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Ukraine-Krieg: So inszenieren sich Selenskyj und Putin

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Von: Sandra Kathe

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Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj stehen nicht nur auf unterschiedlichen Seiten in einem Krieg, sie demonstrieren auch aktuell, dass sie charakterlich kaum gegensätzlicher sein könnten.
Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj stehen nicht nur auf unterschiedlichen Seiten in einem Krieg, sie demonstrieren auch aktuell, dass sie charakterlich kaum gegensätzlicher sein könnten. (Archivfoto) © Indranil Mukherjee/AFP

Während Putin im Krieg auf Propaganda und Zensur setzt, entwickelt sich Selenskyj nach Russlands Angriff auf die Ukraine weltweit zum Sympathieträger.

Kiew/Moskau – Was den russischen Machthaber Wladimir Putin und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in diesen Tagen verbindet, ist die Entschlossenheit, mit der beide hinter ihrer jeweiligen Sache stehen. Der eine demonstriert im Ukraine-Konflikt seine Stärke in Militärkleidung und Social-Media-Videos, der andere in sorgfältig inszenierten Bildern und einem neuen Zensurgesetz. Und tatsächlich ist es damit vor allem diese Gemeinsamkeit, die unübersehbar macht, dass die Unterschiede zwischen den beiden Regierungschefs gerade kaum größer sein könnten.

Da steht auf der einen Seite Putin*, den internationale Medien derzeit als „distanziert“, „konfus“ und „unnahbar“ beschreiben. Putin ist mit einer kurzen Unterbrechung seit dem Jahr 2000 Regierungschef in Moskau, dass sich daran bald etwas ändern könnte, gilt dank Gesetzesänderungen zur Verlängerung seiner Amtszeit sowie Bestrebungen in Sachen Zensur von Gegnern, Oppositionellen und unabhängigen Medien als unwahrscheinlich.

Russlands Angriff auf die Ukraine: An der Spitze der Staaten stehen Gegensätze

Auf der anderen Seite steht mit Wolodymyr Selenskyj einer, dessen Kandidatur für das Präsidentenamt noch vor einigen Jahren international als Witz aufgefasst wurde. Selenskyj war vor seinem Amtsantritt Entertainer, Komiker, Schauspieler und wurde wohl vor allem deshalb gewählt, weil die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung größtmögliche Veränderungen sehen wollte. Seit Ende Februar die ersten russischen Truppen in die Ukraine einmarschiert sind, zeigt Selenskyj sich von einer völlig neuen Seite.

Statt Maßanzug trägt er inzwischen Militärkleidung, statt in gut ausgeleuchteten Fernsehstudios hält er seine Ansprachen an die Bevölkerung vor Smartphone-Kameras, während man die Straßen Kiews im Hintergrund klar erkennen kann. Als US-Präsident Joe Biden Selenskyj zu dessen Sicherheit anbot, den Präsidenten außer Landes zu bringen, reagierte dieser kühl und schlagfertig: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Selenskyj macht sich so seit Tagen zum weltweiten Sympathieträger, Putins internationales Ansehen hingegen ist nach den vergangenen zwei Wochen kaum wiederherzustellen.

Ukraine-Krieg: Putin verliert Sympathien, Selenskyj verschafft sich Respekt

Im Krieg zwischen Russland und der Ukraine* hat Putin zuletzt viele ehemalige Unterstützer verloren, darunter den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der kurz nach Kriegsbeginn in einem Fox-News-Interview noch Putin in Schutz nahm und Biden als eigentlichen Schuldigen der Eskalation ausmachte. Inzwischen steht selbst er mit der Forderung „Bomb the Shit out of Russia“ auf Putins gegnerischer Seite.

Auch in einem Artikel des Nachrichtenmagazins Spiegel, der analysiert, wie die beiden Staatschefs sich derzeit medial inszenieren, zeigen sich die Gegensätze auf den ersten Blick. Da sitzt Putin an einem langen Konferenztisch, ganz an dessen anderem Ende sitzen die russischen Verteidigungsminister, die für ihren Chef Tausende Soldaten zum Überfall ins Nachbarland geschickt haben. Selenskyj hingegen zeigt sich immer wieder umgeben von Regierungskollegen – auf Videos und in Fotos, Schulter an Schulter.

Im Ukraine-Krieg kommunizieren Putin und Selenskyj völlig gegensätzlich

Der größte Gegensatz zeige sich aktuell jedoch vor allem darin, wie übereinander gesprochen werde, analysierte etwa die Übersetzerin und Autorin Olga Radetzkaja kürzlich im Gespräch mit der Deutschen Welle: Putin spreche in seinen Reden „über die Ukrainer als eine Seuche, von einem Virus, von Schmarotzern und einer Junta drogenabhängiger Nazis. Sie seien alle von der westlichen Propaganda verblödet, seien von Außen gesteuert.“

Auch hier stelle Selenskyj den direkten Gegensatz dar: Während er in den Ansprachen an seine eigene Bevölkerung immer wieder demonstriere, dass er in der Situation des Krieges einer von ihnen ist, „auf Augenhöhe“ agiert, wie Radetzkaja sagt, richte er auch immer wieder Appelle an die Menschen im Nachbarland: „Er wendet sich an die russische Bevölkerung und sagt: ‚Ihnen wird im Fernsehen dies und jenes erzählt, aber in Wirklichkeit ist es so‘. Selenskyj versucht zu argumentieren. Er nennt die Russen nicht verblödet.“ (ska) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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