der Mann ein vorbestrafter Pädophiler ist, habe sie versucht, Hilfe zu bekommen. Aber sie behauptet, Polizei, Sozialdienste und Wohnungsbehörden hätten nicht zugehört.

Mutter verspricht, nie wieder zu töten – sieht sich aber nicht als Mörderin

„Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich dazu fähig sein würde. Ich bin nicht stolz darauf, aber wenigstens weiß ich, dass er niemanden mehr verletzen kann. Ich bin kein schlechter Mensch, aber ich weiß, dass ich etwas Schlechtes getan habe. Ich habe das nie geleugnet und ich wurde bestraft“, erklärt die 38-Jährige heute und verspricht, nie wieder zu töten. „Ich sehe mich nicht als Mörderin, aber ich bedaure nicht, was ich getan habe. Ich war eine Mutter, die verzweifelt ihre Kinder beschützen wollte.“

Sie erinnert sich im Interview mit der Sun an den Moment, der zu dem tödlichen Angriff führte. „Ich erinnere mich, dass ich ein Messer in die Hand nahm und zu Mick ging. Ich wollte ihn dazu überreden, sich schuldig zu bekennen, damit Bradley nicht aussagen muss“, sagte sie. „Mick öffnete die Tür und grinste. Er war eingebildet und schroff. Er wollte mir nicht zuhören“, erzählt sie. Dann überkam es die Mutter nach eigenen Angaben: Sie stach dem 77-Jährigen mit dem Messer in die Stirn. „Ich konnte nicht zulassen, dass noch jemand verletzt wird – jemand musste die Leute beschützen“, erklärt Sands.

Im August 2018 beendet die Mutter ihre Haftstrafe und kehrt zu ihrer Familie zurück. Mit ihrem Buch „Loss of Controll“ (zu Deutsch: Kontrollverlust) schließt die Londonerin nun mit diesem dunklen Kapitel ihres Lebens ab.

Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Sexualverbrechen an Kindern. In Limburg soll ein 64-Jähriger mehrere Kinder massiv sexuell missbraucht haben. Er war Teil des Rings „Elysium“. (Carolin Eberth) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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