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Absatz-Boom bei Degussa Goldhandel

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Von: Thomas Baumgartner

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Uhrmachermeister Paul Crost ist bei der Degussa in der Frankfurter Niederlassung für den Altgold-Ankauf zuständig.
Uhrmachermeister Paul Crost ist bei der Degussa in der Frankfurter Niederlassung für den Altgold-Ankauf zuständig. © Thomas Goetz

Wenn sich die Euro-Krise verschärft, reagieren die Deutschen mit Edelmetall-Käufen. Degussa Goldhandel profitiert davon.

Griechenland-Krise, Euro-Schwäche und Niedrigzins lassen den Gold-Absatz in Deutschland in ungeahnte Höhen schießen. In den ersten fünf Monaten des Jahres ist beim Marktführer Degussa Goldhandel der Absatz um jeweils 30 bis 50 Prozent gestiegen, auf insgesamt über eine halbe Milliarde Euro. Im ersten Quartal lag Deutschland im Nachfrage-Ranking weltweit auf Rang drei, überrundet nur von den weit größeren Ländern China und Indien.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, weist darauf hin, dass der Goldpreis zwar in Dollar zuletzt stagnierte, in Euro gerechnet aber seit Jahresbeginn deutlich zugelegt hat. Goldmünzen und -barren böten sich so zur Währungsabsicherung an; der Vergleich mit der Wertentwicklung anderer Sachwerte – beispielsweise Immobilien – spiele dagegen weniger eine Rolle. Das Unternehmen mit Zentrale in Frankfurt und inzwischen 120 Mitarbeitern ist erst 2010 an den Start gegangen, hat durch sein breites Angebot aber mittlerweile die Konkurrenz abgehängt. Im Vorjahr betrug der Umsatz knapp 1,3 Milliarden Euro, das Wachstum im laufenden Jahr dürfte zweistellig ausfallen. Trotz hoher Marketing-Aufwendungen strebt der Degussa-Chef 2015 erstmals schwarze Zahlen an. Ein Viertel des Absatzes entfällt bereits auf den Online-Shop, Anfang Juli folgt eine Telefon-Hotline für Bestellungen.

Breites Angebot

Es gibt Sammlermünzen aus Antike oder Kaiserreich, Gold-Geschenke (Krügerrand-Manschettenknöpfe), Silberbesteck, Gedenkprägungen aus Silber und Gold (etwa zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks oder mit dem Motiv Frankfurter Römer). Zum Sortiment goldener Uhren werden zum Weihnachtsgeschäft solche mit Krügerrand-Ziffernblatt hinzukommen. Beim Ankauf von Altgold, auch per Brief, setzt Degussa Goldhandel im Vergleich zu vielen eher dubiosen Angeboten auf transparente, faire Preise. Die Gramm-Preise werden alle fünf Minuten angepasst; täglich ermittelte Referenzpreise („Londoner Fixing“) waren zuletzt in die Kritik geraten, weil die beteiligten Händler getrickst haben sollen. Für Krügerrand-Münzen oder Ein-Kilo-Barren ermittelt die Degussa jedoch eigene Referenzpreise.

Zum Schutz der Marke geht das Unternehmen rigoros rechtlich gegen gefälschte „Degussa“-Barren etwa beim chinesischen Online-Händler Alibaba vor. Den traditionsreichen Markennamen hatte die Milliardärsfamilie von Finck der Evonik abgekauft (angeblich für nur zwei Millionen Euro) und neu belebt. Wrzesniok-Roßbach, der früher für Dresdner Bank und Heraeus im Edelmetall-Handel gearbeitet hat, betreibt inzwischen Niederlassungen auch in München, Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Nürnberg, Stuttgart und Pforzheim. Die internationale Expansion hat begonnen: Im Februar eröffnete ein neuer Standort in Madrid, es folgten Zürich und Genf. Demnächst sind Singapur und London (unter dem Markennamen Sharps Pixley) an der Reihe, Wrzesniok-Roßbach denkt über weitere Standorte in den Benelux-Staaten oder in Polen nach. Die Gruppe hat eine Scheideanstalt in Pforzheim übernommen, um das Altgold selbst verarbeiten zu können, und mit SilviOr in Würzburg einen Verwahrspezialisten, so dass nun neben Schließfächern auch ein Sammellager angeboten wird.

Ware vorrätig

Wrzesniok-Roßbach rät, 10 bis 15 Prozent des Vermögens in Gold anzulegen. Silber hingegen sei – durch seine Funktion als Industriemetall – beim Preis schwankungsanfälliger und zudem mit Umsatzsteuer belastet. In den Degussa-Filialen empfängt er nach eigener Aussage eine andere Klientel als in noblen Privatbanken: Es kaufen Studenten, Handwerksmeister, Millionäre. „Hier kann jeder kommen.“ Viele Kunden überweisen das Geld vorab, die Ware ist in aller Regel vorrätig. Ein wichtiger Unterschied zu Banken, die zuletzt nur noch an eigene Kunden verkauften, und das häufig zu wenig vorteilhaften Preisen.

Im Trend liegt „Papier-Gold“ (zum Beispiel Xetra-Gold der Deutschen Börse). „Damit tun wir uns schwer, wir glauben an physisches Gold.“ Wer sich gegen einen Zusammenbruch des Finanzsystems absichern wolle, dem sei mit Zertifikaten von Banken wenig geholfen. Wer allerdings auf Schwankungen des Goldpreises spekulieren wolle, für den seien solche Papiere durchaus eine Option.

Zur aktuellen Entwicklung passt übrigens das „Angebot der Woche“, das von heute an bei Degussa erhältlich ist: griechische 20-Drachmen-Münzen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als auch die griechische Währung noch solide war.

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