Berufsverbot für Metzgerei in Werne
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Ein Mitarbeiter der Metzgerei soll unter anderem auf eine Kuh eingeprügelt haben. (Symbolfoto)

Tierschutz-Skandal

Nach Tierquälerei – „Berufsverbot“ für Metzgerei

  • VonSebastian Richter
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Nachdem die Soko Tierschutz bei der Firma Mecke Tierquälerei aufdeckte, wurde der Metzgerei nun ein „Berufsverbot“ ausgesprochen.

Update vom 18.08.2021, 17.00 Uhr: Nach dem Tierschutz-Skandal, bei dem Mitarbeiter einer Fleischerei unter anderem auf eine Kuh einprügelten, musste die Fleischerei Mecke in Werne nun schließen. Wie die Tagesschau berichtet, soll der Kreis Unna dem Betrieb in Werne am Freitag (13.08.2021) den Umgang mit Tieren verboten haben. Der Grund: Es sollen nach intensiven Ermittlungen weitere Missstände bei der Fleischerei Mecke gefunden worden sein.

Der Inhaber des Familienunternehmens Mecke habe am 03.08.2021 erstmals Stellung zu den Vorwürfen genommen. In dem Schreiben hieß es: „Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich als Betriebsinhaber die Verantwortung hierfür übernehmen werde. Diese Verantwortung nehme ich an. Und dieser Verantwortung stelle ich mich. Die Geschehnisse kann ich nicht ungeschehen machen. Ich bedauere sie zutiefst und bitte in aller Form um Entschuldigung dafür.“ 

Nach dem Tierschutz-Skandal hat der Kreis Unna nun dem Betrieb den Umgang mit Tieren verboten.

Nach Tierquälerei: „Berufsverbot“ für Fleischerei Mecke

Laut der Zeitung Werne Plus schließe das Veterinäramt des Kreises Unna nicht aus, dass auch Fleisch von Tieren verarbeitet wurde, welches eigentlich nicht mehr für den menschlichen Verzehr bestimmt war. Das würde laut Kreis Unna zum Beispiel auf das Fleisch von kranken Tieren zutreffen, welche Antibiotika bekamen. Am Samstagmittag (15.08.2021) sei es demnach zu der Schließung des Familienbetriebs Mecke gekommen. Der Landrat habe nun auch mehr Kontrollen für zukünftige Verdachtsfälle angekündigt.

Erstmeldung vom 29.07.2021, 16.15 Uhr: Die Tierschutz-Organisation Soko veröffentlichte Videos, in welchen zu sehen war, wie ein Mitarbeiter einer Viehsammelstelle in Werne (Nordrhein-Westfalen) brutal auf eine Kuh einschlug. Die Viehsammelstelle ist ein Teil des Familienunternehmen Mecke, gegen welches dann ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Dabei sei nicht nur die Tierquälerei ein Thema gewesen sein, sondern auch Kinderarbeit in der Viehsammelstelle.

Tierschutz-Organisation deckt Tierquälerei auf: Razzia und Ermittlungen gegen Viehhändler

Werne – Die veröffentlichten Videos sind erschreckend. Es ist zu sehen, wie Kühe mit Stöcken geschlagen, getreten und an den Ohren über den Boden geschleift werden. Die Tiere werden so lange verprügelt, bis sie kraftlos zusammensinken. Die Organisation Soko Tierschutz hat anhand dieser Videos auf die traurige Realität der Tierquälerei in einer Viehsammelstelle aufmerksam gemacht. Dabei brachten die Tierschützer ans Licht, wie Tiere systematisch misshandelt wurden. In einem ihnen zugespielten Video sieht man die brutale Tierquälerei. Auch auf den Verdacht zu illegalen Tierversuchen und Verstößen gegen den Jugendschutz hin wird ermittelt.

Brutal schlägt ein Mitarbeiter auf eine Kuh ein. Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt in dem Fall wegen Tierquälerei.

