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Nichts ist mehr wie es war: Das Coronavirus ändert unseren Alltag - und gibt uns eine Chance zur Neubesinnung.

Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt nach Corona: Modell zeigt auf, was die Krise mit uns macht

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Mit einem Phasenmodell macht die indische Ärztin Monika Langeh Mut, die Corona-Krise als Chance für die persönliche Entwicklung zu nutzen. Sie erklärt, worauf es dabei ankommt.

  • Studien zur Corona-Krise: Ärztin in Neu-Delhi entwickelt Drei-Phasen Modell
  • Dr. Monika Langeh arbeitet als Ärztin in Neu Delhi und hat ein Modell mit drei Phasen der persönlichen Entwicklung ausgearbeitet
  • Um die Corona*-Krise als Chance zu nutzen sei es wichtig, sich zu reflektieren und andere in das eigene Handeln einzubeziehen
  • Die Entwicklung von Werten in der Pandemie ermöglicht Wachstum danach

Neu Delhi - Monika Langeh arbeitet als Ärztin im Venketeshwar Krankenhaus in Neu Delhi, ganz in der Nähe des Indira Gandhi Flughafens im Westen der indischen Hauptstadt. Sie kennt die wirklichen Probleme im indischen Medizinsystem und ist unverdächtig, abgehoben von der Realität davon zu sprechen, dass jede Krise auch eine Chance sei. Sie hat mitten in der Hochphase der Coronavirus-Pandemie ein Modell entwickelt, um Menschen aufzuzeigen, worauf es dabei wirklich ankommt.

Corona-Krise: Drei Phasen für inneres Wachstum

Die drei Kreise bringen auf den Punkt, was jede und jeder von uns derzeit erlebt. Nachdem sich die Panik gelegt hat, beginnen wir zu lernen. Entscheidend ist die dritte Phase des Wachstums. Um dorthin zu gelangen sind immer drei Dimensionen wichtig: Selbstreflektion, Einbeziehen der anderen und Entwickeln von Werten für den eigenen Lebensplan.

Drei Phasen in der Corona-Krise: Wer will ich sein während Covid-19?

Monika Langeh sieht einige Werte als zentral an, damit die persönliche Weiterentwicklung gelingen kann. An andere zu denken und hilfreich sein zu wollen, öffnet auch für das Selbst den Weg, um sich aus dem „Warteraum zwischen etwas“ zu einem Ziel zu öffnen.

In diesem Sinn ist das Phasenmodell auch eine Anleitung für uns. Welche Werte und Ziele am Ende der Krise stehen, definieren wir selbst. Wir müssen sie uns nur explizit machen und auch wirklich vornehmen.

Erste Phase der Corona-Krise: Panik und Angst

In der ersten Phase sind wir von Panik und Angst bestimmt. Wir haben kaum Informationen und horten unsystematisch alles, was nützlich sein kann. Unsere Bedürfnisse sind auf ein Minimum reduziert: Überleben und irgendwie heil aus der Situation herauskommen.

In Bezug auf andere, gelingt es uns in dieser Phase noch kaum Abstand zu uns selbst zu gewinnen. So verhalten wir uns selbst wenig aktiv, fühlen uns als Opfer und suchen nach einem Schuldigen.

Zweite Phase der Corona-Krise: Selbstdistanz und Lernen

Mit der Fähigkeit, Abstand zum Geschehen zu bekommen, beginnt die Lernphase. In dieser Phase können wir unterscheiden zwischen den Dingen, die uns guttun und denen, die uns schaden. Und wir gestalten aktiv, was wir konsumieren. Die Panikkäufe sind vorbei, wir kaufen wieder systematisch nach Plan ein. Aber wir können auch Nachrichten kritisch einordnen. Und wir beginnen zu verstehen, was wir benötigen, um Entscheidungen zu treffen und was uns schadet.

Unser Verhältnis zu anderen ändert sich grundlegend. Mit der wiedererwachten Selbstkompetenz können wir auch anderen zugestehen, dass sie nur das beste in einer unklaren Situation versuchen. Damit verstehen wir, dass es keine kompletten Informationen gibt, die alle Eventualitäten berücksichtigen. Wir können erste Pläne für unser Leben in einer unsicheren Welt gestalten.

Dritte Phase der Corona-Krise: Wachsen dank Werten

Der Umschwung von der Lernphase in die Wachstumsphase kommt mit einer veränderten Sicht auf sich selbst. Ich erkenne, dass ich nur weiß, was ich nehmen will, sondern selbst etwas zu geben habe. Ich werde zum Akteur meines eigenen Lebenswelt.

Damit ändert sich auch unser Zeitgefühl fundamental. War die erste Phase unmittelbar von der Gegenwart geprägt, konnte die Lernphase einen Schritt in die Zukunft machen. Die Wachstumsphase träumt sich ganz in die Zukunft und fragt, wer ich sein will trotz oder wegen Covid-19. Aus dieser Vision lassen sich Werte für mein gegenwärtiges Handeln ableiten. Aus dieser Vision entsteht innere Ausgeglichenheit.

Für Monika Langeh sind diese Werte von einem heilsamen Leben in Einklang mit den Mitmenschen geprägt. In ihrem Modell haben wir aus der Angst- und der Lernphase eine neue Fähigkeit mit in das eigene Wachstum mitgenommen. Dank Covid-19 haben wir gelernt, uns an neue Anforderungen anzupassen. Die Methode sich selbst zu reflektieren, an andere zu denken und aus der Vision der Zukunft Werte für den eigenen Lebensplan zu entwickeln, diese Methode funktioniert nicht nur während Pandemien. Sie macht unser Leben bei jeder Herausforderung besser.

Von Thomas Kaspar

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