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In der New Yorker U-Bahn machte man schon 2015 auf „Manspreading“ aufmerksam.

Manspreading

Sexismus? Wiener U-Bahn startet Kampagne - „Sei ein Ehrenmann...“

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„Sitzt du noch oder spreadest du schon?“, fragen die „Wiener Linien“ in einer Kampagne. Breitbeinig sitzende Männer nehmen in der U-Bahn Platz weg, heißt es.

  • Breitbeiniges Sitzen (“Manspreading“) wird meist bei Männern beobachtet.
  • Wer so sitzt, nimmt mehr Raum als andere Sitzende ein - etwa in der U-Bahn.
  • Der Wiener Nahverkehr ergreift deshalb jetzt Maßnahmen.
  • Die Meinungen darüber gehen stark auseinander.

Wien - Als die U-Bahn heranfährt sichtet man noch einen freien Platz im Zug. Doch nach dem Sprung in die Bahn wird klar: Den freien Platz nutzt der Nebenmann bereits mit. Zurückgelehnt streckt sich der Mitfahrer über die Bank aus.„Manspreading“ nennt man es, wenn Männer mit weit gespreizten Beinen an öffentlichen Orten sitzen. Was für die „Manspreader“ bequem ist, ist für den Rest oft nervig. 

Besonders in überfüllten U-Bahnen nimmt breitbeiniges Sitzen dringend benötigten Platz ein. Das dachten sich auch die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in Wien. Mit einer Anti-Manspreading-Kampagne machen die „Wiener Linien“ auf das Fehlverhalten aufmerksam. Am Montag veröffentlichten sie bebilderte Aufforderungen, sich platzsparender in der U-Bahn zu setzen.

Sexismus? Wiener U-Bahn startet Kampagne gegen “Manspreading“

Einen passenden Slogan haben die Österreicher auch entwickelt: „Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!“ Auf einem „Schmuddelzettel“, wie es die Wiener Linien nennen, illustrieren vier Bildchen was mit dem Slogan gemeint ist. In drei Abbildungen sind Männer zu sehen, die besonders breitbeinig sitzen und stehen - klassisches Manspreading. Zwei grinsende Männlein zeigen in der letzten Illustration wie man in der U-Bahn sitzen sollte: Gerade und mit geschlossenen Knien.

Ein Foto des Manspreading-Merkzettels posteten die Wiener Linien auf Twitter. „Sitzt du noch oder spreadest du schon?“, heißt es in dem Beitrag. Darunter lassen sich etliche Twitter-Nutzer über die Kampagne aus. Vielen Usern sagt die Empfehlung für den Wiener Nahverkehr zu. Schon über eintausend Likes haben die „Wiener Linien“ für den „Schmuddelzettel“ gesammelt. 

Breitbeiniges Sitzen in der U-Bahn: Geteilte Meinungen

In den Kommentaren schreibt eine Nutzerin: „Ich glaube, das ist nicht so sehr ein Problem männlicher Anatomie, sondern eher ein Problem männlichem Imponiergehabes.“ Eine andere lässt das Argument der männlichen Anatomie ebenfalls nicht gelten: „Egal wie sehr du es dir wünscht, dein Penis ist niemals so groß, dass du deine Beine über 1 1/2 Sitze hinweg spreizen musst. Frauen breiten in der U-Bahn wegen ihrer Oberweite auch nicht ihre Arme zu den Seiten hin aus.“

In der New Yorker U-Bahn machte man schon 2015 auf „Manspreading“ aufmerksam.

Viele Kommentatoren weisen in ihren Beiträgen auf Sexismus hin. “Ich weiß es ist witzig gemeint. Aber "manspreading" ist ein sexistischer, männerfeindlicher Ausdruck für ein artifizielles Problem.“ Oder auch: „Die Botschaft sollte Rücksicht gegenüber anderen sein. Stattdessen wird breitbeinig sitzen sexualisiert und Frauen sollen gefälligst ihre Handtasche wegpacken.“

Generell scheinen die meisten Wiener, die die Kampagne kommentieren, von anderen Beeinträchtigungen deutlich mehr genervt zu sein: Taschen auf freien Plätzen, übergewichtige Menschen, laute Menschen, stinkende Menschen... Im öffentlichen Nahverkehr ist man nun einmal nicht alleine unterwegs.

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