Das Material stammt laut der Soko Tierschutz aus dem Zeitraum Mai bis Juli 2021. Tatort ist die Viehsammelstelle in Werne (Nordrhein-Westfalen), die zum Familienunternehmen Mecke gehört. Systematisch sollen dort die Kühe und Kälber in den letzten Monaten misshandelt worden sein.

Tierquälerei bei Familienunternehmen: „Ein Großversagen von Politik und Justiz“

Wegen der Vorwürfe führte die Polizei am 22.07.2021 Razzien an mehreren Standorten des Fleischhändlers durch, wie das ARD-Magazin Fakt unter Berufung auf die Tierschützer berichtete. Das Magazin hatte die Videos am Dienstag (27.07.2021) veröffentlicht. Außerdem soll den Tieren literweise Blut abgezapft worden sein, um es anschließend zu verkaufen. Laut der Soko Tierschutz ein meldepflichtiger Tierversuch. „Leer machen“ soll sich diese Praxis nennen – die Tiere sind danach so entkräftet, dass sie oft nicht mehr aufstehen können.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art in der letzten Zeit: Eine der Razzien fand laut den Tierschützern bei einer Viehhandlung im Tecklenburger Land in NRW statt. Diese Viehhandlung war demnach ein Zulieferer an Mecke – und laut Soko Tierschutz bereits 2018 in einen großen Tierquälerei-Skandal verwickelt. Damals sollen die Tiere über eine Seilwinde von einem Viehanhänger gezogen worden sein. Außerdem soll das Vieh geschlagen, getreten und mit Elektroschocks misshandelt worden sein.

„Jetzt zeigt sich, dass die lächerlichen Strafen in den Tierschutzprozessen null abschrecken“, kommentiert Soko-Sprecher Friedrich Mülln die Geschehnisse in der Mitteilung. Dass die gleichen Täter nur wenige Jahre später in einen ähnlichen Skandal verwickelt wurden, nennt Mülln „ein Großversagen von Politik und Justiz.“

Kreis Unna reagiert auf Tierquälerei: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Der zuständige Kreis Unna reagierte auf den Hinweis der Tierschützer. Den Mitarbeitenden wurde bereits am Freitag (23.07.2021) der weitere Umgang mit Tieren untersagt, wie der Kreis mitteilte. Der Betrieb der Sammelstelle wird bis zum Abschluss der Ermittlungen eingestellt. Die Soko Tierschutz erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund und hat dafür die Videos übermittelt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.

Aber nicht nur wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz hat die Organisation Strafanzeige gestellt. Auch beim Jugendschutz gibt es Probleme: Auf dem Material soll zu sehen sein, wie Kinder die Tierquälerei regelmäßig zu Gesicht bekommen. Einer der Mitarbeiter soll Minderjährige sogar dazu angestiftet haben, selbst auf die Tiere einzuschlagen.

Firma antwortet auf Vorwürfe: „Über die Aufnahmen schockiert“

Auf ihrer Website äußerte sich auch die Mecke GmbH zu den Vorwürfen. Die Unternehmensführung und die Angestellten seien „über die Aufnahmen schockiert“, heißt es in der Stellungnahme vom Mittwoch (28.07.2021). Für die mutmaßlichen Tierquäler wurden Konsequenzen gezogen. „Wir haben beide Mitarbeiter, die die Verstöße begangen haben, heute mit sofortiger Wirkung gekündigt“, so Mecke. Das Unternehmen möchte die Behörden bei der Aufklärung der Sachverhalte „umfassend unterstützen“. Verstöße gegen den Tierschutz werden demnach bei Mecke in keiner Weise geduldet. „Wir stehen auch und insbesondere jetzt zu unserer Verantwortung“, so das Unternehmen.

Auch in Hessen machte kürzlich ein Fall von Tierquälerei Schlagzeilen. Zahlreiche Kaninchen wurden in einer verdreckten Box ausgesetzt – und ihrem Schicksal überlassen. (spr)

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