Impression von der ?Tendence?: Amnon Lipkin ?zeichnet? mit der Nähmaschine auf Leinen.
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Impression von der ?Tendence?: Amnon Lipkin ?zeichnet? mit der Nähmaschine auf Leinen.

Schwund auch bei der Ausstellerzahl

Nur 24.000 Besucher auf „Tendence“

  • Thomas Baumgartner
    VonThomas Baumgartner
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Mit einem erneuten Aussteller- und Besucherminus ist gestern die Herbstmesse „Tendence“ in Frankfurt zu Ende gegangen. Von nächstem Jahr an findet sie schon Ende Juni statt.

Man muss sich die „Tendence“ wie ein großes Kaufhaus vorstellen. Allerdings eines, dem die ordnende Hand des Einkäufers fehlt. So gibt es in Halle 8 – der ersten, die der Besucher erreicht, nachdem er vom S-Bahnhof den Weg durch die „Via-Mobile“-Baustelle gefunden hat – Riesenuhren (Aussteller: Karlsson) und rosa Babygeschirr (Rice) neben klassischen Kissen (Au Maison) und Schafsmilchseifen (Florex). Und mittendrin Gewürze, Kunstblumen und Metall-Lampen. Auch viel Weihnachtsdekoration, die man eher auf der „Christmasworld“ im Januar vermuten würde, und sogar ein Garten-Whirlpool.

Der Aussteller „Mayer Chess“ hat leider keine Schachfiguren im Angebot, sondern jede Menge Fantasy-Drachen aus Plastik. Da endlich, diese Hängematten sind doch schön! Allerdings handelt es sich nicht um Neuheiten, sondern um einen Rastplatz. Den hat die Messe Frankfurt eingerichtet für Besucher, die allzu erschöpft sind von der Menge der Waren, bei denen fraglich scheint, ob sie irgendjemand auf dieser Welt braucht. „Die Produkte würden hier nicht gezeigt, wenn es für sie nicht auch einen Markt gäbe“, sagt ein Sprecher der Messe. Zur Not versuchen es die Anbieter mit Preisnachlässen. „Extra 10 Prozent Rabatt“ verspricht der polnische Aussteller Batek für seine Schlüsselanhänger, „made of stardust“.

In Halle 9.2 herrscht weniger Durcheinander, doch können Standreihen auf Standreihen voller Modeschmuck – aus Afrika, Indien, Südamerika – auch ganz schön ermüden. Erstaunlich sind hier vor allem die Gewinnspannen zwischen dem Großhandelspreis und dem, was am Ende im Laden aufgerufen wird. Gediegener ist das Ambiente im Erdgeschoss der Halle 9 – und auch in der neuen Halle 11, wo sich anders als zuvor auch bekannte Markennamen wie Koziol, Troika oder Berndes finden.

Auf dem von der Messe Frankfurt eingerichteten Gemeinschaftsstand „Village“ sind der Taschenanbieter Reisenthel oder der Geschenkartikelhändler „GiftCompany“ vertreten. Florian Berger, Geschäftsführer des hier beteiligten Geschenke-Anbieters Donkey Products: „Das Konzept des Village funktioniert. Heutzutage reicht es als Aussteller nicht, eine normale Messe zu machen. Man muss immer auch ein bisschen was Anderes bieten.“

Am Gemeinschaftsstand „Junge innovative Unternehmen“ des Bundeswirtschaftsministeriums stellt der Münchner Hersteller FLSK seine Edelstahlflaschen vor, die Getränke 18 bis 24 Stunden heiß oder kalt halten und die absolut dicht sein sollen.

Termin wird vorgezogen

Für solche Angebote ist auch mehr Besucher-Interesse zu verzeichnen, ebenso bei der Nachwuchs-Designer-Präsentation „Talents“. „Eine sehr gute Messe, viele Interessenten, interessante Gespräche“, berichtet Amnon Lipkin aus Tel Aviv (Israel), der quasi mit der Nähmaschine zeichnet, mit schwarzem Faden auf Leinen – die Motive reichen von menschlichen Figuren bis zu Ansichten seiner Heimatstadt.

Insgesamt jedoch hat das Interesse an der Konsumgütermesse erneut nachgelassen: Nur noch 955 Aussteller (1100) fanden den Weg nach Frankfurt. Die Zahl der Fachbesucher sank ebenfalls von im Vorjahr knapp 27 500 auf 24 000, ein Fünftel davon waren internationale Einkäufer. Die Messe Frankfurt hat die Konsequenzen gezogen und die „Tendence“ von 2017 an auf Ende Juni vorgezogen. Das soll die Schau wieder zum echten Neuheiten-Termin machen und Großeinkäufer zurück nach Frankfurt holen.

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